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Soziale Medien Apple-Mitarbeiterin geht bei Tiktok viral – und droht deswegen ihren Job zu verlieren

In einem weiteren Clip verarbeitet Paris Campbell die Vorwürfe
In einem weiteren Clip verarbeitet Paris Campbell die Vorwürfe
© Screenshot Tiktok
Viele Firmen würden sich freuen, wenn ein Mitarbeiter mit einem Video viral geht. Bei Apple sieht man das offenbar nicht ganz so. 

Noch vor wenigen Jahren war plötzlicher Ruhm mit viel Aufwand und noch mehr Glück verbunden. Im Zeitalter der sozialen Netzwerke kann ein einzelner Post bei Instagram, Tiktok und Co. in kürzester Zeit ein Millionenpublikum erreichen. Eine junge Frau aus New York könnte ein solcher Viralerfolg nun den Job kosten. 

Paris Campbell wollte eigentlich nur einer anderen Nutzerin helfen, als sie plötzlich bei Tiktok auf der großen Bühne landete. Eine Nutzerin hatte ihr iPhone auf dem Coachella-Festival verloren, nun bekam sie plötzlich Nachrichten, die sie aufforderten, ihren Apple-Account vom iPhone zu löschen, weil man sonst ihre Daten verkaufen würde. Campbell gab ihr in einem Video daraufhin den Ratschlag, das nicht zu tun. Und landete damit überraschend einen viralen Hit: Innerhalb von 24 Stunden wurde ihre Warnung von mehr als 5 Millionen Menschen gesehen, mittlerweile sind es knapp 8,5 Millionen.

Ärger mit dem Chef

Campbell musste sich plötzlich vor ihrem Boss verantworten. Im Video hatte sie erklärt, sie "arbeite seit sechs Jahren als Hardware-Ingenieurin für eine gewisse Firma, die gerne über Obst spricht". Dass dahinter Apple steckt, dürfte wohl jeder verstanden haben. Damit würde sie gegen die Firmen-Politik des Konzerns verstoßen, warf ihr Vorgesetzter ihr nun vor. Die besage, dass man sich in sozialen Netzwerken nicht als Apple-Mitarbeiter zu erkennen geben dürfe. Ihr drohten Disziplinar-Maßnahmen "bis zur Kündigung", sollte sie den Clip nicht löschen, sagte er seiner Untergebenen am Telefon. Ihre Nachfrage, was konkret passieren würde, wenn sie das Video nicht löscht, wollte er aber nicht beantworten. Er würde sich deshalb noch einmal bei Campbell melden. Das sei bisher noch nicht passiert, erzählte sie "The Verge".

Campbell entschied sich, in die Offensive zu gehen. In einem Folgevideo machte sie das Offensichtliche offiziell. "Ich arbeite bei Apple", stellte sie klar. Das habe sie vorher so klar nie gesagt. Nach dem Gespräch habe sie die Richtlinien des Konzerns zu sozialen Netzwerken noch einmal nachgeschlagen. "Dort wird nirgendwo explizit verboten, zu sagen, dass ich dort arbeite. Nur, dass man den Konzern nicht schlecht aussehen lassen soll." Das hätte sie mit ihrem Versuch zu helfen ihrer Ansicht nach nicht getan. Auch gegen Geheimhaltungsklauseln habe sie nicht verstoßen. "Alles was ich sagte, war schon vorher öffentlich bekannt".

Strenge Social-Regeln

Tatsächlich scheint Apple zwar klar davon abzuraten über Kunden, die Kollegen oder vertrauliche Informationen zu posten. Ein echtes Verbot sich als Mitarbeiter zu outen ließe sich aber nicht finden, so "The Verge". In einem internen Dokument heiße es: "Wir wollen, dass ihr ihr selbst seid, aber man sollte in Posts, Tweets und anderer Online-Kommunikation respektvoll sein." Der Konzern wollte sich auf Anfrage der Seite nicht zu dem Fall äußern.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple Angestellte wegen deren Social-Posts vor die Tür setzt. Bei der Kündigung zweier Mitarbeiter vor einem Jahr ging es aber etwa um die Verbreitung von Unternehmens-Interna und nicht um die reinen Posts. Ob die Social-Vorgabe, Apple nicht zu schaden, mit Campbells nachgelegten Posts eingehalten wurde, ist mindestens debattierbar. Schließlich macht sie die Kündigungs-Möglichkeit direkt öffentlich, fragt laut nach, warum Apple interessiere, was sie privat macht - und sorgt bei ihren fast 500.000 Tiktok-Followern so sicher nicht für ein besseres Bild des Konzerns. Und das, obwohl bislang nur ein einzelner Manager eine Drohung aussprach.

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Mit der Gefahr der Kündigung zu spielen, scheint ihr allerdings auch durchaus Spaß zu machen. In einem neueren Clip fragt sie ihren Amazon Echo: "Alexa, werde ich heute gefeuert?" Als Antwort erhält sie allerdings eine Entwarnung, dass keine Flächenbrände in der Region New York erwartet würden. "Danke, das war hilfreich", freut sich Campbell trocken. Den Clip, dem sie den Ärger verdankt, lässt sie indes weiter online.

Quelle:Tiktok, The Verge


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