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Gefeuerter CISA-Chef "Die eine stimmt sogar": Christopher Krebs zerlegt in US-Lateshow Trumps Verschwörungstheorien

Christopher Krebs, ehemaliger Direktor der Cybersicherheitsagentur des US-Heimatschutzministeriums
Christopher Krebs, ehemaliger Direktor der Cybersicherheitsagentur des US-Heimatschutzministeriums
© Carolyn Kaster / DPA
Seit Donald Trump ihn herausgeworfen hat, hält sich der ehemalige Cybersicherheits-Chef Christopher Krebs endgültig nicht mehr mit seiner Kritik zurück. In der "Late Show with Stephen Colbert" sprach er über Todesdrohungen, zerpflückte Verschwörungstheorien – und riss auch den ein oder anderen Gag.

Die Präsidentschaftswahl war nicht manipuliert - mit dieser Botschaft hausiert Christopher Krebs seit Tagen in den Medien. Er muss es wissen: Als Leiter der Cybersicherheits-Behörde CISA war er auch für Angriffe und Manipulationsversuche bei der Wahl verantwortlich. Kein Wunder, dass Donald Trump ihn feuerte. Schließlich besteht der Noch-Präsident darauf, nur durch Betrug verloren zu haben. Bei einem TV-Auftritt knöpfte sich Krebs die beliebtesten der auch von Trump verbreiteten Theorien vor.

Als Gast der "Late Show with Stephen Colbert" konnte der sonst sehr seriöse Krebs durchaus mit Charme punkten. Als Host Stephen Colbert ihn etwa auf die Todesdrohungen gegen ihn durch Trumps Anwalt diGenova anspricht, dreht Krebs lieber die Richtung des Gesprächs - und weist daraufhin, das neben ihm auch viele Wahlhelfer Morddrohungen erhalten, über die aber zu wenig gesprochen werde. "Wir sollten die Leute feiern, die unsere Wahlen ermöglichen. Nicht noch Öl ins Feuer gießen", stellt Krebs sich und seine Arbeit in den Hintergrund. "Sie sind die echten Helden hier."

So viel Wahrheit steckt in Trumps Verschwörungs-Theorien

Doch natürlich ging es auch um den Präsidenten und seine Kampagne gegen das Wahlergebnis. In einer Rede am Mittwochabend hatte Trump unzählige Beispiele gebracht, mit denen bei der Wahl betrogen worden sei - und Krebs knöpfte sie sich einzeln vor. Nicht zum ersten Mal, wie er die Zuschauer spüren ließ. "Oh, das schon wieder", ächzte Krebs etwa, als Colbert ihn mit Trumps Behauptung konfrontierte, die Wahlergebnisse würden im Ausland gezählt und dabei verändert. "Alle Stimmen werden in den USA gezählt. Ich verstehe nicht mal, wo das herkommt", machte Krebs seinen Unglauben über die haltlose Behauptung klar.

Bei dem an sich trockenen Faktencheck gelang dem Sicherheits-Experten sogar der ein oder andere Lacher. Auf die Frage, ob man in Nevada tatsächlich als Sankt Nikolaus unterschreiben konnte, antwortete Krebs nur trocken: "Das kommt drauf an - ob dein Name Sankt Nikolaus ist. Dann geht das natürlich. Auch wenn sie Unterschriften überprüfen." 

Eine Überraschung gab es ebenfalls, nämlich bei Trumps absurd klingender Behauptung, in Arizona seien aus Briefkästen gestohlene Briefwahlzettel unter einem Felsen versteckt worden. "Diese eine stimmt sogar", musste Krebs amüsiert zugeben. Allerdings hätte es keinen Effekt auf die Wahl gehabt. "Es waren Wahlzettel, die noch nicht ausgefüllt worden waren. Der Fall wird nun untersucht. Die betroffenen Wähler wurden informiert und konnten trotzdem noch rechtzeitig wählen."

Ein Haufen Unfug

Dann wird es für Krebs sichtbar unangenehm. Es habe einen "großen Haufen" von verdächtigen Biden-Stimmen gegeben, zitierte Colbert Trumps Rede. "Jaaa, ich fühle mich nicht so richtig wohl, darüber zu reden. Diese "großer Haufen"-Sache", gestand Krebs etwas angeekelt. Der einfache Grund: Trumps Formulierung, "massive dump", lässt sich zwar auch anders nutzen. In der amerikanischen Umgangssprache steht sie aber in erster Linie für einen ausgeprägten Stuhlgang. Am von Trump beschriebenen Vorgang sei jedenfalls nichts Ungewöhnliches, so Krebs: Weil die Wahlzettel oft nach dem Kandidaten sortiert würden, bevor man sie zählt, komme es durchaus vor, sehr viele Stimmen für einen Kandidaten auf einmal ins System einzugeben. Sei es für Biden oder für Trump. Am Ende würde sich das Ergebnis dadurch aber nicht ändern.

Als Colbert dann behauptet, Rudi Giuliani hätte persönlich Tote wählen sehen, wäre von ihnen gebissen worden und schmelze nun als Zombie, ist Krebs endgültig raus. "Ich glaube wir sollten zum nächsten Thema, Stephen", wiegelt er ab. "Na gut, das habe ich mir ausgedacht. Ich wollte nur mal schauen", beendet Colbert den Gastauftritt.

Quelle: CBS


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