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Skurrile Umfrage Millionen Facebook-Nutzer wissen nicht, dass sie im Internet sind


In der dritten Welt wissen viele Facebook-Nutzer nicht, dass es sich beim sozialen Netzwerk um einen Internetdienst handelt. Facebook lässt sie gerne in diesem Glauben - es könnte sich auszahlen.
Von Malte Mansholt

Eine Umfrage in Indonesien und Nigeria bringt ein skurriles Phänomen ans Licht: Eine Menge Menschen nutzen das Internet, ohne es zu wissen. Die vom News-Dienst Quartz durchgeführte Studie befragte Menschen nach ihrer Internetnutzung. Dabei fiel auf, dass ein Teil angab, das Internet nicht zu nutzen - aber Facebook schon.

Die Wahrnehmung des Internets in diesen Ländern ist deutlich anders als in der westlichen Welt. Während Europäer und Amerikaner seit Jahren das Internet nutzen und eben vor einiger Zeit soziale Netzwerke als ein Dienst unter vielen hinzu kamen, ist Facebook in den Entwicklungsländern oft der erste Kontakt zum Internet. Viele besorgen sich alleine für Facebook ein Telefon mit Internetanschluss, wie Facebook-Managerin Sheryl Sandberg auf einem Kongress erzählte: "Sie gehen in den Laden und sagen 'ich will Facebook'. Die Leute verwechseln an manchen Orten Facebook und das Internet".

Eigennützige Entwicklungshilfe

Die Studie bestätigt diese Beobachtung. In Nigeria stimmten 65 Prozent der Befragten der Frage "Facebook ist das Internet" zu, in Indonesien waren es 61 Prozent. Auch Indien und Brasilien kamen auf Werte über 50 Prozent. In den USA stimmte gerade einmal jeder zwanzigste Nutzer der Aussage zu.

Für Facebook sind das hervorragende Nachrichten. Jeder Nutzer, der lieber auf Facebooks kleiner Welt bleibt, statt andere Webseiten zu besuchen, bringt dem Konzern bares Geld. Kein Wunder also, dass Facebook aktiv daran arbeitet, solche Nutzer heranzuzüchten. Wie genau funktioniert das? Mittels der vorgeblich allgemeinnützigen Organisation Internet.org versucht Facebook, auch entlegene Gegenden mit einer Internet-Verbindung zu versorgen. Kostenlos sind Facebook, der eigene Messenger sowie einige weitere Dienste, die sich regional ändern, vor allem aber Bildungsangebote beinhalten. Eigentlich eine gute Sache. Aber auch Googles Suche ist kostenlos. Sobald aber auf einen Link geklickt wird, kostet die Verbindung jedoch Geld. Kein Wunder also, dass die meisten Nutzer sich auf Facebooks eigene Dienste beschränken. Und das soziale Netzwerk in der Folge mit dem Internet gleichsetzen.


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