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Facebook schwächelt vor Börsengang: Mit Spendierhosen gegen schlechte Stimmung

Das Wachstum lässt nach, der Umsatz sinkt: Kurz vor dem Börsengang geht Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf große Shopping-Tour, um potenzielle Anleger bei Laune zu halten.

Immer größer. Immer schneller. Facebook hat in den vergangenen Jahren ein gewaltiges Wachstum hingelegt. Kurz vor dem Börsengang steuert das Unternehmen mit gut 900 Millionen aktiven Mitgliedern auf die magische Marke von einer Milliarde Nutzern zu. Doch die auf den ersten Blick beeindruckenden Zahlen sorgen für Stirnrunzeln bei potentiellen Anlegern: Erstmals seit zwei Jahren schrumpfte der Umsatz im direkten Quartalsvergleich, auch beim Gewinn musste das soziale Netzwerk zu Jahresbeginn Abstriche machen. "Das musste irgendwann passieren", sagt der Investment-Berater Anupam Palit zur Umsatzentwicklung, die an der Wall Street einige kalt erwischte.

Weniger Umsatz, mehr Mitglieder

Der 200 Seiten umfassende, aktualisierte Börsenprospekt dürfte einigen der potenziellen Investoren sauer aufstoßen. So sank der Umsatz vom Schlussquartal 2011 zum Auftaktquartal 2012 um sechs Prozent. Facebook begründete den Rückgang am Montag mit "saisonalen Trends". Zu Weihnachten werben Firmen gemeinhin besonders stark - und Werbung ist für Facebook die wichtigste Einnahmequelle.

Hauptgrund für den Rückgang waren deutlich gestiegene Marketing- und Entwicklungskosten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte seine Mannschaft kräftig aufgestockt, und zwar um 46 Prozent auf gut 3500 Mitarbeiter.

Doch nicht nur die Belegschaft ist gewachsen, sondern auch die Mitgliederzahl. Bei gleichbleibendem Tempo würde die Marke von einer Milliarde Nutzern noch in diesem Jahr geknackt werden. Ende Dezember hatte Facebook erst 845 Millionen aktive Mitglieder, jetzt sind es 901 Millionen. Neben der Werbung verdient das Unternehmen vor allem an den beliebten Onlinespielen wie beispielsweise "Farmville" oder "The Sims Social". Die Einnahmequellen abseits der Werbung steuerten im ersten Quartal schon beinahe ein Fünftel zum Umsatz bei.

Facebook dürfte in wenigen Wochen den bisher größten Börsengang eines Internet-Unternehmens hinlegen. Nach bisherigen Annahmen soll die Aktienplatzierung fünf Milliarden Dollar einbringen - auch wenn sich hartnäckig das Gerücht hält, dass es sogar zehn Milliarden werden könnten. Der gesamte Börsenwert von Facebook - also inklusive der Anteile, die bei den Alteigentümern wie Mark Zuckerberg verbleiben - wird auf 75 bis 100 Milliarden Dollar geschätzt.

Facebook auf Shoppingtour

Um sich interessanter für Anleger zu machen, hatte Facebook erst vor wenigen Wochen die Übernahme des Fotodienstes Instagram für eine Milliarde Dollar verkündet. Der Börsenprospekt offenbart nun die Details des Kaufs: Demnach fließen 300 Millionen Dollar in bar, der Rest wird mit 23 Millionen Aktien bezahlt. Sollte der Kauf platzen - etwa wegen Bedenken der Wettbewerbshüter - stehen den Instagram-Eignern 200 Millionen Dollar als Trostpflaster zu.

Überhaupt hat Zuckerberg derzeit die Spendierhosen an. Am Montag kaufte Facebook 650 Patente und Patentanwendungen von Microsoft, die ursprünglich dem Internet-Urgestein AOL gehörten - Kostenpunkt 550 Millionen Dollar. Microsoft hatte die geschützten Ideen selbst erst vor zwei Wochen erworben und für ein größeres Paket insgesamt 1,1 Milliarden Dollar bezahlt.

Welche Patente jetzt an Facebook weitergereicht wurden, blieb offen. Fest steht aber der Grund für den Kauf: Facebook rüstet sich damit für die laufenden Patent-Streitigkeiten. Das Unternehmen baue ein Portfolio an geistigem Eigentum auf, um seine Interessen zu schützen, erklärte Chefjustiziar Ted Ullyot. Facebook befindet sich derzeit mit dem Internet-Pionier Yahoo in einem Rechtsstreit um die illegale Nutzung technischer Ideen.

Absage für New York

Wie Facebook jetzt enthüllte, soll die Aktie an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden und nicht an der traditionsreichen New York Stock Exchange mit ihrem klassischen Parketthandel. Ein Rückschlag für die amerikanische Börse, denn bei dem geplanten Börsengang winken nicht nur Gebühren, sondern auch jede Menge Renommee. Das genaue Datum für den Börsengang bleibt weiterhin unklar.

cf/DPA/Reuters / DPA / Reuters