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Interview

Nick Woodman: Fehler, Flops und falsche Preise: So will der GoPro-Chef seine Firma retten

Bei GoPro gingen nach dem ersten Hype die Gewinne stetig nach unten. Nun will das Unternehme endlich wieder ins Plus. Wir haben mit Gründer und CEO darüber gesprochen, wie er das schaffen will - und was er aus den Fehlern gelernt hat.

GoPro Nick Woodman

GoPro-CEO Nick Woodman gründete das Unternehmen 2002.

stern.de

Obwohl es Konkurrenten gibt, beherrscht Ihr Unternehmen den Markt so stark, dass jede Action-Kamera als "GoPro" bezeichnet wird. Sie stehen also vor allem im Wettbewerb mit sich selbst. Trotzdem sinken die Verkaufszahlen. Ist Ihre Situation Fluch oder Segen?

Ja, das stimmt. Wenn wir weniger verkaufen, schrumpft unser Markt. Wenn es für uns gut läuft, wächst er. Ein wichtiger Grund für unsere schwierigen letzten Jahre war, dass wir unseren Markt nicht über die Erfolge und Misserfolge anderer verstehen können. Unsere eigenen Daten sind die einzigen, mit denen wir arbeiten können. Wenn wir etwas Neues versuchen wollen, ist das immer ein Risiko. In anderen Märkten kann man etwa voneinander lernen, wo die Preisgrenzen liegen. Wenn einer Kunden an den Konkurrenten verliert, kann er herausfinden, warum das passierte. Das gibt es bei uns nicht.

Und man macht Fehler.

Wir haben zu lange gebraucht zu verstehen, dass wir eigentlich jedes Jahr neue Produkte vorstellen müssen. 2015 machten wir etwa den Fehler, die damaligen Spitzengeräte eine weitere Weihnachtssaison zum gleichen Preis zu verkaufen. Das erschien uns in Ordnung, sie verkauften sich großartig. Am Tag, als wir die Entscheidung ankündigten, krachten die Verkäufe ein. Und wir wussten nicht: Liegt es an den Preisen oder daran, dass jeder potenzielle Käufer schon zugeschlagen hatte? Als wir denselben Fehler 2017 ein weiteres Mal machten und der Einbruch etwa derselbe war, wussten wir endlich Bescheid: Die Kunden wollen neue Produkte. Oder die alten zum günstigeren Preis.

Jetzt haben Sie gleich drei neue Modelle vorgestellt.

Wir haben irgendwann gemerkt, dass nichts unsere Kunden mehr erfreut als neue Kameras. Auch wir finden neue Produkte aufregender, sie machen uns einfach mehr Spaß. Und sie sind natürlich auch profitabler. 

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Sie sagten im Sommer, dass GoPro dieses Jahr nach langer Zeit wieder Gewinne machen soll. Wie wollen Sie das nach Jahren der Krise schaffen?

Wir glauben, dass das für die zweite Jahreshälfte erreichbar ist. Wir hätten es auch für die erste geschafft, aber unsere Modelle aus dem letzten Jahr waren nicht mit den aktuellen, niedrigeren Preisen kalkuliert. Die Verkaufszahlen sind super, aber die Marge war zu niedrig. Die neuen Modelle konnten wir so gestalten, dass sie trotz besserer Technik und gleichbleibendem Preis mehr Marge abwerfen. Bei gleich bleibenden Verkaufszahlen werden wir so definitiv profitabel. Hätten wir die neuen Geräte das ganze Jahr schon gehabt, hätten wir das locker erreicht.

Es hing also nicht an der Nachfrage?

Nein, die war die ganze Zeit da. Für uns ist aber die Marge das Wichtigste. Die Nachfrage ist schon das ganze Jahr gesund, nachdem wir die Preise gesenkt hatten. Auf dem Höhepunkt 2015 haben wir 5,7 Millionen Kameras verkauft. Im letzten Jahr kam der Tiefpunkt mit nur noch 4,3 Millionen. Als wir die Preise anpassten, ging es wieder nach oben. Dieses Jahr liegt die Prognose wieder bei 5 Millionen, wir haben uns also recht ordentlich erholt. Ein Zurück auf das Allzeithoch ist plötzlich nicht mehr undenkbar. 

Mit der Karma stiegen Sie in den hochumkämpften Drohnenmarkt ein - und warfen die Drohne im Januar aus dem Programm. Was haben Sie aus dem Flop gelernt?

Wir haben viel über Stabilisierung gelernt. Aber auch, dass die allermeisten unserer Kunden eine Kamera von uns kaufen wollen. Es war also eine gute Lektion zu lernen, was der Markt von uns will und dass wir nicht bauen sollten, was wir wollen. Wir waren mehr begeistert davon, Drohnen zu bauen, als unsere Kunden. Also konzentrieren wir uns lieber darauf, gute Kameras zu machen, statt Drohnen, die dann nur wenige kaufen wollen.

Wie wichtig ist für Sie Kundenfeedback?

Unsere Marke ist darauf aufgebaut, dass unsere Kunden ihre Erfahrungen teilen wollen. Da passt es einfach, dass wir sie auch weiter in den Entstehungsprozess der Kameras einbinden.

Wir werten anonym die Nutzungsdaten der Kameras aus, fragen aber auch direkt unsere Kunden. Dabei kamen Wünsche zu offensichtlichen Features wie Bildstabilisierung und Livestreaming, welche die Hero 7 Black bieten. Aber es kamen auch für uns völlig überraschende Ergebnisse heraus. Etwa, dass manche ihre GoPro vor allem zum Fotografieren benutzen. Damit hätten wir nie gerechnet. Andere wussten gar nicht, dass man mit der Kamera Bilder machen kann, weil sie die Bedienung gar nicht richtig verstanden haben. Also haben wir die Fotofunktion stark automatisiert, das Benutzerinterface komplett überarbeitet und es mit Wischgesten näher an Smartphones gebracht. 

GoPro ist als Nischenmarke gestartet. Lag darin auch eine Stärke?

In den letzten Jahren versuchten wir, die Marke etwas breiter aufzustellen, sie für mehr Menschen interessant zu machen. Für uns sind aktive Nutzer die interessantesten und die, die besonders stark am Aufzeichnen interessiert sind. Das sind unsere beiden Kernmärkte. Die, die einen abenteuerlicheren Lebensstil pflegen und ihn in Fotos und Videos aufnehmen, sind unsere Superkunden. Denen wollen wir es recht machen. Wir wollen der Marke erlauben, wieder authentischer zu sein. Wir waren in letzter Zeit etwas zu wenig radikal. Das wollen wir wieder ändern und das Team scheint dadurch sehr mit Energie aufgeladen und glücklich zu sein.

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