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Actioncam-Pionier: GoPro: Absturz in Zeitlupe

GoPro war eines der coolsten Unternehmen der Welt. Seit einiger Zeit steckt der Actioncam-Pionier aber in der Krise. Nun wurde erneut ein Stellenabbau verkündet - und Gründer Nick Woodman kürzt sein Gehalt auf einen Dollar. Mit neuen Maßnahmen und Produkten hofft er, das Ruder herumreißen zu können.

GoPro wurde mit Actioncams reich, doch dann folgte der Absturz. Nun versucht sich das Unternehmen, breiter aufzustellen.

GoPro wurde mit Actioncams reich, doch dann folgte der Absturz. Nun versucht sich das Unternehmen, breiter aufzustellen.

GoPro gelang etwas, was nur wenigen Unternehmen vergönnt ist: Ein Produkt auf den Markt zu bringen, dessen Name nach kurzer Zeit synonym mit einer ganzen Produktkategorie (in diesem Fall Actioncams) verwendet wird. Experten sprechen in so einem Fall von einem sogenannten "generischen Markennamen". Andere Beispiele dafür sind Tesa für Klebestreifen, Tempo für Taschentücher oder Labello für Lippenpflegestifte.

Als das Unternehmen 2014 an die Börse ging, begann der raketenhafte Aufstieg. GoPro-Gründer Nick Woodman war mit Mitte 30 steinreich. Doch nach kurzer Zeit folgte der Absturz: Die Verkaufszahlen rauschten in den Keller, billigere Konkurrenten drängten zunehmend auf den Markt - und eigene Innovationen zündeten nicht wie erhofft.

GoPro legt wieder einmal die Axt an

Nun musste der Konzern erneut 20 Prozent seiner Mitarbeiter entlassen, betroffen ist hauptsächlich die Abteilung, in der die hauseigene Drohne Karma gebaut wird. "Die Nachfrage nach Drohnen war und ist nicht so hoch, wie alle dachten. Erst recht nicht bei 1000-Dollar-Geräten", sagte Woodman gegenüber der "Computer Bild". "Das Interesse ist vor allem bei günstigen Drohnen da - und das ist Karma nicht." Daher wird die Abteilung nun geschlossen.

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Die Mitarbeiterzahl sinkt in den nächsten Monaten von 1254 auf unter 1000. Die Aktie sackte am Montag noch einmal um 23 Prozent ab. Nick Woodman teilte mit, dass er für das laufende Quartal sein Gehalt auf einen Dollar reduzieren wird. "Bloomberg" zufolge lag sein Einkommen vor zwei Jahren noch bei 1,1 Millionen US-Dollar. Von der einst stolzen Drei-Milliarden-Bewertung an der Börse ist nicht mehr viel übrig.

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GoPro prüft Verkauf

Und womöglich kommt es bald noch dicker: Man prüfe derzeit einen Verkauf oder Partnerschaften mit anderen Unternehmen, heißt es in diversen Medienberichten. "Sollte es für uns die Gelegenheiten geben, mit größeren Firmen zu verschmelzen, würden wir uns das definitiv angucken", sagte Woodman der "CNBC".  Ein möglicher Übernahmekandidat ist Red Bull: Auf mehr als 1800 Events des Brauseherstellers kam GoPro exklusiv zum Einsatz. Denkbar wäre auch der Kauf durch einen anderen Kamerahersteller wie Sony, Canon oder Nikon, die damit ihren Marktanteil ausbauen würden.

Doch der Wind wird in Zukunft noch rauer: Mit seiner smarten und vergleichsweise preisgünstigen Clips-Kamera zielt Google auf den Mainstream-Markt der Actioncams. Hier wird GoPro reagieren müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren. "Wir werden im ersten Halbjahr eine neue GoPro vorstellen, die im günstigen Einsteigerbereich angesiedelt ist", sagte Woodman der "Computer Bild". "Da müssen wir aggressiver sein und stärker für werben. Das haben wir bisher nur für die teuren Geräte gemacht." Ob Woodman damit das Ruder noch einmal herumreißen kann, wird sich zeigen.