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Outfit of the Day Jeder Zehnte kauft Klamotten nur fürs Posen bei Instagram - und schickt sie dann zurück


Dass einige die Rückgabe beim Online-Shopping missbrauchen, kennt man ja. Eine neue Masche treibt das aber auf die Spitze: Die Klamotten werden nur zum Posen in sozialen Medien "gekauft" - und landen dann direkt wieder in der Post.

Wer sich richtig in Szene setzen will, aber nicht das passende Kleingeld hat, muss sich etwas einfallen lassen. Dass man etwa das teure Party-Outfit nach der Feier in den Laden zurückträgt, war schon seit Jahrzehnten ein beliebte Masche. Dank der Selbstdarstellung bei Instagram gibt es nun eine weitere, sehr verbreitete Variante: Die Kleidung wird nicht mal mehr zum Tragen gekauft - sondern nur noch für den Social-Media-Post. Und zwar vor allem von Männern.

Insgesamt gaben neun Prozent der für eine aktuelle Studie Befragten an, dass sie Klamotten nur gekauft hatten, um mit dem Outfit für ein Foto auf Instagram und Co. zu posen - und es dann sofort wieder zurückzuschickten. Das fanden die Meinungsforscher von Opinium im Auftrag des britischen Kreditkarten-Anbieters Barclaycard heraus. Sie sprachen dazu mit 2002 britischen Erwachsenen. Bei den Männern war die Quote mit 12 Prozent deutlich höher als bei den Frauen mit nur sieben Prozent. Bei der klassischen Instagram-Zielgruppe der relativ zahlungsschwachen 20- bis 30-Jährigen ist die Masche aber nicht am beliebtesten: Vor allem Menschen zwischen 35 und 44, die ja eigentlich besser situiert sind, tricksen auf diese Weise. Die für Instagram sehr wichtige Gruppe der Teenager fehlt in der Studie. Wie genau die Teilnehmer der Studie ausgewählt wurden, ist nicht bekannt. 

Instagram als Image-Turbo

Bei dem Rückgabe-Shopping für Instagram scheint es vor allem um die Wahrnehmung durch andere zu gehen. Zehn Prozent der Männer gaben der Studie zufolge an, dass es ihnen peinlich sein, wenn ein Freund sie zweimal im gleichen Outfit sehen würde. Bei Frauen ging das nur sieben Prozent so. Entsprechend mehr geben die Männer laut der Studie für Klamotten aus, die sie auch behalten: 114 Pfund sollen es im Monat sein. Bei Frauen sind es nur knapp 90 Pfund. Damit hätte wohl kaum jemand gerechnet.

Die Selbstdarstellung bei Sozialen Medien wie Instagram dürfte auf den Druck der ständig wechselnden Garderobe einen deutlich merkbaren Effekt gehabt haben. Posts mit dem täglichen Outfit sind enorm beliebt, sorgen für Likes und Follower. Und reichen vielleicht irgendwann sogar zur begehrten Karriere als Influencer, der die Klamotten dann zugeschickt bekommt. Bis dahin muss man aber erstmal selbst viel Geld hinlegen. Outfit-Posts sind natürlich nur dann spannend, wenn es auch regelmäßig etwas Neues zu sehen gibt. Mit der gleichen Kombination erwischt zu werden, wird da schnell zum Fauxpas. Und der flexible Online-Handel kommt gerade recht.

Tatsächlich versuchten gleich mehrere Unternehmen schon, den schnellen Tausch der Kleidung zum Geschäftsmodell zu machen. In Großbritannien bietet etwa "Rent your Runway" Trendmode zur Miete an. In Deutschland versuchte es die Kleiderei mit einem ähnlichen Konzept. Im Interview erklärten die Gründerinnen, wie sie unter dem Motto "Stil hast du, Kleider leihst du", der Fast Fashion ein Gegenmodell bieten wollen. So ganz scheint das aber nicht zu klappen: Die Kleiderei macht gerade "eine Pause", verkündet man auf der eigenen Webseite.


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