Internet-Auktion Saddams Bein legt Server lahm

Die Online-Versteigerung des Beins einer Saddam-Statue endete mit einer Computerpanne. Dem Verkäufer droht auch von anderer Seite Ärger.

Die Bilder von stürzenden Saddam-Statuen gingen nach der Eroberung Bagdads durch die US-Armee um die Welt. Das linke Bein eines in Messing gegossenen Abbilds des irakischen Diktators wurde im Internet zum Kauf angeboten. Das Online-Auktionshaus Azubo konnte die Versteigerung der Statue aber nicht beenden. Der Server brach unter tausenden Klicks von Neugierigen zusammen. Allein in den letzten vier Stunden habe man 25.000 Seitenaufrufe registriert, sagte Azubo-Geschäftsführer Pierre Ludigkeit. Derzeit arbeiten Techniker unter Hochdruck und versuchen die Bieterdaten aus dem abgestürzten Computer zu retten. Wer den Zuschlag erhalten hat, ist noch unklar.

Das angebotenene Statuenbein soll zu einer am 9. April 2003 zerstörten Messingstatue aus der irakischen Hauptstadt gehören. Der Verkäufer, ein Privatmann aus Duisburg, gab an, das Bein auf einem Schrotthandel in Deutschland gekauft zu haben. Britische Soldaten eines Räumkommandos hätten Teile des zerstörten Denkmals nach Bremerhaven gebracht. Beim Reinigen eines Platzes hätten sie die Reste des propagandistischen Kunstwerkes mitgenommen und ihre Trophäe bei einem Metallaufkäufer zu Geld gemacht. Der Anbieter, der nach eigenen Angaben seinen in Bremerhaven studierenden Sohn besuchte, machte ein Schnäppchen. Als "ein Stück Weltgeschichte" wurde das Bein angepriesen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Mittlerweile interessiert sich die Duisburger Staatsanwaltschaft für den kuriosen Fall. Ludigkeit bestätigte, dass die Ermittler bei dem Internetanbieter in Oberhausen waren und Fotos gemacht haben. Der Fernsehsender WDR berichtete, dass eine Anzeige aus Berlin die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft auslöste. Eine Garantie für die Echtheit des Beins gibt Azubo nicht, die Staatsanwaltschaft prüft, ob die Ausfuhr rechtens war.

9.800 Euro für Saddams Bein

Azubo hat das normale Auktionsprinzip umgekehrt, so dass die Gebote fallen statt steigen. Der Verkäufer definiert Start- und Endpreis sowie die Aktionsdauer. Daraus errechnet die Plattform den Zeitintervall, in dem der Preis um einen Cent fallen muss. Die Käufer haben die Möglichkeit, jederzeit zum aktuellen Preis zuzuschlagen. Der Anbieter des Saddam-Beins hatte eine Spanne zwischen 100.000 und einem Euro angegeben. Die Azubo-Website hatte in der Nacht einem Bieter für 9.800 Euro den Zuschlag erteilt. Diese Entscheidung ist jedoch noch offen, weil wegen des Absturz zahlreiche andere Gebote nicht angenommen wurden, sagte Ludigkeit.

AP AP

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