VG-Wort Pixel

James Franco erklärt Boom "Selfies sind ein mächtiges Werkzeug"


Selfie ist das englische Wort des Jahres 2013. Schauspieler James Franco erklärt nun, warum Prominente sich unentwegt selbst ablichten und warum wir es lieben.
Von Gernot Kramper

Seitdem "Selfie" vom Oxford Dictionaries zum internationalen Wort des Jahres erklärt wurde, arbeitet sich auch der Feuilleton an dem Phänomen ab. Hinter den Schnappschüssen wittert die Kulturkritik gewöhnlich eine Welle des Narzissmus, der Selbstbespiegelung und andere anrüchige Motive. Nun erklärt James Franco, der "King of Selfies", das Phänomen in der New York Times.

Der Schauspieler und Selfie-Virtuose stellt die Dinge klar. Beim Posten von Selfies gehe es zunächst weniger um die Psyche des Abgebildeten sondern um die Zuschauer. Francos gänzlich prosaische Erklärung für die Flut an Promi-Selfies lautet: Die Fans können nicht genug davon bekommen. "Ich habe gelernt, dass ein Selfie der Post ist, der am besten ankommt und regelmäßig die meisten Likes bekommt." Umgekehrt habe er erkennen müssen, welche Posts keine Aufmerksamkeit erhalten. Irgendwas mit Kunst oder gar mit Gedichten bringe die Follower sofort in Rage. Ein eigenes Gedicht würde todsicher Kritiken vom Kaliber "Ich hasse dich, ich hoffe, du stirbst!" provozieren, warnt Franco. Eine schöne Sammlung von Selfies produziert hingegen mit ziemlicher Sicherheit eine Menge positiver Aufmerksamkeit. Francos Rat für alle, die eine Botschaft transportieren wollen, lautet daher, sie sollten jedes Posting über ein Buch oder ein Kunstprojekt mit einem Selfie begleitet. Am besten mit freiem Oberkörper oder mit einem anderen Promi als Verstärkung.

Die komprimierte Botschaft zur Lage

Ein Star, der im Netz Follower sammeln müsse, könne auf Selfies nicht verzichten. In sozialen Netzen sei der Selfie der Schlüssel zur Aufmerksamkeit, und um Aufmerksamkeit gehe es, so Franco, letztlich. "Aufmerksamkeit ist Macht. Und wenn du jemand bist, für den sich die Menschen interessieren, dann ist ein Selfie ein sehr mächtiges Werkzeug."

Unabhängig vom Kampf des Stars um Aufmerksamkeit, sei der Selfie aber auch ein zeitgemäßes Kommunikationstool. Schnell und ohne Erklärung zeige das Bild, wie man sich fühle, wo man gerade sei und was man gerade mache. Ob man nun ein Star sei oder nicht. Im Selfie träfen sich Stars und Normalsterbliche.

Dieses Verhältnis hat Franco vor kurzem in einem eigenen Instagram-Post angesprochen, als er neben seinen Badezimmer-Selfie geschrieben hatte "Alle Kids machen es". Weil Fans und Stars letztlich das Gleiche tun, lieben die Fans den Selfie. "Selfies sind Avatare. Mini-Me’s die anderen einen Eindruck davon geben, wer wir sind." Im digitalen Zeitalter sei der Selfie eine neue Art, jemand in die Augen zu sehen und einfach zu sagen "Hallo, hier bin ich."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker