Kommentar Microsoft: Gratis war gestern


Chat ist tot. Jedenfalls bei Microsoft. Mit dieser Maßnahme sollen MSN-Nutzer "besser" vor Missbrauch durch Dritte geschützt werden, heißt es. Aber auch Microsoft profitiert davon. Ein Kommentar von Thomas Hirschbiegel.

Chat ist tot. Jedenfalls bei Microsoft. Ab dem 14. Oktober herrscht in Deutschland und weltweit Funkstille in den Chaträumen des Microsoft Network (MSN). Mit dieser Maßnahme will der Konzern seine Klientel "besser" vor Missbrauch durch Dritte schützen, sagt Judy Gibbons, Vize-Präsidentin MSN International. Gemeint ist zum einen der Spam genannte Werbemüll in E-Mails, zum anderen die schlüpfrige Kommunikation in bestimmten Foren, in denen Pädophile immer wieder Kontakt zu Kindern gesucht und gefunden hätten.

Tot, aber nicht ganz

Chat ist bei Microsoft zwar tot, aber dann doch nicht ganz. In den USA, Kanada, Japan, Neuseeland, Australien und Brasilien will Microsoft die digitalen Plauderrunden jedoch erst einmal nicht einstellen. Hier kann auch nach dem 14. Oktober fleißig gechattet werden. Die so genannten MSN Groups für maximal 50 Teilnehmer bleiben dort bestehen. Allerdings gilt das nur für jene Zeitgenossen, die sich beim elektronischen Dialog von einem Moderator auf die Finger schauen lassen. Oder für jene, die bereit sind, für den Chat zu bezahlen. Gegen Eintrittsgeld verzichtet Microsoft auf Moderatoren. Unkontrolliert sind diese Zusammenkünfte aber nicht, da Microsoft ungebetene Redner an Hand ihrer Kreditkarteninformationen identifizieren kann.

Für den deutschen Markt habe man auf ein kostenpflichtiges Angebot verzichtet, sagt Bernhard Grander, Sprecher von MSN Deutschland: "Das wäre nicht konkurrenzfähig gewesen."

Es profitiert der Messenger

Chat ist bei Microsoft ganz und gar nicht tot, soll künftig aber andere Kanäle nutzen. Und ganz ohne Abonnementgebühren und Überwachung geht es auch. Dazu braucht es nur Microsofts hauseigene Software zur digitalen Kommunikation: den MSN Messenger. Laut Microsoft, "die schnelle und coole Möglichkeit, Nachrichten in Echtzeit zu senden." Der Messenger, sagt Bernhard Grander, "ist der nächste Schritt nach dem Chat."

Was Microsofts Messenger kann, kann übrigens auch der Instant Messenger von AOL, derzeit noch das weltweit populärere Kommunikationsprogramm. Weltweit die Nummer 1 war einst auch der Internetbrowser des AOL-Tochterunternehmens Netscape. Bis Microsoft das weltumspannende Datennetz für sich entdeckte und den Konkurrenten von der digitalen Datenautobahn in die Bedeutungslosigkeit drängte.

Thomas Hirschbiegel print

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