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Last FM: Die großen Ohren von London

Die Musik-Community Last FM ist eines der erfolgreichsten Beispiele für den derzeit größten Trend im Internet: Mitmach-Webseiten, auf denen sich Gleichgesinnte treffen.

Von Ulf Schönert

Madonnas größter Fan nennt sich Proios, ist 23 Jahre alt und kommt aus Polen. Vorige Woche hat er 520 Madonna-Songs gehört - am häufigsten "Hung Up" und "Impressive Instant". Doch Proios mag auch Geri Halliwell, Kylie Minogue und Fiona Apple. Und gestern Abend hat er Shakira und Pink gehört. Alles, was Proios in den vergangenen Wochen gehört hat, findet sich penibel protokolliert auf seiner persönlichen Internetseite bei www.last.fm. Song für Song kann man zurückverfolgen, lückenlos und bis auf die Minute genau. Nebenher erfährt man, dass er am 29. Juni in Gdingen ein Open- Air-Konzert besucht. Penibler hätte das selbst die Stasi nicht aufzeichnen können.

Doch Proios ist nicht etwa ausgeschnüffelt worden. Alle Informationen hat er freiwillig herausgegeben. Jedes Mal wenn er Musik auf seinem PC hört, lässt er Last FM mithören. Dadurch wird automatisch alles, was bei ihm läuft, auf seiner Seite bei Last FM veröffentlicht und in eine riesige Datenbank eingespeist. Mehr als 20 Millionen Last-FM-Nutzer lassen die Welt auf die gleiche Weise an ihrem Musikgeschmack teilhaben. Es ist die größte Zusammenballung von Musikfans, die es im Internet gibt. Besonders unter Deutschen ist das populär: Nach den Amerikanern stellen sie die zweitgrößte Nutzergruppe. Blogger schwärmen von Last FM als einem "Musikspion mit Spaßfaktor" und von der "großartigen Musik-Community". Last FM ist eine Mischung aus Internetradio und "Social Network", den Onlinetreffs wie Myspace, Studi-VZ oder Xing, wo man sich sieht - und vor allem gesehen wird.

Du bist, was Du hörst

Eine gut gepflegte Last-FM-Seite ist für Internetkids eine Art Visitenkartenersatz mit eingebautem Persönlichkeitsprofil, nach dem Motto: Sag mir, was du hörst, und ich sag dir, wer du bist. Für Ältere ist Last FM eher wie ein bestens informierter Freund, der einem eine neue Platte zusteckt und sagt: "Hör dir das mal an." Um mitzumachen, muss man Last FM seine Hörgewohnheiten offenbaren. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste ist: Internetradio hören. Jedem Nutzer stellt Last FM ein individuelles Programm zusammen, das sich ganz einfach per PC abrufen lässt. Die Musik läuft nonstop, es gibt keine Moderationen und Werbung. Bei jedem Lied kann man auf "Lieben" oder "Bannen" klicken: Positiv bewertete Künstler werden daraufhin häufiger gespielt. Lieder, die einem gar nicht gefallen, kann man überspringen. Wer zum Beispiel bei Metallica "Lieben" klickt und bei Bee Gees "Bannen", bekommt mehr Hard Rock und weniger Schnulz.

Die zweite Möglichkeit ist die Installation einer Software, die Informationen über sämtliche auf dem PC gespielte Musik sammelt und an Last FM übermittelt - scrobbeln heißt das im Firmenjargon. Diese Software gibt es kostenlos, sie arbeitet mit allen wichtigen Musikprogrammen zusammen, zum Beispiel iTunes, Windows Media Player oder Winamp. Auch iPods können mit Last FM genutzt werden. Je häufiger man scrobbelt oder auf "Lieben" und "Bannen" klickt, desto klarer ist das musikalische Profil und desto besser kann man Last FM nutzen. Zum Beispiel, um neue Musik zu entdecken. Wenn die Erfahrung zeigt, dass Grönemeyer- Fans auch Westernhagen mögen, bekommen Grönemeyer-Fans auch Westernhagen empfohlen - ähnlich wie bei den Kaufempfehlungen beim Versandhändler Amazon. Bei Last FM aber zählt nicht, welche Musik man besitzt, sondern welche man auch wirklich hört.

Geschmacksnachbarn

Doch nicht nur neue Musik, auch neue Freunde kann man mit Last FM finden. Denn jeder Nutzer bekommt automatisch sogenannte Nachbarn zugewiesen - Leute, deren Musikgeschmack dem eigenen ähnelt. Dabei zeigt ein "Taste-O-Meter" an (vom englischen "taste" für "Geschmack"), wie hoch die musikalische Übereinstimmung ist: Von "sehr niedrig" bis "super" reicht das Spektrum.

Weitere Kennenlerntreffs sind Foren, Gästebücher und Fangruppen, die "Britpop" oder auch "Fuck Bush" heißen können. Auch Veranstaltungen kann man bei Last FM finden. Dabei empfiehlt die Seite zum musikalischen Profil passende Konzerte. Mit einem Klick auf "Ich gehe hin" kann man sich gleich als Besucher eintragen und mit anderen Leuten in Kontakt treten, die zum selben Konzert wollen. "Musik ist eine globale Währung", erklärt Last-FM-Chef Stefan Glänzer den weltweiten Erfolg. "Musik wird auf der ganzen Welt gehört und geliebt." In einem Großraumbüro in der Londoner Innenstadt leitet er die Geschicke des Internet-Startups, zusammen mit den Gründern Felix Miller und Martin Stiksel, die sich beim Studieren in England kennengelernt haben. Mit Last FM wollten sie das ultimative, das "letzte" Musikangebot gründen und dem UKW-Radio, auf Englisch "FM radio", den Garaus machen - daher der Name.

Wenn sie sagen, "Last FM haben wir vor allem für uns selbst gemacht. Schön, dass es auch anderen so gut gefällt", glaubt man Miller und Stiksel das sogar. Beide sind unrasiert, tragen Jeans, Holzfällerhemd und Schlabberpulli. Und passen damit prima zum Rest der Belegschaft. Kaum einer hier ist über 30. Viele haben wild gefärbte Haare oder Piercings, sie kommen aus Frankreich, Spanien, Japan, Italien, Kanada oder Deutschland. Der Mythos des "Cool Britannia" hat sie in die Pophauptstadt London verschlagen. Greisenhafte 45 Jahre alt ist Stefan Glänzer, der fürs Finanzielle zuständig ist und die Rolle des väterlichen Freundes hat. Es ist eine klassische Start-up-Geschichte, wie man sie auch von Yahoo und Google kennt - nur dass sie nicht im Silicon Valley ihren Anfang nahm, sondern "im Herzen Europas", wie Glänzer stolz sagt.

Ein Zeltplatz auf dem Dach des Bürogebäudes und ein warmes Mittagessen, dazu 300 Pfund im Monat – das war alles, was Stiksel und Miller ihren Mitarbeitern anbieten konnten, als sie 2002 Last FM gründeten. "Das erste Büro war mein Schlafzimmer", sagt Miller. Mehrmals stand die Firma vor der Pleite. "Einmal hat uns nur eine unerwartete Steuerrückzahlung zwei Monate lang über Wasser gehalten." Die Folge war zum einen extreme Sparsamkeit, zum anderen eine Arbeitsweise, die inzwischen als Modell für das neue Internet, das "Web 2.0" gefeiert wird: "User Generated Content". Das bedeutet, dass die Nutzer selbst die Inhalte erstellen. Fast alles, was man bei Last FM findet, wurde von Musikfans, nicht von Angestellten gemacht: die Band-Biografien, der riesige Schlagwortkatalog und sogar der Konzertterminkalender. "Wir haben eigentlich nur die Hilfeseiten selbst geschrieben", sagt Miller. Und natürlich wird fleißig gescrobbelt.

80 Millionen Titel

Im Schnitt 180-mal pro Sekunde teilen audiophile Exhibitionisten dem Last-FM Rechenzentrum in London mit, welches Lied sie gerade hören. Auf diese Weise haben sie die wohl größte Musikdatenbank der Menschheitsgeschichte geschaffen: Sie umfasst mehr als 80 Millionen Titel. Geld verdient Last FM durch Bannerwerbung, durch Provisionen von Amazon und von Onlinemusikhändlern - wenn auch noch nicht in Deutschland, wo die Verhandlungen mit iTunes, 7-Digital und Musicload noch laufen. Inzwischen kann man Last FM auch für 2,50 Euro pro Monat abonnieren, dann kann man den Dienst ohne Werbung nutzen.

Alle wissen, dass es ein Leichtes wäre, den Laden für einen großen Haufen Geld zu verkaufen. "Seit es uns gibt, will uns immer irgendwer kaufen", sagt Stiksel. Doch noch zögern die Gründer. Die Zeit arbeitet für sie. Um bis zu 25 Prozent wächst die Nutzerzahl jeden Monat. Und Last FM kann gar nicht zu groß werden. Je mehr gescrobbelt wird, desto besser wird die Datenbank, desto besser wird Last FM. Mit den vier weltgrößten Musikkonzernen steht Last FM in Lizenzverhandlungen, zwei große Deals mit Warner und EMI sind schon zum Abschluss gekommen. Seitdem laufen bei Last FM auch jede Menge Charthits - was für manche Nutzer zwiespältige Folgen hat. "Ich weiß, ich habe schon 32-mal Britney Spears gehört", glaubt sich die Schwedin sarabruer auf ihrer Last-FM-Seite rechtfertigen zu müssen. Und bittet um Nachsicht: "Shit happens."

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.