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Marthas Schulessen-Blog: Proteststurm gegen Zensurversuch

Mit ihrem Schulessen-Blog löste eine Grundschülerin aus Schottland weltweit Diskussionen über Kantinenessen aus. Jetzt wollte ihr der Gemeinderat das Bloggen verbieten - doch der Druck der Öffentlichkeit war größer.

Von Christoph Fröhlich

Was für ein Medienrummel für eine Neunjährige: Als die schottische Schülerin Martha Payne vor einigen Wochen begann, täglich ihr karges Schulessen zu fotografieren und die Bilder ins Netz zu stellen, wurde sie zum weltweiten Star. Mehr als drei Millionen Menschen besuchten seitdem den Blog des kleinen Mädchens aus Argyll, sie bekam Briefe aus den USA und Thailand und gewann prominente Unterstützer wie Starkoch Jamie Oliver.

Am Donnerstag dann das vorläufige Ende: "Heute wurde ich von meinem Klassenleiter aus der Mathe-Stunde geholt. In seinem Büro erklärte er mir, dass ich keine Fotos vom Schulessen mehr machen darf, wegen der heutigen Schlagzeile einer Zeitung", schreibt die Grundschülerin in ihrem Essens-Tagebuch. "Dabei schreibe ich nur meinen Blog, keine Zeitungsartikel, und bin traurig, dass ich das nicht mehr machen darf."

Wenig später ergänzte ihr Vater Dave, der ihr beim Einrichten des Blogs geholfen hatte: "Marthas Schule reagierte großartig und unterstütze uns von Anfang an." Das Verbot käme vom Gemeinderat von Argyll und Bute, einem von 32 Verwaltungsbezirken in Schottland.

Shitstorm für gutes Essen

Ihre Leser sind empört, fast 1200 Kommentare finden sich unter dem Eintrag. Auch viele Medien berichteten über das abrupte Ende der Kantinenreporterin. So forderte die britische Tageszeitung "The Guardian" ihre Leser auf, via Twitter unter dem Hashtag "#MyLunchforMartha" Fotos von Mittagsmenüs hochzuladen und damit Solidarität mit Martha zu zeigen. Jamie Oliver twitterte "Bleib stark, Martha" und forderte seine Follower auf, die Nachricht weiterzuverbreiten.

Nun rudern die Verantwortlichen zurück: Die zuständige Behörde hat das Verbot mittlerweile aufgrund des öffentlichen Drucks zurückgezogen. Auch der Verwaltungsrat des schottischen Bezirks meldete sich zu Wort: "Hier ist kein Platz für Zensur, solange ich Vorsitzender bin", schreibt Roddy McCuish. "Wir müssen aber auch akzeptieren, dass es keinen Platz für Fehlverhalten gegen Kantinenmitarbeiter gibt, wie wir es gestern in einer Tageszeitung gesehen haben." Martha hat sich bislang noch nicht bei ihren Fans gemeldet. Die Kamera hat sie aber sicherlich wieder in den Ranzen gepackt.

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