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Sparmaßnahmen Mit Alexa wollte Amazon die Welt verändern – jetzt steht sie auf der Streichliste

Amazon Echo Alexa Google Home Spionage
Amazons Sprachlautsprecher Echo sollten Alexa zum allgegenwärtigen Assistenten machen
© Alexander Heinl/ / Picture Alliance
Als Amazon mit dem Echo die Sprachsteuerung nach Hause brachte, sollte das eine neue Ära des Computers einläuten. Jetzt setzt der Konzern die Axt an und streicht das Team zusammen.

Es erschien eine geradezu magische Art, mit einem Computer zu interagieren: Einfach eine Frage stellen oder einen Auftrag geben – und der im Raum lauschende Computer erledigt den Rest. Sogar kleine Kinder verstanden das Konzept sofort und fragten sogar nach dem Schnuller (mehr erfahren Sie hier). Doch die Revolution, die sich Amazon von seinem Sprachassistenten Alexa erhofft hatte, blieb aus. Jetzt steht sie auf der Sparliste des Konzerns.

Das geht aus einem auf Bericht des "Wall Street Journal" hervor. Verschiedenen Amazon-Insidern zufolge klopft der Konzern sein Geschäft demnach ausführlich auf mögliche Sparmaßnahmen ab. Einer der größten Punkte auf der Liste ist Alexa. Das Team umfasst etwa 11.000 Personen, die Hardwaresparte, zu der Amazons Echos gemeinsam mit den FireTV-Geräten und den E-Readern Kindle gehört, macht insgesamt satte fünf Milliarden Dollar Miese im Jahr. Kein Wunder also, dass Amazon hier gewaltiges Sparpotenzial sieht. (UPDATE: Mittlerweile hat Amazon angekündigt, das Alexa-Team wurde größtenteils informiert, dass es sich andere Stellen im Konzern suchen oder ausscheiden muss)

+++ Lesen Sie auch: Spion im Zuhause? Amazons Echo-Chef verrät, wie viel Alexa mithört - und wie sie Geld verdient +++

Alexa auf dem Prüfstand

Den Sprachassistenten selbst will man nicht opfern, Alexa in der jetzigen Form soll weiter in Betrieb bleiben. Den Insidern zufolge wägt der Konzern allerdings aktuell ab, ob es sich lohnt, den Verlusttreiber mit weiteren Extras auszustatten. Alexa immer neue Tricks beizubringen, sei sehr aufwendig, berichten demnach mehrere Personen – und damit kostspielig. Andererseits würden die meisten vorhandenen Funktionen zum Großteil schon jetzt wenig benutzt, viele Nutzer bleiben demnach bei wenigen Grundbefehlen.

Dabei hatte Amazon einst große Pläne. Sprachassistenten wie Alexa sollten den Computer beerben, Amazon-Chef Jeff Bezos träumte von einer Computer-Interaktion wie im Science-Fiction-Hit "Star Trek", bei der die Menschen nur ihre Bedürfnisse in den Raum artikulieren und diese dann erfüllt werden. Ganz unabhängig von einem einzelnen Gerät. "Ubiquitous Computing" nannte man die Idee einer allgegenwärtigen, quasi körperlosen Computer-Erfahrung. 

Doch im Alltag kam das so nie an. Zu umständlich sind die Befehle oft, zu ungenau die Antworten. Obwohl sowohl Amazon als auch Google und Apple pausenlos an Verbesserungen arbeiteten, den Computer oder das Smartphone konnten die Sprachassistenten bis heute einfach nicht vollständig ersetzen. Wenn zu oft der falsche Song gestartet wird, nimmt man irgendwann eben doch einfach das Smartphone zur Hand. Und hört irgendwann einfach ganz auf, Alexa danach zu fragen.

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Wichtigstes Ziel verfehlt

Viel größer war für Amazon aber das Problem, dass die Kunden das aus Sicht des Konzerns wichtigste Feature schlicht ignorierten: Shopping. Alexa sollte das schaffen, was Amazon bei Smartphones nie gelungen war: Kunden sollten ihren Alltag direkt über eine Plattform des Konzerns organisieren. Mit Amazon als Standard-Onlineshop. 

Allerdings gab es bereits sehr früh erste Berichte, dass die Kunden diese Option nicht einmal ansatzweise so oft nutzten, wie Amazon sich das gewünscht hatte. Den Grund musste der damalige Alexa-Chef David Limp schon 2018 in einem stern-Interview eingestehen: Shopping nur über Sprache macht einfach sehr wenig Spaß. "Musik ist einfach. Da gibt es 40 Millionen Lieder, weniger Künstler, noch weniger Alben. Bei Shopping hängt da viel mehr dran. Man muss Größe, Schnitt, Farbe, Marke und viele weitere Metadaten abgleichen", erläuterte er. Bei den Aberhundertmillionen sehr unterschiedlichen Produkten im Amazon-Sortiment wird es dann aber quasi unmöglich, das richtige zu finden. Das ganze Interview finden Sie hier.

Spardruck

Dass Amazon Geld zu sparen versucht, überrascht nicht. Der wirtschaftliche Druck der letzten Monate macht auch vor dem Online-Handelsriesen nicht halt. Zudem war der seit letztem Jahr eingesetzte neue Chef Andy Jassy schon vorher stark daran interessiert, die Abläufe zu optimieren und Kosten zu sparen. Auch in Warenlagern und beim Transport setzte er etwa bereits den Rotstift an.

Sein Vorgänger, Amazon-Gründer Jeff Bezos, hatte zwar auch auf Kosten geschaut. Für seine großen Visionen wie den Siegeszug der Sprachsteuerung hatte er allerdings auch dann Geld bereit gestellt, als sie nur Miese einfuhren. Jassy scheint diese Leidenschaft nicht zu teilen.

Quelle:Wall Street Journal

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