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Sprachgesteuerter Lautsprecher: "Alexa, wo ist der Schnuller?" - So veränderte Amazon Echo unseren Familienalltag

Lange gab es den sprachgesteuerten Lautsprecher Amazon Echo nur auf Einladung zu kaufen. Jetzt gibt es ihn für Jedermann. stern-Redakteur Malte Mansholt und seine Familie haben Echo seit Monaten im Einsatz und verraten, wofür man es wirklich nutzt. Vor allem Kinder sind davon begeistert.

Amazons Echo-Lautsprecher komt nach Deutschland

Amazons Echo-Lautsprecher kann seit heute ohne Einladung gekauft werden

Ein Computer, den man nur mit Sprache steuert. Das ist Amazon Echo. Meine Familie und ich haben Amazon Echo seit einigen Monaten Zuhause im Einsatz und verraten, wozu das Gerät wirklich taugt - und wer sich das Geld lieber sparen sollte.

Am Anfang hatte ich ja meine Zweifel. Ich hasse Sprachsteuerung bei Smartphones, benutze sie ausschließlich im Auto. Was soll ich also mit einem Gerät, das man gar nicht anders bedienen kann? Sobald Echo bei uns Zuhause aufgestellt war, waren die Bedenken dahin. Zum einen, weil man Zuhause doch deutlich weniger Hemmungen hat, mit einem Gerät zu reden. Zum anderen, weil eine Gruppe sofort von dem kleinen, schicken Lautsprecher angesprochen wird: Kinder.

Familien-Mitglied Alexa

Während mein Sohn durchaus in der Lage ist, an einem Computer oder Smartphone Apps zu nutzen oder bei Google zu suchen, ist für meine kleine Tochter nicht mehr als die Foto-App oder einfache Spiele drin. Alles andere scheitert an der mangelnden Lesekompetenz. Echo lieben aber beide. Das Codewort "Alexa" haben die Kinder sich im Nu gemerkt. Manchmal ist die Begeisterung fast ein bisschen anstrengend. Den Satz: "Alexa, spiel die Chainsmokers bei Spotify" könnte ich auch etwas seltener hören.

Alexa ist für die Kleinen längst zum festen Familienmitglied geworden

Alexa ist für die Kleinen längst zum festen Familienmitglied geworden

Dabei kommt es im Alltag durchaus zu witzigen Momenten. Als meine Tochter einmal verzweifelt auf der Suche nach ihrem Schnuller war, fragte sie einfach Alexa danach - und prompt hatten wir einen Schnuller auf der Einkaufsliste. Allerdings bringen vor allem kleine Kinder die Spracherkennung an ihre Grenzen. Nach mehreren undeutlich genuschelten Versuchen gab unsere Kleine einmal frustriert mit den Worten auf: "Mama, die Frau versteht mich nicht."

Amazon Echo spielt Musik auf Zuruf

Zu viel sollte man sich von Echo übrigens nicht versprechen. Gerade Bekannte mit Echo und ohne Kinder beklagten sich bereits öfter darüber, dass sie das Gerät seltener nutzten, als erwartet. Bei uns Zuhause ist Echo in erster Linie ein Unterhaltungsgerät. Ob Musik auf Wunsch, Hörspiele oder auch Radio-Sender: Echo startet alles auf Zuruf. Obwohl beide Kinder in ihrem Zimmer einen kleinen CD-Player haben: Echo macht einfach mehr Spaß. Eines kann man allerdings nicht empfehlen: Bei Hörspielen von "Bibi und Tina" ist Echo absolut unbrauchbar - weil der Name der Figur "Alex" das Gerät verwirrt. Zum Glück kann man das Codewort auch ändern.

Der Klang beim Musikhören ist ordentlich, differenziert zwischen Höhen und dem für die Größe überraschend satten Bass. Hifi-Fans sollten aber nicht zuviel erwarten. Die kleine Röhre bietet einfach nicht denselben Sound wie gute Boxen. Sie ist eher mit Bluetooth-Lautsprechern vergleichbar. Uns reicht das aber im Alltag, als smarter Ersatz für das Küchenradio taugt es allemal.

Amazon Echo Google Apple Datensammler

Ob im Wohnzimmer oder in der Küche: Der schlichte Lautsprecher macht eine gute Figur

 

Hifi-Fans werden noch enttäuscht

Für Besitzer dicker Sound-Anlagen hat Amazon einen eigenen Echo im Repertoire: Der kleine Echo Dot ist mit 59 Euro deutlich günstiger und hat nur einen einfachen Lautsprecher für die Sprachausgabe. Zum Radiohören in der Küche reicht es vielleicht auch noch, für echten Musik-Genuss kann man ihn per Klinkenstecker mit der Anlage verbinden. Das Problem: Der Sound ist etwa bei Sonos-Boxen deutlich schlechter als bei nativer Ausgabe direkt aus der Cloud. Immerhin: Bald sollen Sonos-Boxen per Update direkt über Echo steuerbar sein, dann fällt auch der Umweg über Klinke weg.

Etwas nervig: Ist die Musik zu laut, bekommt Echo oft nicht mit, wenn man etwas anderes von ihm möchte. Etwa die Laustärke zu reduzieren. Dann muss man schnell durch den Raum brüllen. Immerhin kann man die Lautstärke auch am Gerät selbst von Hand regulieren. Ob Amazon dieses Problem mit Software in den Griff bekommen kann, muss sich zeigen.

Mehr als Musik

Auch abseits von Musik hat Echo einiges zu bieten. Alexa beantwortet einfache Fragen, kann rechnen oder Termine notieren. Das funktioniert im Alltag recht gut. Alexa kann auf Wunsch sogar den Google-Kalender befüllen. Mit der Erinnerungs-App des iPhones ist sie zu meinem persönlichen Leid aber nicht kompatibel. Mit den sogenannten Skills hat Amazon dem Echo ein Äquivalent zu Apps spendiert. So kann man über Mytaxi ein Taxi rufen, Chefkoch.de nach Rezepten durchstöbern oder sich die Nachrichten vorlesen lassen. Klasse: Mit der "Tagesschau in 100 Sekunden" werden sie von einem professionellen Nachrichtensprecher vorgetragen. Wie bei allen anderen App-Stores gibt es viel zu finden - aber auch jede Menge Schrott.

Eine merkwürdige Entscheidung seitens Amazon ist, dass man seinen FireTV oder FireTV Stick nicht mit Echo steuern kann - obwohl beide über eine spezielle Fernbedienung mit Alexa kompatibel sind. 

Eher theoretisch praktisch ist aktuell noch die Heimsteuerung. Die Temperatur per Sprache heben und senken zu können, ist natürlich cool. Dafür muss man aber erstmal alle Thermostate umbauen - was in Mietwohnungen kaum einer tun wird. Auch Lampen kann Echo steuern. Dann nervt aber schnell die leichte Latenz bei der Bearbeitung. Schließlich will man nicht erst drei Sekunden warten, bis man etwas sieht. Schalter sind einfach schneller.


Was ist mit der Privatsphäre?

Wenn man Gästen Amazon Echo vorführt, gibt es nur zwei Reaktionen: Begeisterung - oder Entsetzen. Die einen finden sofort Gefallen am Computer, der nur über Sprache gesteuert wird. Die anderen sehen in dem mit sieben Mikrofonen ausgestatteten Echo einen Privatsphäre-Albtraum.

Dabei macht Echo nichts anders als etwa Apples Siri: Amazon versichert, dass die sieben Mikrofone zwar die ganze Zeit lauschen, aber erst nach Erkennung des Code-Wortes "Alexa" anfangen, Daten zu senden. Die Kollegen von "Computerbild" haben das im Labor überprüft und keine Anzeichen für anderweitige Übertragungen gefunden. Wer in privaten Momenten auf Nummer sicher gehen will, schaltet per Knopfdruck das Mikro ab.

Fazit: Toll für Familien, (noch) nichts für Hifi-Fans

Gerade in Familien wird Alexa im Nu zum Familienmitglied. Die Kleinen lernen blitzschnell, wie Alexa tickt, der Klang reicht für Kinderlieder, Hörspiele und Co. locker aus. Wer nicht super-anspruchsvoll ist, kann auch eine Party mit Echo beschallen.

Für Hifi-Fans lohnt sich die Anschaffung als Lautsprecher dagegen nur bedingt. Bis beliebte Systeme wie Sonos nicht mit dem Echo steuerbar sind, bietet die Box einfach nicht genug Mehrwert. Außer man wollte sich schon immer wie bei "Star Trek" mit seiner Wohnung unterhalten. Der Hauptzweck ist - zumindest bei uns Zuhause - ganz klar die Musik.

Hinweis: Dieser Text war einer der meistgelesenen Artikel auf stern.de im Jahr 2017 - zum Jahresrückblick spielen wir die besten Artikel in loser Reihenfolge bis zum Ende des Jahres.

Ein junger Mann sitzt auf Klo mit iPad in der Hand.