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Immer mehr Fake-Profile entdeckt: So werden Singles auf Dating-Plattformen ausgetrickst

Gefälschte Profile sind auf Dating-Plattformen ein riesiges Problem für die Nutzer. Recherchen der "Welt" zeigen nun, dass auch auf Parwise massenhaft Fakes um einsame Herzen buhlen. Die Fotos der angeblichen Schönheiten sind aus dem Netz zusammengeklaut.

Klar sieht der Burger im Fernsehen saftiger aus als in der Realität. Und dass ein Clausthaler wirklich alles hat, was ein Bier braucht, glauben vermutlich nur strikte Abstinenzler. In der Werbung wird oft geflunkert, das dürfte nur die wenigsten überraschen. Warum sollte das also bei Dating-Portalen anders sein? Eben. Und spätestens seit dem Ashley-Madison-Hack ist klar: Beim Geschäft mit der Liebe wird getrickst, dass sich die Balken biegen.

Wie dreist die Macher hinter den Dating-Portalen ihre Kunden an der Nase herumführen, zeigten die vergangenen Wochen. So deckte die "c't" eine riesige Schummelei mit gefälschten Frauen-Profilen bei Lovoo auf. Eine Untersuchung der "Welt" zeigt nun, dass auch auf weiteren Plattformen Fake-Profile genutzt werden - und sich nicht einmal besonders Mühe gegeben wird, diese zu tarnen.

Schauspielerin statt Flirtwillige

Die "Welt am Sonntag" hat mehr als 50 Frauen-Profile auf der Flirtplattform Parwise entdeckt, deren Profilbilder dreist aus dem Internet geklaut wurden. Sehr wahrscheinlich wurden die Profile nicht direkt von Parwise angelegt, um sexy Singles anzubieten. Stattdessen besteht die Möglichkeit, dass sich dahinter Heiratsschwindler oder andere Cyberkriminelle verbergen. Vor ihnen warnt die Polizei regelmäßig. Auch der stern berichtete im Sommer über die Industrie der Herzensbrecher.

Da ist etwa die Hamburger Lehrerin Anna. Mit brünettem Haar und vollen Lippen schaut sie verführerisch in die Kamera, ein wenig erinnert sie an eine italienische Schönheit. Kein Zufall: In Wirklichkeit handelt es sich bei Anna um die italienische Schauspielerin Karin Proia, das Bild stammt aus dem Film "Lebe lieber italienisch". Lädt man das Foto in die Google-Bildersuche, ist der Film gleich der erste Treffer.

Links das Originalfoto, rechts der Screenshot aus Parwise

Links das Originalfoto, rechts der Screenshot aus Parwise

Ähnlich wurde auch bei anderen Profilen vorgegangen: So steckt hinter dem Foto einer angeblichen Servicekraft aus Hamburg in Wahrheit Jennifer Jensen, deren Polizeibild seit Jahren in diversen "Heiße Verbrecherinnen"-Listen durchs Netz geistert. In einem Fall wurde als Profilbild sogar das Bild einer Pornodarstellerin als Blickfang genutzt - billiger geht es kaum.

Parwise hat alle der hier beschriebenen Profile verifiziert, also für echt befunden. Dabei heißt es auf deren Internetseite, jedes Profil werde von Hand geprüft. "Somit stellt Parwise sicher, dass nur Singles angemeldet sind, die tatsächlich jemanden kennenlernen wollen." Wie der Verifizierungs-Vorgang genau funktioniert - dazu wollte sich die Parwise-Geschäftsführung gegenüber der "Welt" nicht äußern. Stattdessen beruft man sich auf die AGB, die falsche Profil-Angaben verbieten, weshalb Parwise laut eigener Aussage Fakes löscht. Offenbar geht man dabei aber nicht ganz so rigoros vor, wie es die Webseite verspricht. Werbung eben.

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