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Neu bei Facebook: Frische Features, fiese Fallen

Wellen von Spam, veränderte "Gefällt mir"-Knöpfe, neue Funktionen: Bei Facebook ist zurzeit so viel los, dass man schnell den Überblick verliert. stern.de hilft.

Von Ralf Sander

Facebook verändert sich in einem atemberaubenden Tempo. Im Januar hat die Zahl der Mitglieder des weltgrößten sozialen Netzwerks die 600-Millionen-Marke überschritten. Da lag die 500-Millionen-Meldung gerade mal ein halbes Jahr zurück. Und auch innerhalb des Netzwerks ist viel in Bewegung, gerade in den vergangenen Wochen. Die US-Zentrale führt ständig neue Funktionen ein und überarbeitet bestehende. Manche Nutzer freut's, andere sind verwirrt - und viele warten noch auf Neuerungen, während ihre Freunde sie schon nutzen dürfen. Und dann schwappt auch noch eine neue Spam-Welle durch Facebook, die alle nervt.

stern.de erklärt sieben Facebook-Phänomene, die zurzeit wichtig sind.

P.S.: "Wo sind die Artikelkommentare hin?", werden Sie sich fragen. Wir hatten die Funktion zu diesem Artikel aktiviert, haben dann aber ein Layout-Problem festgestellt und sie wieder deaktiviert. Dafür sind Beta-Phasen auch da: Probleme finden und sie beheben. Ihre Meinung zum Thema können Sie gern hier abgeben. Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

Der neue Like-Button 1: Verräterischer als vorher

Facebook hat seinen Like-Button, der als sogenanntes Social Plug-in auf vielen Websites zu finden ist, verändert. Bis vor Kurzem sorgte ein Klick auf den "Gefällt mir"-Knopf zum Beispiel bei einem Artikel auf stern.de dafür, dass auf der eigenen Facebook-Pinwand und im Nachrichten-Strom der Freunde nur ein kleiner Eintrag "XY gefällt ..." mit einem Link gepostet wurde. Das ist seit einigen Tagen anders: Die Schaltfläche sorgt nun dafür, dass der "gelikte" Beitrag mit Überschrift, Kurztext und Bild im Profil erscheint - also wesentlich prominenter als vorher. Damit ist der Like-Button unter einzelnen Beiträgen, nicht bei ganzen Websites, zu einer abgespeckten Variante der Teilen-Funktion von Facebook geworden. Im Gegensatz dazu kann man nach dem Klick auf "Gefällt mir" keine Änderungen am Vorschaubild vornehmen oder einen Kommentar dazuschreiben - der Eintrag erscheint sofort im eigenen Profil.

Eine Änderung, die dazu führen sollte, sich eine Sekunde länger als bisher Gedanken zu machen, ob man einen bestimmten Beitrag wirklich in voller Pracht allen seinen Freunden präsentieren möchte. Denn es ist ein Unterschied, ob man etwas nur mag oder gleich allen davon erzählen möchte. Hat man sich einmal verklickt, bleibt nur noch, den Eintrag nachträglich von der eigenen Profilseite zu löschen. Dafür gibt es ein kleines Kreuz rechts neben der Überschrift. Und da Facebook die Funktion auch rückwirkend für alle bisherigen Likes geändert hat, kann es sich lohnen, die eigene Pinnwand einmal zu überfliegen.

Der neue Like-Button 2: Missbraucht für Spam

Jeder hat in den vergangenen Tagen vermutlich Beispiele für Spam, der den neuen Like-Button ausnutzt, gesehen - und es nicht bemerkt: Links zu Videos mit Titeln wie "Dschungelnervensäge verliert Top bei Modenschau", "Sexygirl beim Strippen erwischt" oder "Sind Moslems die nächsten Nazis?", die von Freunden offenbar mit einem "Gefällt mir" ausgezeichnet wurden. Die wenigsten werden sich allerdings daran erinnern, den Like-Button für dieses Video je gedrückt zu haben. Sie sind reingelegt worden.

Blogs wie "Sansiba online" und "avatter" berichten über die Masche "Likejacking": Die Videos, die lustige, schmutzige oder zumindest ungewöhnliche Einblicke versprechen, sind von findigen Programmierern mit einer Art unsichtbarem Like-Knopf "überklebt" worden. Ein Klick auf das Play-Dreieck, um das Filmchen zu starten, wird so zum Auslöser für ein "Gefällt mir"-Posting. In manchen Fällen scheint sogar das Aufrufen der Seite auszureichen. Weil es für diesen Vorgang keine Rückmeldung gibt, erfährt der User von seiner Gefallensbekundung erst etwas, wenn er mal wieder auf seine Profilseite in Facebook schaut.

Bisher ist diese Art von Spam nur nervig, tieferer Sinn und kommerzieller Zweck ist bei den aktuellen Beispielen nicht zu erkennen. Aber natürlich ist hier ein Verbreitungsweg gefunden worden, über den auch schlimmeres Zeug verbreitet werden kann.

Was kann man gegen den Spam tun? Der sicherste Weg ist, während des Surfens auf anderen Websites nicht bei Facebook eingeloggt zu sein. Ansonsten kann nur Vorsicht und gesunde Menschenkenntnis helfen. Würde Freund XY wirklich ein solches Video in seinem Profil posten? Wenn die Antwort "nein" lautet, sollte man doch klicken - auf die Schaltfläche "als Spam markieren", erreichbar über das X rechts neben dem Eintrag.

Facebook mit HTTPS: Sicher, aber nicht total sicher

Seit einigen Wochen bietet Facebook seinen Nutzern die Möglichkeit, Facebook durchgängig über das verschlüsselte HTTPS-Protokoll zu nutzen. Dabei handelt es sich um die sicherere Variante des im Web genutzten HTTP-Protokolls. HTTPS ist beim Einkaufen im Web und beim Onlinebanking Pflicht. Ob man gerade eine Website über das sichere Protokoll aufgerufen hat, kann man an der Zeichenkette https:// am Anfang der URL erkennen. Die meisten Browser kennzeichnen sichere Verbindungen außerdem durch Farbmarkierungen und das Symbol eines geschlossenen Vorhängeschlosses.

Die Verschlüsselung der Datenübertragung schützt davor, dass die transportierten Informationen - zum Beispiel Cookies - von Dritten ausgelesen werden können. Dieses Bedrohungsszenario betrifft allerdings vor allem frei zugängliche Hotspots und ungeschützte private Wlans. Deswegen empfiehlt Facebook in seinem offiziellen Blog, die verschlüsselte Übertragung auf jeden Fall an öffentlichen Orten wie Internetcafés, Schulen, Bibliotheken oder Flughäfen zu nutzen.

Um Facebook über HTTPS zu nutzen, muss man im Kontomenü den Punkt Kontoeinstellungen auswählen. In der folgenden Übersichtsseite gibt es an dritter Stelle von unten den Eintrag "Kontosicherheit". Ein Klick auf "ändern" öffnet weitere Einstellungsmöglichkeiten. Gleich in der ersten Zeile "Sicheres Durchstöbern (https)" muss der Haken gesetzt werden.

Facebook hat vorsichtig in Aussicht gestellt, dass die verschüsselte Übertragung irgendwann zur Standardeinstellung werden könnte. Leider kann es bei der Nutzung von HTTPS ein paar Probleme geben: Erstens können verschlüsselte Verbindungen deutlich langsamer sein als unverschlüsselte, sodass der Surfspaß auf Facebook deutlich leiden kann. Zweitens gibt es noch einige Facebook-Funktionen und viele Facebook-Applikationen von Drittanbietern, die mit HTTPS nicht funktionieren.

Und eines darf man auf keinen Fall vergessen. Den gefährlichsten und häufigsten Bedrohungen auf Facebook - verseuchtem Spam, bösartigen Applikationen und Phishing-Versuchen - entgeht man nur durch Vorsicht und nicht allein durch das Umschalten auf HTTPS.

Fanseiten: Neues Layout und menschliches Verhalten

Echte Menschen bekommen auf Facebook ein Profil. Für Institutionen, Prominente, Organisationen oder Webangebote wie stern.de gibt es die Facebook-Seiten - denen am Donnerstag ein neues Layout verordnet wird. Viele Seiten-Betreiber haben bereits selbst auf die neue Optik umgestellt, der Rest wird nun fällig.

Die auffälligsten Änderungen: Quer über der Seite kann eine Leiste aus Bildern liegen, die aus Fotos bestückt wird, die andere User auf der Seite veröffentlicht haben. Wenn man Fotos auf einer Facebook-Seite veröffentlicht, sollte man sich also im Klaren sein, dass das Bild an so prominenter Stelle zumindest vorübergehend auftauchen kann. Außerdem ist die Reiternavigation verschwunden, die Menüpunkte Foto, Video, Info und andere befinden sich nun in der linken Spalte.

Ebenfalls neu: Facebook-Seiten bekommen einige Fähigkeiten, die bisher Menschen vorbehalten waren: Administratoren können im Namen ihrer Seiten Postings veröffentlichen und den "Gefällt mir"-Knopf drücken. Bisher konnten Seitenverantwortliche nur auf der eigenen Seite aktiv werden. Die neue Funktion bietet mehr Möglichkeiten, das eigene Angebot bekannter zu machen. Für den Nutzer bedeutet das neue Spamgefahren, aber auch neue Möglichkeiten, mit Seiten zu interagieren, deren Fan man ist: Und vielleicht gratuliert einem ja auch mal Justin Bieber zum Geburtstag.

Comments: Ein Stück Facebook ausgelagert

"Facebook Comments" ist ein Social Plug-in für Leserkommentare, eine Art Baustein von Facebook, der außerhalb des sozialen Netzwerks in Webseiten eingebaut werden kann. Anfang März wurde Comments überarbeitet, und seitdem wird es von stern.de und anderen Webangeboten eingesetzt, um unter bestimmten Artikeln Diskussionen der Leser zu ermöglichen. Im Prinzip funktioniert Comments aber auf allen Seiten, die das Plug-in eingebaut haben, gleich.

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen die Leser bei Facebook eingeloggt sein. Später soll es auch möglich sein, sich mit AOL-, Yahoo- oder anderen Accounts für die Leser-Kommentare anzumelden. Nach dem Schreiben eines Kommentars kann man entscheiden, ob der Beitrag nur beim kommentierten Artikel oder auch im eigenen Facebook-Profil erscheinen soll. Neu ist außerdem, dass die Kommentare von Facebook-Freunden zuoberst dargestellt werden, erst weiter unten folgen unbekannte Kommentatoren.

Websites, die das Comments-Plugin verwenden, erhoffen sich durch die Verbindung mit Facebook-Profile ein besseres Niveau bei den Kommentaren und weniger Störenfriede. Mehr Details zu Facebook Comments bei stern.de bietet die FAQ "Wie funktionieren die neuen Kommentare?".

Facebook Nachrichten: Die SMS-Chat-Posting-Mail

Facebook Nachrichten soll die digitale Kommunikation radikal vereinfachen - und wird nach dem US-Start im November 2010 gerade sukzessive auch in Deutschland für jedes Mitglied freigeschaltet. Die Überlegungen, welche Person man am besten über welchen Kanal erreicht, sollen der Vergangenheit angehören - wenn es nach Facebook geht. Der neue Dienst soll E-Mails, SMS, Instant Messaging, Facebook-Postings und Chat-Dialoge zusammenführen. Auf welchem Weg auch immer die Nachrichten hereinkommen, Facebook sammelt und sortiert sie. Jede über Facebook geführte Konversation, unabhängig von der benutzten Technik, wird gespeichert und ewig nachvollziehbar sein. Dabei bevorzugt Facebook die Nachrichten von Freunden gegenüber denen von Fremden - und verspricht so einen Filterung nach dem Motto: Zuerst lesen, was wirklich wichtig ist.

Um das neue Nachrichtenfeature zu nutzen, ist eine Einladung nötig, die Facebook seit Mitte Februar nach und nach automatisch verschickt. Jedes Facebook-Mitglied erhält dann auch eine E-Mail-Adresse mit der Domain @facebook.com. Ob er diese Adresse beanspruchen möchte, kann jeder selbst entscheiden. Außerdem wird es möglich sein, in den Privatsphäre-Einstellungen festzulegen, wer einem Mails schicken darf.

Datenschützern bereitet die Vorstellung, sein gesamtes digitales Leben - noch mehr als zuvor - einem einzelnen US-Unternehmen zu überantworten, Bauchschmerzen. Wem das ähnlich geht, sollte lieber weiterhin auf verschiedenen Kanälen kommunizieren.

Facebook-Angebote: Die Litfaßsäule in der Hosentasche

Schnäppchenjäger in Deutschland können seit Ende Januar den in den USA schon seit November existierenden Dienst Facebook Deals nutzen. Schlicht Facebook-Angebote heißt der Service hierzulande, der Partnerunternehmen die Möglichkeit bietet, Facebook-Nutzer mit Sonderangeboten und Rabattmarken zu locken.

Die Angebote sind über die Funktion Orte in den Facebook Apps für iPhone und Android sowie über die Mobilseite zu erreichen. Ein Klick auf die Funktion "Wo bist Du?" öffnet eine Liste von Orten, Restaurants und Geschäften in der Nähe des Nutzers. Ein gelbes Viereck zeigt an, welcher Ort ein Angebot geschaltet hat. Wer das Schnäppchen wahrnehmen will, muss den Ort anklicken und die Anzeige des Handys im Geschäft vorzeigen.

Die Angebote bringen vielleicht eine finanzielle Ersparnis - eine Gegenleistung erbringt man aber auch: Das Einlösen eines solchen Gutscheins wird automatisch im eigenen Facebook-Profil gepostet. Man macht also Werbung für das teilnehmende Unternehmen.

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