Neue Studie So wenig digital ist Deutschland


Zwischen Ostsee und Alpen surfen die Deutschen wie die Weltmeister im Web? Von wegen: Laut einer Studie gehören über ein Drittel der Bundesbürger zur Gruppe der "digitalen Außenseiter". Und auch der Rest ist noch nicht vollständig in der digitalen Alltagswelt angekommen.

Ob Kommunikation, Handel oder Unterhaltung: Ein Großteil unserer alltäglichen Aktivitäten verlagert sich zunehmend ins Internet. Doch das Einkaufen per Mausklick und die Weblektüre von Nachrichten gehört noch längst nicht bei allen Bundesbürgern zum privaten und beruflichen Alltag.

Nur jeder vierte Deutsche ist im digitalen Zeitalter angekommen. Das geht aus einer Studie der Initiative D21 hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. "Ich bin erschreckt von den Ergebnissen", sagte der Direktor des Deutschen Digitalen Instituts, Jo Groebel.

Der Professor hatte eine solche Tendenz erwartet, die endgültigen Zahlen überraschten ihn dann aber doch: Obwohl inzwischen 70 Prozent der Bevölkerung online sind, sehen nur 26 Prozent in den digitalen Medien einen festen Teil ihres täglichen Lebens. Die Ursache für die Scheu der Deutschen vor Internet und Computer suchte Groebel vor allem in der Politik. Es sei "skandalös", dass es digitale Begeisterung weder im öffentlichen Leben noch in der Regierung gebe.

"Stoppschilder schüren Ängste"

Deshalb plädierte D21-Vorstandsmitglied Ulrich Hermann für mehr Digitalisierung der Politik. Das könnte gesellschaftliche Probleme lösen und Staatsausgaben senken: "Es darf keinen Behördengang mehr geben, der nicht auch online abgebildet werden kann.

Gegenkampagnen, wie Stoppschilder im Internet zu zeigen, sind eher hinderlich und schüren Ängste", sagte Hermann mit Fingerzeig auf das von der Bundesregierung initiierte Kinderpornografie-Bekämpfungsgesetz.

Auch im Rahmen der Studie nannten die rund 1.000 Befragten die Angst vor Computer und Internet als häufigsten Grund, digitale Medien zu meiden. Die Angst schaffe "digitale Außenseiter", sagte Hermann. Um vorzubeugen, dass Deutschland dadurch künftig an Wettbewerbsfähigkeit in der internationalen Wirtschaft einbüße, müsse an den Schulen eine digitale Struktur entstehen, "die genauso dazugehört wie die Tafel und die Kreide".

Digitale Spaltung

Die Studie offenbarte auch eine digitale Spaltung innerhalb der deutschen Bevölkerung: Demnach ist die Quote der Nutzer bei gebildeten Menschen und bei Männern sehr viel höher als bei Menschen aus bildungsfernen Schichten und bei Frauen. Doch die D21-Leute hatten auch positive Nachrichten zur Digitalisierung: Nach Angaben der Initiative D21 hat Deutschland hohe Wachstumsquoten bei der Internetnutzung von Personen über 60 Jahren.


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