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Neulich im Netz: Konvergenz: Was Kartoffeln und das Internet verbindet

"Konvergenz" ist einer jener Begriffe, die in Business-Meetings Executives, Consultants und den Rest vom Staff elektrisiert. Da wächst dann etwas zusammen, was angeblich zusammen gehört. Zwischen Mainz-Kostheim und Hochheim wachsen Kartoffeln und das Internet zusammen.

Dort, neben Weinbergen, an einer idyllischen Landstraße gelegen, steht ein Schild, etwas größer als eine Aktentasche. Konvergierend gesagt, ein 23-Zoll-Schild. Darauf wurde mit Farbe geschrieben. So wie die Bauern in dieser Gegend Schilder aufstellen, dass sie Kartoffeln verkaufen.

Doch auf dem Schild zwischen Mainz-Kostheim und Hochheim steht etwas anderes. Da steht "www.das-anzeigenportal.de, Anzeige 1 Monat 6,60 Euro". Das ist doppelt clever. Denn einerseits werden hier Kommunikationsmethoden von landwirtschaftlich steuerfrei verkauften Kartoffeln digitalisiert, indem ein ehemaliges Kartoffel-Schild nun fürs Internet wirbt. Andererseits löst der Trick mit dem Artikel den Engpass bei Internet-Adressen. Wenn "Anzeigenportal.de" nicht mehr frei ist, nimmt man eben "das-Anzeigenportal.de". Genial.

Alles Müller, oder was?

Herr Müller beispielsweise kann nicht mehr "Mueller.de" reservieren, weil das einer Drogerie gehört, auch "HerrMueller.de" ist weg und seit 1999 nicht mehr bearbeitet, "Herr-Mueller.de" ist ein Designfriedhof - aber "Der-Herr-Mueller.de" ist bei der Denic ebenso zu haben wie "DerHerrMueller.de".

Zurück zum Kartoffel-Schild, zurück zu "das-anzeigenportal.de". Eigentlich müsste es ja "zurück zu dem-anzeigenportal.de" heißen, diese Adresse ist übrigens auch noch frei. Beginnen Sie, das ungeheure Potenzial dieser Idee zu ahnen? Zurück zum Schild. Das Portal gibt es, und man kann dort inserieren. Aber offenbar werden zwischen Mainz-Kostenheim und Hochheim mehr Kartoffeln verkauft als Anzeigen. Denn es ist trostlos einsam auf der Seite, die so hübsch aufgemacht ist. Immerhin verschenkt da einer Umzugskartons gegen die Anzeigengebühr. Daneben gibt es "etwas extravagante Damenkleidung" in Konfektionsgröße "48-58" (!) ebenso wie 50 Fernseher, kein Haus und vier Autos im Gesamtwert von 51.900 Euro. Dazu sucht jemand eine "deutschsprachige" Putzfee, jemand anderes einen Pizzabäcker und wieder jemand anderes einen entflogenen Beo. Finderlohn: 100 Euro. Das entspricht 15 Monaten Anzeigenschaltung. Oder 1.000 Kilo hessischer Kartoffeln im Großhandel. Das steht im Internet. Wo sonst. Konvergenz eben.

www.agrarberatung-hessen.de

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