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Datenschutz: Hessische Stadt löscht ihre Facebook-Seite und informiert jetzt lieber über Whatsapp

Die hessische Stadt Neustadt akzeptiert den mangelnden Datenschutz bei Facebook nicht mehr und hat ihre Seite in dem Netzwerk deaktiviert. Die Alternative soll Whatsapp sein – doch auch dieser Dienst gehört dem Social-Media-Riesen.

Facebook-Logo

Weil Facebook im Hintergrund die Daten seiner Nutzer sammelt, kehrt die Stadt Neustadt dem Netzwerk den Rücken (Symbolbild)

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Die Bürger von Neustadt, die sich bisher gern auf Facebook über wichtige Neuigkeiten in ihrer Stadt auf dem Laufenden gehalten haben, müssen sich umorientieren. Die Stadt in Hessen hat sich dazu entschlossen, ihren Facebook-Auftritt zu löschen. Grund dafür sind Bedenken beim Datenschutz, berichten hessische Medien.

"Wir haben alles versucht, um das Datensammeln einzuschränken – aber nichts hat gefruchtet", erklärte Holger Michel, Leiter des Fachbereichs "Zentraler Service, Sicherheit und Ordnung" in der knapp 9000 Einwohner großen Stadt, der "Oberhessischen Presse". Der Tech-Konzern sammelt Daten seiner Nutzer, die Maßnahmen zum Datenschutz sind oft undurchsichtig. Daraus zieht man in Neustadt die Konsequenzen und verlässt das soziale Netzwerk.

Neustadt: Nachrichten gibt es jetzt auf Whatsapp statt auf Facebook

Entscheidend war am Ende die im vergangenen Jahr in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), welche sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs stützt, berichtete Michel der "Hessenschau". Die DSGVO sorgte bei vielen Betreibern von Homepages und Facebook-Seiten für Verwirrung, da sie strenge, jedoch oft nicht ganz klare Richtlinien aufstellt, die zu juristischen Grauzonen führen. Dieses Risiko wollten die zuständigen Stellen in Neustadt nicht eingehen. Michel und seine Mitarbeiter hatten versucht, mit dem Abschalten der Kommentarfunktion Abhilfe zu schaffen: "Aber auch das hat nicht gefruchtet. Letztendlich kann man nichts dagegen machen – und das, obwohl man selber Betreiber der Seite ist", sagte der Fachbereichsleiter der "Oberhessischen Presse".

Aber die Stadtverantwortlichen haben schon eine Alternative aufgetan, um die Bürger auch in Zukunft zu informieren. Über den Messengerdienst Whatsapp sollen in Zukunft wichtige Neuigkeiten verschickt werden. Das Problem: Auch Whatsapp gehört zu Facebook – und auch die App ist nicht gerade für ihren strengen Datenschutz berühmt. In Neustadt verspricht man sich trotzdem eine Verbesserung davon. Bürger können sich per Nachricht bei einer Telefonnummer anmelden, gespeichert werden keine Namen, sondern nur Nummern. Die Daten sollen keinesfalls weitergegeben werden – so verspricht es zumindest die Neustädter Verwaltung.

Quellen: "Oberhessische Presse", "Hessenschau"

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