Nigeria-Connection Kunst aus dem Papierkorb


Betrugsversuche werden zu Kunst: Für sein Buch "Cry For Help!" hat der Künstler Henning Wagenbreth 36 Scam-Mails der Nigeria-Connection gesammelt und illustriert.
Von Mascha Jacoby

Nigerias größte Industrien? Öl, Kakao und Scam-Mails. Nein, nicht Spam. Mit nerviger Werbung haben Scam-Mails (auf Deutsch etwa: Beschiss-Mails) nichts zu tun. Im Gegenteil: Sie versprechen das große Geld. Mal ist der Absender Sohn eines gestürzten afrikanischen Königs, der sein Millionenvermögen nach Europa transferieren will. Helfen Sie ihm dabei, winkt eine hohe Belohnung. Oder: Ein zum Christentum konvertierter Moslem möchte mit seinem Geld Gutes tun. Er braucht Sie, um alles zu arrangieren. Und einen Vorschuss, um den Deal ins Rollen zu bringen. Zu schön, um wahr zu sein?

Stimmt: Der Absender ist ein Betrüger, die Geschichte erfunden, Sie sein nächstes Opfer. In der Fachsprache nennt sich das Vorschussbetrug. Der Berliner Illustrator und Professor Henning Wagenbreth macht Kunst daraus: 36 Scam-Mails hat er gesammelt und illustriert. Das Buch "Cry For Help! 36 Scam-Emails from Africa" lebt von Wagenbreths Linolschnitt-Grafiken. Er gibt den Charakteren der Mails ein Gesicht und greift die Slogans auf, mit denen Sie potenzielle Opfer locken. Mit grellen Farben und bissigem Humor überspitzt er die Klischees, die in den Mails stecken. Und ohne die sie nicht funktionieren würden.

Bei der Lektüre schmunzelt man und freut sich: über die Kreativität des Künstler - und die der Scam-Betrüger.


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