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Personalausweis: Was der neue Perso alles kann

Das Frauenhofer Institut SIT hat den neuen elektronischen Peronalausweis auf den Prüfstand gestellt. Er soll dem Bürger von 2010 an vieles erleichtern. Die digitale Speicherung von Fingerabdrücken in der Karte ist freiwillig, gespeicherte Fotos werden Pflicht für alle Bürger. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum elektronischen Perso.

Die Bundesregierung hat die Einführung eines elektronischen Personalausweises genehmigt, der eine Identifizierung im Internet ermöglicht. Das Personaldokument in Größe einer Scheckkarte soll ab November 2010 an die Bürger ausgegeben werden. Anders als bei den neuen Reisepässen müssen keine Fingerabdrücke abgegeben werden. Entsprechende Pläne von Innenminister Wolfgang Schäuble waren am Widerstand der SPD gescheitert, die Datenschutzbedenken hatte. Wer möchte, kann die Abdrücke der beiden Zeigefinger aber freiwillig speichern lassen. Die alten Ausweise bleiben bis zu ihrem Auslaufen gültig.

Der neue Personalausweis enthält einen elektronischen Identitätsnachweis, der auf Wunsch für das Internet freigeschaltet wird. Damit soll eine einfache und sichere Online-Identifizierung möglich werden. Obligatorisch ist ein digitales Foto, das die Fälschungssicherheit erhöhen soll. Es darf nur von der Polizei und bei Grenzkontrollen ausgelesen werden.

Anders als beim Reisepass ist der Besitz eines Personalausweises für jeden Deutschen Pflicht ab dem Alter von 16 Jahren.

Schäuble erklärte, die Zeit, in der elektronische Formulare zwar am PC ausgefüllt, aber am Ende doch manuell unterschrieben und versandt werden müssten, gehöre bald der Vergangenheit an: "Der elektronische Ausweis spart damit allen Beteiligten Papier, Druck-, Porto-, Transportkosten und vor allem Zeit." So würden allein für den Bereich Kontoeröffnungen zukünftig Einsparungen von jährlich rund 130 Millionen Euro möglich.

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum elektronischen Personalausweis werden im Kasten links beantworten.

san/AP/DPA/Reuters

Was ist neu am neuen Personalausweis?

Der für 2010 geplante elektronische Personalausweis soll das Leben mit dem Internet schneller und unbürokratischer machen: beim Kauf von Bahn- und Flugtickets, Anmeldungen von Auto und Wohnort, Warenbestellungen aller Art, Überweisungen, Steuererklärungen und beim Abschluss von Versicherungen oder sogar wichtigen Verträgen.

Zum einen soll der neue Personalausweis mit dem neuen Format schlicht einfacher handhabbar werden. Zum anderen steckt neue Technik im Plastik. Wie beim Reisepass wird ein biometrisches Lichtbild digital auf einem Chip im Ausweis gespeichert. Darauf haben Polizei und Grenzer Zugriff. Im Zweifel kann bereits daraus mit besonderen Lesegeräten eindeutig geklärt werden, ob derjenige, der den Ausweis hinhält, auch der rechtmäßige Besitzer ist. Auf Wunsch kann man auf dem Chip zur Sicherheit zudem zwei Fingerabdrücke speichern lassen. Erstmals können die Bürger darüber hinaus die Karte auch als Internetausweis oder auch mit einer "qualifizierten elektronischen Signatur" programmieren lassen.

Wie funktioniert das mit dem Internetausweis?

Auf dem Ausweis-Chip sind Daten wie Name, Adresse und Geburtsdatum gespeichert, die mit einem Zusatzgerät am Computer und einer Geheimnummer (PIN) ausgelesen und einem Online-Geschäftspartner übermittelt werden können. Damit soll man bei der Bank oder einem Versandhändler eindeutig nachweisen können, wer man ist. Immer wieder wechselnde Pin, Tan und Passwörter sollen damit weitgehend der Vergangenheit angehören. Es soll möglich sein, nur bestimmte Daten zu nennen. So könnte man zum Beispiel sein Geburtsdatum zurückhalten, falls bei dem beabsichtigten Geschäft das Alter irrelevant ist. Datenschützer raten, dies zu nutzen, nach dem Grundsatz: Immer nur die nötigsten Daten über das Internet preisgeben.

"Niemand kann sich die Passwörter wirklich merken", sagt Innenstaatssekretär Hans Bernhard Beus. Vor allem aber mehr Komfort soll es geben. Schäuble erzählt, wenn er wie immer selbst seine Steuererklärung mache, müsse er das Formular am Ende immer ausdrucken und in den Briefumschlag stecken. "Ich ärgere mich jedes Mal."

Werden Internetgeschäfte damit sicherer?

Datenschützer sind da noch nicht sicher. "Ob Missbrauch eingeschränkt wird, wird man erst sehen", sagt Dietmar Müller, Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar. Missbrauch bei krimineller Energie sei grundsätzlich nicht auszuschließen. Schäuble ist sich sicher, dass das E-Business und auch E-Government - also etwa das Ausfüllen von Meldebögen oder der Steuererklärung am heimischen Computer - in jedem Fall komfortabler wird und damit auch an Bedeutung gewinnen dürfte. Der Staat hofft auf den Wegfall von Bürokratiekosten von 140 Millionen Euro.

Wie unterscheidet sich der Internet-Ausweis von der elektronischen Signatur?

Die elektronische Signatur ist im Gegensatz zur Internet-Identifikation ein vollwertiges Äquivalent zur eigenhändigen Unterschrift. Sie ist aber nur im Ausnahmefall nötig, etwa bei notariellen Kaufverträgen. Bei 90 Prozent der Internet-Geschäfte reicht der Internet-Ausweis.

Sollte man seine Fingerabdrücke speichern lassen?

Innenminister Schäuble meint: ja. Kontrollen würden damit "komfortabler". In Sekundenschnelle könne ein Lesegerät Fingerabdrücke am Menschen und im Ausweis abgleichen. Außerdem könne man dann den Ausweis als Pass-Ersatz verwenden, für den Fingerabdrücke gefordert werden.

Datenschützer hingegen sind zurückhaltend. "Das muss jeder selbst entscheiden", sagt Dietmar Müller, Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar. Einig sind sich beide Seiten, dass die Fingerabdrücke für die Fälschungssicherheit nicht entscheidend sind. Schon jetzt gilt der deutsche Personalausweis als sicher.

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Silke Stokar sagte, besonders bedenklich sei die Speicherung des Fingerabdrucks vor allem mit Blick auf Missbrauchsmöglichkeiten im Ausland. "Ich appelliere an die Bürger, nicht gefährlich gutgläubig zu sein: Niemand sollte freiwillig seinen Fingerabdruck abgeben, weil Herr Schäuble niemandem zusichern kann, was damit im Ausland geschieht." Dort gelte der deutsche Datenschutz nicht, deshalb sei es möglich, dass die Fingerabdrücke in Dateien von Sicherheitsbehörden gespeichert würden.

Wie viel kostet der neue Ausweis?

An einem Kostenmodell wird derzeit noch gearbeitet. Schäuble betont, es hänge von der Ausschreibung ab. Mehr als die acht Euro für den jetzigen Personalausweis dürften es schon sein, der Preis für den Reisepass von heute, der bei immerhin 59 Euro liegt, soll aber laut Schäuble nicht erreicht werden. Wer den Internet-Ausweis nutzen will, muss zudem noch das Lesegerät anschaffen. Der Preis dafür ist ebenfalls noch offen. Gelten soll die neue Karte im Regelfall weiter zehn Jahre. Man erhält sie, wenn der alte Ausweis abläuft oder wenn man diesen vorzeitig ersetzen will. Wer umzieht, muss aufs Amt, um die neue Adresse auf dem Chip speichern und wie bisher den sichtbaren Aufdruck überkleben zu lassen. Auch die Aktivierung des Internet-Ausweises kann man noch nachträglich machen oder zurücknehmen lassen.

Was sind die Bedenken der Datenschützer?

Grünen-Experte Wolfgang Wieland warnt: "Das Auslesen der Daten wird für Kriminelle zu einer interessanten Aktion." Der Chaos Computer Club wendet ein, Fingerabdrücke könne man etwa von einem Trinkglas einfach klauen. Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar warnt: "Das Problem ist, dass ich meine Fingerabdrücke nicht wechseln kann, wenn sie kompromittiert sind." Über den Verzicht einer verpflichtenden oder zentralen Speicherung von Fingerabdrücken im neuen Ausweis ist der Datenschützer freilich erleichtert.