Massenhafter Daten-Diebstahl Steckt Nordkorea hinter dem Angriff auf Sony?


Nachdem Hacker bei Sony Pictures sämtliche Rechner übernommen hatte, laden sie nun auch noch unveröffentlichte Kinofilme des Konzerns ins Netz. Eine Spur führt nach Nordkorea.
Von Malte Mansholt

Erst wenige Tage ist es her: Hacker übernahmen sämtliche Computer bei Sony Pictures, Sony musste alle Angestellten nach Hause schicken. Nichts ging mehr. Ziel der Hacker war wohl den Konzern zu erpressen, dazu stahlen sie jede Menge interner Dokumente - auch geheime. Am Wochenende ging Sonys Albtraum nun weiter: Die Hacker verbreiteten fünf Filme über das Internet, vier davon vor ihrem offiziellen Kinostart. Der Hintergrund der Täter ist noch unbekannt. Als Motiv ist die Forderung nach mehr Gleichberechtigung im Gespräch - und eine Racheaktion aus Nordkorea.

Die Hacker-Gruppe, die sich "Guardians of Peace" (GOP) nennen, haben die Filme am Wochenende in verschiedenen Tauschbörsen veröffentlicht. Neben dem in den USA bereits angelaufenen Zweiten-Weltkriegs-Drama "Fury" mit Brad Pitt handelt es sich vor allem um das Weihnachtsprogramm von Sony Pictures: Das Musical-Remake "Annie", die Künstler-Biographie "Mr. Turner" und das Alzheimer-Drama "Still Alice", die alle im Dezember starten sollten. Außerdem ist mit "To write love on her arms" ein Film aufgetaucht, der sogar erst im März 2015 in die Kinos kommen sollte. Die Veröffentlichung kam bei Raubkopierern gut an: "Fury", der in Deutschland als "Herz aus Stahl" im Januar in die Kinos kommen soll, ist bei der Torrent-Seite Piratebay unter den meistgeladenen Filmen der letzten Woche.

Spur nach Nordkorea

Welche Motive die Hacker haben ist bisher weitgehend unklar. Bereits letzte Woche berichtete "The Verge" mit einem Mitglied der Gruppe Kontakt zu haben. Die unter dem Pseudonym "lena" agierende angebliche Hackerin behauptete, die Gruppe kämpfe für Gleichberechtigung. Sony Pictures und sein "krimineller" Chef Michael Lynton stehe dem im Weg. Die Hackerin deutet außerdem an, mit Personen innerhalb des Konzerns zusammenzuarbeiten und so Zugang zu den Servern erlangt zu haben. "The Verge" wies aber bereits auf die Unsicherheit der Quelle hin: Das benutzte E-Mail-Konto benötige kein Passwort und könne daher von allen möglichen Personen genutzt werden.

Wie "re/code" mit Verweis auf Quellen im Konzern berichtet, scheint Sony selbst einen ganz anderen Verdacht zu verfolgen: Der Konzern sieht mögliche Zusammenhänge mit gegen ihn gerichtete Drohungen aus Nordkorea. Bereits im Sommer hatte die ostasiatische Diktatur den Konzern vor Konsequenzen gewarnt, sollte der seinen Film "The Interview" nicht einstampfen. In der Komödie mit Seth Rogen und James Franco wirbt der FBI zwei Journalisten an, um den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un umzubringen. Besonders die Darstellung des Autokraten als Zigarre-rauchenden Lebemann mit Faible für Katy Perry scheint auf wenig Gegenliebe zu treffen. In einer Beschwerde gegenüber den Vereinten Nationen bezeichnete der nordkoreanische UN-Botschafter Ja Song Nam den Film gar als Kriegshandlung. Die Quellen betonen, Nordkorea stehe zwar keineswegs als Angreifer fest, werde aber ebenso wenig ausgeschlossen.

Kommen weitere Filme?

In der bei der Attacke auf den Rechnern angezeigten Nachricht war die Rede davon, dass Sony bereits eine Warnung erhalten habe. Zudem verlangten die Hacker ihre Forderungen zu erfüllen, nannten aber keine - ein Indiz dafür, dass Sony sie bereits kannte. Sollte der Konzern also tatsächlich Nordkorea im Verdacht haben, liegt das möglicherweise daran, dass die Täterschaft aus den Forderungen ableitbar ist. Eine andere denkbare Interpretation ist, dass Sony die Forderungen selbst nicht kennt - und daher vermutet, es seien die nordkoreanischen Forderungen zu "The Interview" gemeint.

Ob sich irgendwann herausstellen wird, wer tatsächlich für den Angriff verantwortlich ist, bleibt abzuwarten. Solange muss Sony Pictures wohl mit weiteren Veröffentlichungen rechnen. Schließlich haben die Hacker jede Menge Material erbeuten können: Nach Schätzungen eines Nutzers bei Reddit dürften es fast 11.000 Gigabyte an Daten gewesen sein


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker