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Schwedische TV-Sendung "Trolljäger": Hausbesuch bei den schlimmsten Netzpöblern

Trolle meckern in Kommentaren und beleidigen auf Facebook. Doch was sind das für Menschen, die leidenschaftlich gern im Netz hetzen? Die schwedische TV-Sendung "Trolljäger" fand es heraus.

Von Christoph Fröhlich

Der Journalist Robert Aschberg in der schwedischen TV-Sendung "Trolljägarna"

Der Journalist Robert Aschberg in der schwedischen TV-Sendung "Trolljägarna"

Trolle sind eine Plage des Internets. In der Netzsprache meint man mit dem Begriff all jene Menschen, denen es nicht um eine sachliche Diskussion zum Thema geht. Sie wollen nur eins: Streit. Mit Begeisterung überschwemmen sie Kommentarspalten mit gehässigen Beiträgen. Sie manipulieren Fotos und freuen sich diebisch, wenn jemand auf ihr selbst gestiftetes Chaos herein fällt. Und natürlich wird immer gemotzt, geschimpft und gemeckert, was das Zeug hält - man ist ja schließlich anonym.

In einer Studie aus dem vergangenen Jahr behaupteten kanadische Forscher, dass Internet-Trolle verkappte Alltags-Sadisten sind. Sie seien getrieben von ihrer dunklen Seite und häufig antisozial eingestellt. Der Hang zum Sadismus sei umso stärker ausgebildet, je häufiger jemand im Netz Kommentare abgibt, so die Wissenschaftler. Das Verhalten der Trolle sei einzig und allein auf Zerstörung ausgerichtet.

Der Trolljäger

Liest man die meist anonymen Kommentare in Foren und Kommentaren, fragt man sich oft: Wie kann jemand so gemein, so abschätzig sein? Und was sind das für Menschen, die so etwas in ihre Tastaturen hämmern? Das wollte der schwedische Journalist Robert Aschberg herausfinden. Der 62-Jährige ist eines der bekanntesten TV-Gesichter Schwedens. Er hat bereits korrupte Politiker und Stalker überführt, schreibt das US-Magazin "Technology Review". Für die schwedische Reality-Sendung "Trolljägarna" ("Trolljäger") begab er sich nun auf Spurensuche im Internet und machte ein paar besonders schwere Fälle ausfindig. Die Sendung erhielt im vergangenen Jahr viel Aufmerksamkeit in Schweden.

In einer Szene der rund 40-minütigen Episoden steht Aschberg auf der Terrasse vor einem graubraunen Appartement in einem Vorort von Stockholm. Er ist auf dem Weg zu einem besonderen Härtefall: Über Monate beschimpfte der Troll eine Teenagerin, die mit einer missgebildeten Hand auf die Welt kam. Erst hinterließ er beleidigende Kommentare auf ihrer Instagram-Seite, dann bombardierte er sie mit herabsetzenden Facebook-Nachrichten. Schließlich schickte er selbst per E-Mail spöttische Bemerkungen.

"Dieser Mann ist ein notorischer Lügner"

Als Aschberg den vermeintlichen Troll ausfindig macht, stellt sich dieser als ruhiger, schlaksiger Mann um die 30 heraus. Er trägt einen Hoodie und eine schmutzige Baseballmütze. Aschberg konfrontiert den mutmaßlichen Troll mit seinen Facebook-Äußerungen, ein Kamera-Team filmt den Wortwechsel: "Bereuen Sie, was Sie getan haben?", fragt Aschberg, dabei reicht er dem Mann eine Seite voller beleidigender Facebook-Nachrichten. Der schüttelt seinen Kopf und streitet alles ab: "Ich habe das nicht geschrieben", sagt der dünne, müde wirkende Mann. "Ich habe nicht einmal ein Profil. Ich wurde gehackt."

Immer wieder leugnet er, die Sätze geschrieben zu haben. Nach einem zehnminütigen Hin und Her beendet Aschberg das Interview: "Ein Hinweis von jemandem, der sich schon lange mit solchen Fällen beschäftigt", sagt er resigniert. "Lass im Internet so ein Zeug lieber bleiben." Der Mann schüttelt daraufhin wieder den Kopf: "Aber ich habe doch gar nichts getan." Für Aschberg steht fest: "Dieser Mann ist ein notorischer Lügner", murmelt der Journalist später im Auto. In anderen Fällen hat Aschberg mehr Erfolg: Er kann die Täter überführen und diese geben ihr Fehlverhalten zu.

"Trolljäger" sorgt für gespaltene Meinungen

Aschberg geht es in "Trolljägarna" gar nicht darum, den Trollen eine Lektion zu erteilen. Stattdessen will er auf seiner Meinung nach große gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen: Cybermobbing und Hetze im Netz. Weltweit gibt es regelmäßig Shitstorms, die sich mal gegen Unternehmen, mal gegen Privatpersonen richten. Ihnen allen ist eines gemeinsam: Der Ton in den Kommentaren ist oft rau und verletzend.

In Schweden ist die Rechtslage anders als in Deutschland, denn dort sei das Recht auf freie Meinungsäußerung stärker gewichtet als das auf Persönlichkeitsschutz, erklärt der Rechtsprofessor Marten Schultz in der "Technology Review". Um das Bewusstsein dafür zu schärfen, was erlaubt sei und was nicht, erklärt Schultz in "Trolljäger" immer wieder die rechtlichen Hintergründe zu den jeweiligen Fällen.

Im Netz sorgt "Trolljäger" für gespaltene Meinungen. Zwar würden viele der Kommentatoren oft zu weit gehen, andererseits sei die Anonymität im Netz ein wichtiges Gut. Einige Internetaktivisten veröffentlichten deshalb sensible Informationen über die Fernseh-Trolljäger. So wurde etwa die private Anschrift der Eltern eines Mitarbeiters veröffentlicht. Aschberg lässt sich von so etwas aber nicht einschüchtern: An der zweiten Staffel wird bereits gearbeitet.

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