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Unsicher und nicht überprüfbar: Warum die US-Wahlmaschinen noch zum riesigen Problem werden könnten

Die Wahl wird manipuliert – davon ist Donald Trump überzeugt. Vor allem die zu leicht knackbaren Wahlmaschinen gelten als Einfalltor für Hacker. Doch die Hauptgefahr ist eine andere.

US Wahl 2016 Wahlmaschine Trump Clinton

Bei der US-Wahl stimmen nahezu alle Wahlbezirke mit Wahlmaschinen wie dieser ab - und keine ist vollständig sicher vor Hackern

"The election is rigged" – die Wahl wird manipuliert. Das schreien sich US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump und seine Anhänger immer wieder gegenseitig zu. Und natürlich gehen die vermeintlichen Unregelmäßigkeiten in ihrem Verständnis zu Gunsten der verhassten Konkurrentin Hillary Clinton. Doch was genau meinen Trump und seine Anhänger damit? Und könnten Hacker wirklich die Wahl beeinflussen?

Der Vorwurf, vom betrügerischen System benachteiligt zu werden, wird von Trump vermutlich vor allem genutzt, um seine Anhängerschaft um sich zu scharen. Seht her, wir kämpfen gegen das Establishment, soll er wohl heißen, aber wir haben bessere Chancen, obwohl die anderen betrügen. Auch die vermeintlich fehlende Unterstützung durch die Medien – vom konservativen Haus-und-Hof-Sender Fox News mal abgesehen – spielt eine Rolle. Und dann ist da natürlich die sehr reale Möglichkeit, Wahlmaschinen zu manipulieren.

Die Wahlmaschinen sind hackbar

"Für fast alle in den Vereinigten Staaten im Einsatz befindlichen Wahlcomputer sind bereits Sicherheitslücken bekannt, die meistens Software, manchmal aber auch Hardware oder beides betreffen", sagte Constanze Kurz vom Chaos Computer Club dem stern. In einem aktuellen Video führen Sicherheitsexperten etwa vor, wie sich eine Maschine des Herstellers Sequoia manipulieren lässt. Sie ist weiterhin in vielen Wahlbezirken im Einsatz. Da in den USA jede Menge unterschiedlicher Wahlmaschinen eingesetzt werden, die teilweise nicht durch Behörden reguliert sind, lässt sich allerdings kaum seriös einschätzen, wie groß die allgemeine Gefahr durch solche Manipulationen ist.

Das bezieht sich allerdings vor allem auf einzelne Maschinen. Um eine solche Menge an Geräten zu manipulieren, dass es einen Einfluss auf das Wahlergebnis eines Staates oder gar der gesamten USA hat, müsste eine sehr große Anzahl der Maschinen gehackt werden. Da die meisten nicht ans Internet angeschlossen sind, müsste das zudem vor Ort passieren, berichtet das Tech-Portal "The Verge". Wegen der dafür nötigen Manpower und dem großen Risiko aufzufliegen, ist es wohl eine eher unwahrscheinlichere Variante.

Angriff auf die Legitimität

Mehr Angriffsfläche bietet da das übergreifende System. "Eine Manipulation kann auch durch Sabotage erfolgen, nicht nur durch Ergebnisveränderung. Zudem sind die vernetzten Systeme, die Wahlergebnisse zusammenzählen und weiterleiten ein mögliches Angriffsziel", erklärt Constanze Kurz. Das Ziel dürfte dann sein, Unsicherheit über das Ergebnis zu erzeugen – und die Wahl im Chaos enden zu lassen.

Trotzdem steckt das größte Störungspotenzial bei den Wahlmaschinen – wenn auch aus anderem Grund. Denn während bei der Papierwahl immer der Wahlzettel für Nachzählungen zur Verfügung steht, ist das bei Wahlmaschinen nicht selbstverständlich. Einige Modelle nutzen zwar ein Mischmodell, bei dem etwa ein Zettel ausgedruckt wird. Viele der Geräte haben aber keinerlei Möglichkeit, die Eingaben später noch einmal zu prüfen. Der sogenannte "Paper Trail" fehlt. Und das wird spätestens dann zum Problem, wenn es wirklich zu Betrugsvorwürfen kommt. Angesichts des Getöses, das Trump schon vor der Wahl entfacht, würde es an ein Wunder grenzen, wenn der republikanische Kandidat im Falle einer Niederlage nicht von Betrug sprechen würde.

Der leichteste Hack kostet fast nichts

So dürfte es mit Abstand am einfachsten und auch am billigsten sein, einfach zu behaupten, die Wahlen wären gehackt worden – so wie es Trump die ganze Zeit schon tut. Selbst wenn es keine nennenswerten Manipulationen gibt, könnte alleine der Vorwurf das System ins Chaos stürzen. Schließlich ließen sich die Vorwürfe nicht zufriedenstellend widerlegen. Trumps Ankündigung, die Wahlen nur im Falle seines Sieges anzuerkennen und seine immer wieder wiederholte Behauptung des groß angelegten Betruges, hätten Hillary Clinton selbst im Falle eines klaren Sieges mächtig Ärger machen können. Und nach dem sieht es nach aktuellen Umfragen nicht wirklich aus.