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Digitalisierung Walmart wollte Jobs mit Robotern ersetzen – und wirft sie nun wieder aus den Läden

Digitalisierung: Walmart wollte Jobs mit Robotern ersetzen – und wirft sie nun wieder aus den Läden
© David J. Phillip/ / Picture Alliance
Mit einer voll automatisierten Kontrolle der Bestände wollte Walmart seine Läden effektiver machen und die Gewinne nach oben treiben. Doch am Ende zeigte sich: Mit Menschen geht es besser und sogar günstiger.

Die Angst ist groß: Knapp der Hälfte der Deutschen geht die Digitalisierung der Wirtschaft zu schnell. Vor allem die Sorge, den eigenen Job durch Automatisierung zu verlieren, ist groß. Das geht aber oft gar nicht so gut, wie die Firmen es sich vorstellen. Die US-Supermarktkette Walmart will nun Hunderte Roboter aus den eigenen Läden verbannen. Sie waren weder günstiger noch nützlicher als die Menschen, deren Jobs sie übernehmen sollten. 

Die Roboter der Firma Bossa Nova Robotics hatten eigentlich einen recht einfachen Verwendungszweck: Die etwa 1,80 Meter hohen Maschinen patroullierten durch die Gänge und scannten dabei die Regale. So sollte jederzeit schnell erkannt werden, wenn ein Produkt vergriffen war und nachgefüllt werden musste.

Roboter gegen leere Regale

Das ist wichtiger als es zunächst vielleicht klingt: In einem Interview mit "CNBC" hatte Walmart-Chef Doug McMillon vor zwei Wochen erklärt, wenn er eine einzige Sache bei Walmart ändern könnte, wünsche er sich konstant gut gefüllte Regale. Schließlich können die Kunden nur dann etwas kaufen, wenn es zu dem Zeitpunkt auch vorrätig ist.

Auf Roboter scheint man sich dazu aber nicht verlassen zu können. Man habe durch die Roboter zwar eine Verbesserung in Bezug auf den Umsatz und andere Maßstäbe gesehen, die sei aber nicht groß genug gewesen, soll das Unternehmen dem Roboter-Hersteller laut dem "Wall Street Journal" mitgeteilt haben. 

Walmart schickt die Roboter nach Hause

Stattdessen will sich der Supermarkt-Gigant wieder auf Menschen verlassen, um die Regale gut gefüllt zu sehen. Dabei setzt man aber auf neue Konzepte: Da durch Covid die Bestellungen aus den Läden in die Höhe gegangen seien, müssten auch mehr Mitarbeiter die Ladengassen durchqueren, um die bestellten Waren einzusammeln. Dabei seien auch die Warenbestandsprobleme noch einmal mehr aufgefallen. Man prüfe nun Methoden, wie diese Mitarbeiter gleichzeitig auch die Warenbestände im Auge haben könnten, erklärte der Konzern.

Die eigentlichen Pläne waren durchaus ambitioniert. Mehr als 1000 der 4700 Standorte in den USA sollten mit den Robotern ausgestattet werden, erklärte der Konzern noch im Januar. Bisher wurden die Pläne in 500 der Läden umgesetzt, die Roboter werden mit Ablauf des Vertrages die Geschäfte wieder verlassen. 

Grundsätzlich bleiben die Automatisierungs-Pläne aber durchaus auf dem Tisch. "Wir haben viel darüber gelernt, wie Technologie den Mitarbeitern helfen und ihre Arbeit leichter machen kann und dabei auch die Kundenerfahrung verbessert", sagte eine Sprecherin dem "WSJ": Man werde weiter daran arbeiten, wie man diese Erfahrung am besten umsetzen könnte. Roboter, die in den Läden selbstständig die Gänge wischen, sollen etwa weiter ihre Arbeit verrichten.

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Der menschliche Faktor

Der Konzern hatte sich Mühe gegeben, die Automatisierung der Bestandsaufnahme als Erleichterung der menschlichen Jobs zu verkaufen. Die Roboter seien eher eine Art Helferlein, erklärte Walmart im Januar, zog einen Vergleich zum knuffigen "Star Wars"-Fanliebling R2-D2. Tatsächlich hatte eine Studie zur Nutzung von künstlicher Intelligenz in Firmen gerade gezeigt, dass die Nützlichkeit der Technologie erheblich höher ist, wenn sie zur Optimierung und Unterstützung der menschlichen Arbeit genutzt wird, statt sie ganz zu ersetzen.

Dabei dürfte auch der psychologische Aspekt eine Rolle spielen. Walmarts US-Chef habe etwa Bedenken gehabt, dass der Einsatz von Robotern in den Geschäften die Kunden verunsichern könnte. Das berichteten Insider dem "Wall Street Journal". Schließlich wirken Firmen nicht gerade sympathisch, wenn sie den netten Verkäufer aus Kostengründen durch eine Maschine ersetzen.

In einem Fall hat Walmarts Feldversuch allerdings tatsächlich eine Menge Menschen den Job gekostet - allerdings in eine andere Richtung als man erwarten würde. Nach dem Ende des Vertrages mit Bossa Nova Robotics musste der Roboter-Hersteller die Hälfte seiner Mitarbeiter entlassen. Das aus einem Uni-Labor gegründete Start-up kündigte Ende September an, 61 Personen nicht weiter beschäftigen zu können.

Quellen: Wall Street Journal, CNBC, Post Gazette, Michigan Institute of Technology


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