HOME
Kommentar

Wannacry-Trojaner: Beim nächsten Hackerangriff kommen wir nicht mit dem Schrecken davon

Der Erpressungstrojaner Wannacry wütete am Wochenende auf der ganzen Welt. Hunderttausende Rechner wurden gesperrt, etwa in Krankenhäusern und Regierungsgebäuden. Am Ende gab es keine größeren Schäden - beim nächsten Mal läuft es womöglich nicht so glimpflich ab. 

Ein Kommentar von Christoph Fröhlich

Es war ein bislang beispielloser Angriff: Der Wannacry-Trojaner infizierte am Freitag innerhalb weniger Stunden Hunderttausende Rechner auf der ganzen Welt. Betroffen waren nicht nur Privatpersonen, sondern auch zahlreiche bekannte Unternehmen - in Spanien etwa der Telekommunikationskonzern Telefónica und der Energiekonzern Iberdrola, das russische Innenministerium oder in den USA der Versanddienstleister FedEx.

Der Vorfall verdeutlicht einmal mehr, wie verwundbar unsere digitale Gesellschaft längst ist. Schon ein paar Online-Gangster reichen, um weite Teile unseres Alltags lahmzulegen. Bei der Deutschen Bahn war der Schaden noch überschaubar, es fielen lediglich ein paar Anzeigetafeln aus. In einigen britischen Krankenhäusern wurde es dagegen brenzlig: Weil die Rechner gesperrt waren, mussten mehrere Krebs- und Herzpatienten wieder nach Hause geschickt werden. Schlimmeres passierte zum Glück nicht, dank des beherzten Eingreifens eines 22-Jährigen. Doch bei der nächsten Attacke kommen wir womöglich nicht so glimpflich davon.

Wenn der Kühlschrank zur Waffe wird

Das Fatale: Die Schwachstelle war seit Monaten bekannt, die entsprechenden Sicherheitsupdates standen zum Download bereit. Aber leider laufen immer noch Millionen Systeme - ob aus Unwissenheit oder Schludrigkeit - auf Uralt-Betriebssystemen, sei es der Fahrkartenautomat der Bahn oder der Kontoauszugdrucker der örtlichen Bank. Im Jahr 2017 sind das tickende Zeitbomben.

Und Besserung ist nicht in Sicht: Mit jeder Wlan-Kamera, jedem Festplatten-Rekorder und jedem Smart TV wird das "Internet der Dinge" größer, und damit auch der mögliche Schaden. Denn ein mit dem Internet verbundener Kühlschrank kann nicht nur eigenständig neue Milch ordern, sondern auch zur Waffe umfunktioniert werden. Bei vielen günstigen Geräten gibt es eklatante Sicherheitsmängel. Häufig können nicht einmal die Standardpasswörter geändert werden.

Der Sicherheitsexperte Jeff Jarmoc schrieb vor einigen Monaten: "In einer relativ kurzen Zeit haben wir es geschafft, ein System zu bauen, das resistent gegen Atombomben ist, aber anfällig für einen Toaster."

Wir sind alle gefordert

Diesmal traf es veraltete Windows-Rechner, nächstes Mal sind womöglich Android-Smartphones oder das iPhone dran. Deshalb sind wir alle gefordert. Regierungen müssen dem Thema Sicherheit mehr Beachtung schenken und Unternehmen in die Pflicht nehmen, zügig bekannte Sicherheitslücken zu stopfen. Die Firmen wiederum müssen es den Kunden so leicht wie möglich machen, ihre Geräte auf den neuesten Stand zu halten, auch wenn das teuer und aufwendig ist. Und jeder Kunde muss verstehen, dass die vernetzten Geräte nicht nur Bequemlichkeit bringen, sondern auch Risiken bergen - und sich entsprechend dagegen absichern.