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Kritik an Xi Jinping: Warum China den Buchstaben "N" im Internet blockiert hat

Um Kritik an Staatschef Xi Jinping zu verhindern, war der Buchstabe "N" in China zeitweise blockiert. Ob die Zensur absichtlich passierte oder ein Versehen war, ist unklar.

Links im Bild: Xi Jinping, rechts im Bild: Eine Lupe sucht die Internetseite Weibo ab

Xi Jinping bekämpft Kritik im Internet mit knallharter Zensur

Dass das Internet in der Volksrepublik China einer strengen Kontrolle unterliegt, ist nichts Neues. Seit Jahren greift die chinesische Regierung in die Online-Aktivitäten ihrer Bürger ein. So auch aktuell: Chinas Präsident Xi Jinping, der sich aktuell in seiner zweiten Amtszeit befindet, will mit einer umstrittenen Verfassungsänderung dafür sorgen, dass er lebenslang regieren kann.

Nach aktueller Verfassung hätte er nur zwei Amtszeiten von jeweils fünf Jahren im Amt bleiben können. Die angestrebte Verfassungsänderung sorgt für viel Unmut, zahlreiche Bürger machten ihrem Ärger in den sozialen Medien Luft. Die Regierung reagiert mit knallharter Zensur.

Kritik an Xi Jinping? Ein Fall für die Zensurbehörde

Insbesondere auf dem Dienst Weibo, der Twitter sehr ähnlich ist, äußern viele Chinesen Kritik an der Staatspartei und Xi Jinping. Beziehungsweise: Sie versuchen es. Die Regierung zensiert seit Jahren nicht nur Begriffe, sondern auch ganze Sätze und nun, so berichtet es die China Digital Times, sogar den Buchstaben "N".

Was skurril klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Auf der umfangreichen Liste des Zensursystems stehen unter anderem Wörter wie "Unsterblichkeit" (长生不老), "Xi Zedong" (习泽东) – eine Zusammensetzung aus Xi Jinping und Mao Zedong, "lebenslang" (终身) oder der Titel von George Orwells Dystopie "Animal Farm" (动物庄园). Alles Wörter, die auf Weibo für Kritik am aktuellen Präsidenten genutzt werden – beziehungsweise wurden.

Und sogar der Name "Winnie Pooh" (小熊维尼) ist verboten. Häufig wurden nämlich Bilder des gelben Zeichentrick-Bären genutzt, um Xi Jinping zu verspotten.

Warum der Buchstabe "N"?

Im Gegensatz zu einem A, das umkreist als Anarchie-Symbol genutzt wird, ist an einem N eigentlich so erst einmal nichts Subversives zu finden. Gerade deshalb rätseln verschiedene Experten nun, warum ausgerechnet das N mehrere Tage aus dem chinesischen Internet verbannt wurde. Diese zwei Erklärungen gibt es:

1. Im "Zensur-Wahn" ist ein Fehler passiert. Der Buchstabe ist fälschlicherweise blockiert worden.

2. China-Experte Victor Mair vermutet im "Guardian", dass Mathematik im Spiel ist. N könnte für die Menge der natürlichen Zahlen stehen. "N Legislaturperioden" oder "N Jahre". Das N könnte dann mit Jahreszahlen ersetzt werden.

Seit dem 26. Februar ist der Buchstabe wieder erlaubt. Welche Wörter und Sätze in China aktuell noch blockiert sind, erfahren Sie hier.

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hh