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Computerspiele zu Weihnachten: Tipps für Eltern beim Kauf von Games

Zu Weihnachten stehen jede Menge Computerspiele auf den Wunschzetteln. Viele Eltern wissen nichts über das Thema. stern.de gibt Tipps.

Von Ron Faber und Manfred Schwarz

Was und wie viel die lieben Kleinen spielen sollten, müssen die Eltern kenntnisreich entscheiden

Was und wie viel die lieben Kleinen spielen sollten, müssen die Eltern kenntnisreich entscheiden

Computer- und Videospiele werden von Eltern argwöhnisch beobachtet, seit sie Ende der 1980er-Jahre populär wurden. Aber spätestens nach den tragischen Ereignissen in Erfurt und Winnenden hat sich diese Kritik drastisch verschärft: Die Gewaltdarstellungen in "Killerspielen" - so der häufigste Vorwurf - machen Spieler aggressiv und lassen das Mitgefühl verkümmern. Durch den Fakt, dass Jugendliche heute mehr Geld für Games ausgeben als für Filme und Musik, wurde die ganze Sache für viele ältere Menschen noch beunruhigender.

Was ist das für ein Medium, das offenbar eine ganze Generation Jugendlicher in mitleidslose Ego-Shooter verwandelt? Medien und Politik griffen dieses Unbehagen auf und fokussierten sich in Folge auf Computerspiele als primären Auslöser für die Amokläufe. Hinzu kamen Vorwürfe, Computerspiele würden Spieler in einer irrealen Welt gefangen halten und vereinsamen lassen, bis hin zum Verlust von Familie und Beruf bzw. Schulabbruch.

Streitfall Computerspielesucht

Kann man nach Computer- und Videospielen süchtig werden? Nach Meinung vieler Eltern und Medien schon, der Begriff Computerspielsucht hat sich in den letzten Jahren etabliert und ist weithin akzeptiert - nur nicht in der Wissenschaft. Verhaltenssüchte (und dazu müsste auch die Computerspielsucht gehören) sind kein eigenständiges Störungsbild und dementsprechend auch kein eigenes Forschungsfeld. Studien und Analysen können nicht verglichen werden, deshalb ist es heute noch unklar, was eine Computerspielsucht ausmacht und wie viele Menschen betroffen sind. Aber Definition hin oder her: Gewisse suchtähnliche Erscheinungen sind belegt, auch wenn sie nicht immer mit Herzversagen nach Spiele-Exzessen einhergehen. Viele Eltern sind ohnehin beunruhigt, wenn es um elektronische Unterhaltungsmedien geht und werden von Berichten über spektakuläre Suchtfälle zusätzlich schockiert.

Doch unabhängig ihres schlechten Leumunds sind Computerspiele inzwischen fester Bestandteil der Populärkultur und aus der Lebenswirklichkeit von Kindern, Jugendlichen - und vieler Erwachsener - nicht mehr wegzudenken. Um so wichtiger ist es, dem Thema nicht völlig uninformiert zu begegnen. Hier kommen ein paar Tips für Eltern für den Umgang mit Computerspielen.

Wann ist es zuviel?

Meist suchen Eltern Hilfe, wenn der Computer ins Lebenszentrum ihres Kindes rückt und andere Bereiche vernachlässigt werden. Im Gegensatz dazu verspüren die betroffenen Spieler meist keinen Leidensdruck im Zusammenhang mit Computer- und Videospielen. Dabei ist zu bedenken, dass gerade Kinder und Jugendliche oftmals Dinge exzessiv betreiben, ohne als süchtig eingestuft werden zu müssen. Hier zeigt sich ein Misstrauen der Eltern gegenüber dem neuen Medium, das zum Beispiel bei umfangreichem Fernseh- oder Bücher-Konsum fehlt. Nicht alles, was für das Umfeld des Spielers nach Computerspielesucht aussieht, ist auch wirklich eine behandlungsbedürftige Suchtstörung.

Kritisch wird es nach Ansicht von Experten erst, wenn das Spielen nicht mehr zum Spaß betrieben wird, sondern bewusst funktionalisiert wird, um ein positives Gefühl herbeizuführen. Das Gehirn gewöhnt sich an Belohnung, was schnell in einen Teufelskreis münden kann. Ein Beispiel: Ein Jugendlicher hat Schwierigkeiten in der Schule. Die Leistungen entsprechen nicht den Erwartungen der Eltern, und auch mit Mitschülern gibt es Probleme. Aber bei den Freunden im Onlinerollenspiel findet er Anerkennung, gemeinsam werden Abenteuer bestanden, und für seine Taten erhält er zusätzliche Belohnungen in Form von Level-Aufstiegen, die wiederum das Selbstwertgefühl stärken.

Die viele Zeit, die in der Spielewelt zugebracht wird, wirkt sich aber negativ auf die schulischen Leistungen und den Kontakt zu realen Freunden aus. Die Situation in der realen Welt wird immer bedrohlicher und unbeherrschbarer, deshalb steigt der Wunsch nach Bestätigung in der klar geregelten virtuellen Welt. Die Ursachen des Problem bleiben dabei unangetastet und können sich auftürmen, bis sie unüberwindbar erscheinen. Wer aus einem Defizit heraus in eine virtuelle Welt einsteigt, in der er etwas bewirken kann, kann schnell abhängig nach den Belohnungen im Gehirn werden.

Was können Eltern tun?

Wenn Eltern schockiert sind von Gewaltdarstellungen in Computerspielen oder eine Computerspielsucht befürchten, ist die erste Maßnahme: Ruhe bewahren. Eltern sollten sich an ihre eigene Jugend erinnern und daran, wie wichtig ihnen selbst damals die Abgrenzung von den Erwachsenen war und wie viel Zeit sie mit "unnützen" Aktivitäten verschwendet haben. Das heißt nicht, dass Eltern bei der Entwicklung ihrer Kinder nur untätig zusehen müssen. Aber im Bereich der Computer- und Videospiele fehlt Eltern oftmals die Kompetenz und damit auch die Autorität, die nötig ist, um von Kindern und Jugendlichen als Gesprächspartner ernst genommen zu werden.

Auf die naheliegendste Lösung kommen dabei die wenigsten: Eltern müssen selber ran an den Controller beziehungsweise die Tastatur. So wie Väter und Mütter ganz selbstverständlich den Fernsehkonsum ihrer Kinder steuern, müssen sie sich heute auch mit Computerspielen auseinandersetzen. Dabei geht es um leicht zu erlernende Grundfähigkeiten und nicht darum, den Highscore zu knacken. Schon das Wissen um unterschiedliche Genres erleichtert die Einschätzung, ob ein Spiel für Kinder und Jugendliche angemessen ist oder nicht.

Die Altersangaben der USK sind deutlich auf den Packungen angebracht

Die Altersangaben der USK sind deutlich auf den Packungen angebracht

Auf die USK-Altersangaben achten

Bei vielen Omas, Opas und anderen Verwandten hat sich noch nicht die Erkenntnis durchgesetzt, dass es Spiele gibt, die sich ausschließlich an Erwachsene richten. Deshalb werden Spielewünsche oftmals unbesehen erfüllt, auch wenn die Alterskennzeichnung eindeutig dagegen spricht. Die Freigaben der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) sind aber verpflichtende Alterseinstufungen nach dem Jugendschutzgesetz und deutlich sichtbar auf allen Spieleverpackungen angebracht. Kinder dürfen nur mit Medieninhalten konfrontiert werden, die auch ihrer Altersstufe angemessen sind.

Eltern müssen dies sicherstellen. Man sollte daher alle Familienmitglieder bitten, auf die Einhaltung zu achten. Das betrifft insbesondere auch ältere Geschwister, die ansonsten vielleicht ihre Games in der Playstation vergessen oder sich vom kleinen Bruder breitschlagen lassen. Das Interesse von Kindern und Jugendlichen an Spielen für Erwachsene ist nicht zu unterschätzen: Ein umfangreiche Sammlung indizierter Raubkopien trägt erheblich zur Reputation auf dem Schulhof bei. Das Tauschen illegaler Programmkopien ist daher einer der wichtigsten Wege, auf dem unangemessene Spiele in das Kinderzimmer gelangen. Über einen PC mit Internetanschluss können zudem aus den großen File-Sharing-Netzwerken unzählige weitere Raubkopien heruntergeladen werden. Im schlimmsten Fall zieht dies auch noch Schadensersatzforderungen der Rechteinhaber nach sich.

Darüber hinaus gibt es noch etliche weitere Tricks, elterliche Spieleeinschränkungen zu umgehen: So kann man sich zum Beispiel Demoversionen von USK-16- und USK-18-Spielen auf die Playstation 3 laden, wenn man sich einfach ein zusätzliches, kostenloses Benutzerkonto für den amerikanischen Playstation Store anlegt. Bei der Xbox 360 lassen sich Spiele aus der Xbox Live Arcade herunterladen. In den Einstellungen der Konsole kann zwar festlegt werden, für welche Spiele und Altereinstellung der Download erlaubt ist - nur verfügen Spiele aus dem Internet in der Regel nicht über Alterskennzeichnungen.

Andere Bezugswege sind zum Beispiel ausländische Versandhändler (häufig in Österreich), die auch in Deutschland indizierte Titel ohne Altersprüfung versenden. Für die Bezahlung sind weder Bankkonto noch Kreditkarte erforderlich, es werden einfach Prepaid-Bezahlkarten genutzt, die in Deutschland an vielen Tankstellen und Kiosken erhältlich sind.

Gefahren erkennen

Die Wissenschaftler tun sich, wie gesagt, schwer damit, eine genaue Definition von Computerspielsucht zu finden. Deshalb können hier auch leider keine spezifischen Warnhinweise vorgestellt werden. In Analogie zu Merkmalen des krankhaften Glücksspielens können aber die folgenden sechs Faktoren einen ersten Anhaltspunkt liefern. Treffen drei zu, spricht man von einem süchtigen Spielverhalten:

  • Kontrollverlust über das exzessiv ausgeführte Verhalten
  • unwiderstehliches Verlangen, das Verhalten ausüben zu wollen/müssen
  • Toleranzentwicklung (das Verhalten wird länger, häufiger und intensiver durchgeführt, um den gewünschten Effekt zu erhalten)
  • gedankliche Beschäftigung mit Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des exzessiven Verhaltens
  • Entzugserscheinungen (psychischer und physischer Art)
  • Vernachlässigung beruflicher (schulischer) und privater Verpflichtungen

Rat und Tat

In Deutschland entwickelt sich seit einiger Zeit ein Behandlungsangebot für Computerspielsucht. So wurde im März 2008 die erste Ambulanz für Spielsucht an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eröffnet. Angeboten wird eine auf Verhaltenstherapie basierende Intervention für Computerspiel-Süchtige. Die 2002 gegründete, nicht gewinnorientierte Organisation Online Gamers Anonymous ist eine Selbsthilfe-, Unterstützungs- und Rekonvaleszenz-Organisation für Spieler und ihre Angehörigen, die unter den Auswirkungen exzessiven Computerspielens leiden. Online Gamers Anonymous stellt eine Anzahl von Message Boards, mehrere Online Meetings und andere Mittel zur Unterstützung bereit.

Sich über altersgerechte Software informieren

Eltern wird von allen Seiten empfohlen, nur altersgerechte Software für Kinder zu kaufen - aber woher soll man wissen, was nicht nur altersgerecht, sondern auch noch gut ist? Auf Seiten wie Spielbar.de kann man sich zum Beispiel regelmäßig auf dem Laufenden halten. Eine sehr gute Informationsquelle ist darüber hinaus die Broschüre "Spiel- und Lernsoftware pädagogisch beurteilt" des ComputerProjekts, in der einige Titel vorgestellt werden, die nicht nur gut für Kinder und Jugendliche geeignet sind, sondern auch noch richtig Spaß machen. Die Broschüre kann beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kostenlos heruntergeladen werden.

Noch einmal in Kürze: Tipps für Väter und Mütter

Zum Abschluss noch einige Tipps für den Umgang mit computerspielenden Kindern. Väter und Mütter sollten:

  • sich informieren über Genres und aktuelle Games, zum Beispiel in Computerzeitschriften, auf Websites wie Spielbar.de oder auf Veranstaltungen wie Eltern-LAN, wo Erwachsene Spiele erklärt bekommen und ausprobieren können.
  • mit dem Kind sprechen und fragen, welche Spiele "in" sind, wie es sich beim Spielen fühlt usw.
  • mitspielen und dabei vielleicht entdecken, dass es Spaß macht
  • gemeinsam mit dem Kind feste Regeln und Zeiten für den Medienkonsum aufstellen
  • nach empfehlenswerten Spielen suchen und diese dem Kind aktiv anbieten
  • Verantwortung zeigen und selber keine Raubkopien benutzen
  • alternative Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung anbieten und den Computer /die Konsole nicht als Babysitter nutzen
  • sich mit anderem Eltern über das Thema austauschen und so Kompetenzen stärken
  • Spiele nicht als Erziehungsmaßnahme nutzen. Belohnungen oder Bestrafungen mittels Computerspielen geben dem Thema zuviel Gewicht
  • unbedingt auf die Altersangaben der USK achten
Kindesunterhalt für volljähriges Kind ohne Zielstrebigkeit
Mein Kind ist 19 Jahre alt und lebt im Haushalt der Mutter. Es hat im Juli 2017 seine Schule nach der 10. Klasse dann mit Hauptschulabschluss verlassen. Danach wollte es auf einer Berfsfachschule Einzelhandel seinen Realschulabschluss nachholen (2 Jahre). Es besuchte die Schule im ersten Halbjahr nicht wirklich regelmäßig und im zweiten Halbjahr dann so gut wie gar nicht mehr. (zum Ende hin, ist es gar nicht mehr zur Schule gegangen) Das notwendige zweite Jahr ging es dann gar nicht mehr an. Stattdessen hat es sich für ein freiwilliges Soziales Jahr beworben und geht hier mehr oder weniger regelmäßig hin. Nun möchte es das FSJ abbrechen und wieder seinen Realschulabschluss nachholen. Dies soll in Vollzeit an der Volkshochschule geschehen. Zwischendurch ist immer wieder die Rede von verschiedenen Ausbildungen. Ein wirkliches Konzept, oder Interesse ist aber auch hier nicht erkennbar. Mal kommt es mit dem Berufswunsch Tierarzthelfer/In, mal mit Immobilienkaufmann/-Frau, oder Ähnlichem. Informationen über freie Stellen, oder Inhalte des Berufs und der Ausbildung können nicht genannt werden. Bei laufenden Bewerbungen am Ball zu bleiben liegt ihm auch nicht wirklich. Hab die Bewerbung ja hingeschickt, damit soll es dann auch gut sein. Langsam drängt sich mir der Verdacht auf, es sucht sich den bequemsten Weg heraus und verlässt sich auf meine nicht unerheblichen Unterhaltszahlungen. Frei nach dem Motto: Was soll ich mich kümmern, Väterchen muss ja zahlen, solange ich Schule oder Ausbildung mache. Um meinem Kind Anreize zu geben, endlich Zielstrebigkeit zu entwickeln, habe ich schon über die Kürzung bzw. Einstellung des Unterhals nachgedacht. Wie verhält sich das rechtlich, bzw. was kann ich tun?