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Große Änderung: Apple krempelt den App Store um - und setzt auf Abos und Werbung

Seit Apple vor acht Jahren auf dem iPhone den App Store einführte, hat der sich wenig verändert. Jetzt hat Apple massive Umbauten geplant. Diese könnten die Art, wie wir Apps nutzen, nachhaltig verändern.

App Store Apple iPhone

Der App Store des iPhones hat sich seit der Vorstellung 2008 kaum verändert.

Apps gehören für die meisten selbstverständlich zum Smartphone. Dass das erste iPhone noch ein ganzes Jahr ohne einen App Store ausgekommen ist, können sich die meisten nicht mehr vorstellen. Erst mit dem iPhone 3G kamen auch Apps von Drittanbietern auf Apples Smartphones, vorher gab's nur Apples eigene Programme. Jetzt steht die wohl größte Veränderung an, seit Steve Jobs 2008 das erste Mal den App Store präsentierte.

In einem langen Interview mit dem Tech-Portal "The Verge" packte der für den App Store zuständige Apple-Chef Phil Schiller aus. Statt Apps immer zu kaufen oder gar kostenlos zu nutzen, sollen die Nutzer die Smartphone-Programme in Zukunft im Abo bezahlen können. Bisher durften nur Apps aus ausgewählten Bereichen ihren Nutzern Abos verkaufen, etwa Musik- oder Videostraemingdienste wie Netflix und Spotify, aber auch Cloud-Angebote wie Dropbox. Jetzt sollen alle Apps im Abo buchbar sein - wenn der Entwickler das möchte.iPhone SE Test 17.00

Abo statt In-App-Kauf

Aus Sicht von Apple hat das vor allem einen wichtigen Vorteil: Bislang verdienten Entwickler nur mit dem ursprünglichen Verkauf Geld oder boten einzelne Features per In-App-Kauf an. Jetzt können die Entwickler an Kunden, die ihre Apps länger nutzen, auch mehr verdienen - wenn sie es schaffen, sie an sich zu binden. Und da sieht Schiller auch den Vorteil der Kunden: Um die Kunden auch auf Dauer zu überzeugen, müssen die Entwickler ihre Apps länger pflegen und immer wieder neue Features nachlegen.

Damit die Entwickler dazu auch einen Anreiz haben, senkt Apple den Anteil, den der Konzern von den Anbietern abzwackt. Bisher waren das stets 30 Prozent des Umsatzes, ob bei App-Kauf, In-App-Verkäufen oder Abos. Jetzt sinkt der Anteil bei Abos auf 15 Prozent - aber erst nach einem Jahr. Wer seine Kunden also lange bei der Stange hält, verdient auf Dauer sogar mehr Geld an ihnen.

Mieten statt kaufen

Natürlich wird ein solches Bezahlmodell Folgen haben, wenn viele Anbieter darauf umschenken. Die mit Abstand umsatzstärksten Apps sind nach Angaben des Branche-Dienstes "App Annie" Spiele: 75 Prozent der weltweiten App-Einnahmen von iOS stammten im April 2016 aus Games. Statt sich auf In-App-Verkäufe zu verlassen, könnten "Angry Birds" und Co. in Zukunft vermehrt auf Abos setzen.

Für die Kunden kann das auf Dauer teuer kommen. Wenn man für jedes Spiel oder jede Foto-App ein Abo abschließt, um sie nutzen zu können, kommen schnell höhere Summen zusammen als der frühere, einmalige Kaufpreis. Zudem muss man natürlich auch daran denken, wieder zu kündigen. Apple will zwar einen Weg gefunden haben, Abos möglichst übersichtlich darzustellen, daran denken müssen die Nutzer aber immer noch selbst.


Kommt die iPhone-Kostenfalle?

Immerhin: Die Entwickler können nicht die Kunden abzocken, indem sie heimlich die Abo-Gebühren erhöhen. Dann soll nach Angaben Schillers nämlich eine Meldung beim Kunden aufpoppen, damit der Kunde das Abo ohne Aufwand beenden kann. Unternimmt man nichts, läuft das Abo ebenfalls aus. Kostenfallen soll es so nicht geben.

Viele Entwickler begrüßen den Schritt laut "The Verge". Sie sehen frischen Wind in einem ansonsten weitgehend sterbenden Markt. Ob die Abos aber das grundlegende Problem der Entwickler beheben können, ist allerdings offen. Das liegt nämlich darin, dass das allermeiste Geld bei wenigen großen Firmen landet, die mit erfolgreichen Apps immer weiter Kohle scheffeln. Die vielen Tausend kleinen Entwickler laufen dagegen unter der Wahrnehmungsschwelle - und machen oft sogar Verluste.

iOS bekommt Werbung eingebaut

Eine Lösung wäre eine verbesserte Suche der Apps. Die könnte allerdings in Zukunft die Waage noch weiter in Richtung der Großen kippen lassen. Denn Apple hat vor, in Zukunft Werbung für Apps schalten zu lassen - über den Suchergebnissen. Die Werbung soll immer nur eine App zeigen, die auch mit der Suchanfrage zu tun hat und für den Nutzer als solche erkennbar sein. Freuen werden sich die Nutzer wohl trotzdem nicht.

Vielleicht hat Apple aber ja noch weitere Änderungen geplant. Der neue App Store kommt wohl erst mit iOS 10, über das bis jetzt wenig bekannt ist. Es erscheint im Herbst, vermutlich zeitgleich mit dem kommenden iPhone 7. Eine erste Preview dürfte Apple ab Montag zeigen: Dann findet die Entwicklerkonferenz WWDC statt, die Apple immer mit einer Präsentation beginnt. Wir berichten dann hier auf stern.de live über die neuesten Ankündigungen.

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