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iPad Pro 9.7 im Test: Ist das neue iPad wirklich besser als ein PC?

Apple macht's eine Runde kleiner: Neben dem iPhone SE hat Apple auch ein kleineres iPad Pro auf den Markt gebracht. Es hat ein neuartiges Display und jede Menge Rechenpower. Doch ist es wirklich so vielseitig wie ein PC? Wir haben das Tablet getestet.

Das iPad Pro eignet sich perfekt zum Lesen von eMags

Das iPad Pro eignet sich perfekt zum Lesen von eMags

Vom Shooting-Star zum Sorgenkind: Um Apples iPad-Sparte war es in letzter Zeit nicht sonderlich gut bestellt. Nach dem Hype in den ersten Jahren flachte das Interesse bei den Kunden spürbar ab. Kein Wunder: Die meisten Tablets können nichts, was das Smartphone nicht kann, nur der Bildschirm ist größer. Und für viele Alltagsaufgaben - Surfen, Facebook, E-Mails checken - reicht auch ein drei, vier Jahre altes Gerät. Dem sind sich auch Apple, Samsung und Microsoft bewusst. Mit neuen Profi-Tablets versuchen sie nun, den PC zu beerben und neue Zielgruppen zu erschließen. Samsung setzt auf das TabPro S, Microsoft auf die Surface-Reihe, Apple nahm vergangenen November das Pro ins Portfolio auf.

Um für frischen Wind zu sorgen, hat Apple sein Frühjahrs-Lineup nun zurechtgestutzt. Vergangene Woche kam nicht nur das kleine iPhone SE (hier unser Test) auf den Markt, sondern auch ein kleineres iPad Pro. Das neue Profi-Tablet misst 9,7 Zoll, damit ist es in puncto Display-Größe wieder beim Ur-iPad angekommen. Doch was kann das neue iPad Pro? Was unterscheidet es vom großen Bruder (iPad Pro 12.9) und dem Vorgänger iPad Air 2 - und ist es wirklich der PC-Ersatz, als den es  Apple-Chef Tim Cook anpreist? Unser Test verrät's.

Die Antennenstreifen sind beim neuen iPad Pro deutlich dezenter

Die Antennenstreifen sind beim neuen iPad Pro deutlich dezenter

Optik: Zwilling des iPad Air 2

Nanu, das kennen wir doch? Blickt man frontal auf das neue iPad Pro, glaubt man, das anderthalb Jahre alte iPad Air 2 in den Händen zu halten. Auch die Abmessungen und das Gewicht sind identisch. Erst wenn man das Tablet umdreht, erkennt man Unterschiede: So ragt die Kamera jetzt wie beim iPhone 6s aus dem Gehäuse heraus. Das ist nicht besonders schick, bringt das iPad beim Auflegen aber auch nicht zum Kippeln. Dafür hat Apple die Antennen des LTE-Modems wesentlich eleganter in die Rückseite integriert. Statt des dicken Plastikstreifens gibt es nun einen schmalen, unauffälligen Steg. An den Rändern hat das iPad Pro vier statt nur zwei Lautsprecher - dazu später mehr.

Am seitlichen Bildschirmrand gibt es zudem den neuen Smart Connector, über den man Tastaturen anschließen kann. Dadurch wird das umständliche Koppeln via Bluetooth überflüssig, außerdem wird das "Smart Keyboard" direkt mit Strom versorgt. Bislang gibt es die Tastatur noch nicht im deutschen Tasten-Layout, hier wird man bei anderen Herstellern fündig. Die Verarbeitungsqualität ist auf dem hohen Niveau, das man von Apple gewohnt ist. Spaltmaße oder andere Mängel sind nicht zu erkennen.

An das iPad Pro kann man bequem eine Tastatur andocken

An das iPad Pro kann man bequem eine Tastatur andocken

Display: Hell und mehr Farben

Das Herzstück des Tablets ist das Display. Es misst wie eingangs erwähnt 9,7 Zoll (24,64 cm, 4:3-Format) und löst mit 2048 x 1536 Pixeln auf. Zwar gibt es mittlerweile schärfere Tablets, doch der Bildschirm spielt immer noch in der ersten Liga. Einzelne Pixel muss man mit der Lupe suchen, die Farben sind satt und der Bildschirm ist ziemlich hell (25 Prozent heller als beim iPad Air 2).

Interessant für Profi-Anwender: Das neue Display unterstützt den DCI-P3-Farbraum, der hauptsächlich bei digitalen Filmprojekten verwendet wird und deutlich größer ausfällt als bei den Konkurrenten. Unterschiede erkennt man aber nur mit entsprechendem Bildmaterial, weil die Kameras in Apple-Geräten bislang nur im sRGB-Farbraum aufnehmen. Möglicherweise ändert sich das bei zukünftigen Geräten. Die 3D-Touch-Technik des iPhone 6s unterstützt das iPad Pro 9.7 nicht. Das ist aber zu verschmerzen, denn das Killer-Feature, als das es sich erhofft hat, ist es zweifellos (noch) nicht.

True-Tone-Technik: Passt sich der Umgebung an

Abgesehen von der Bildschirmgröße unterscheidet noch eine Sache das kleine iPad Pro vom großen: Das 9,7er-Modell beherrscht erstmals die sogenannte True-Tone-Technik. Dadurch ist das Tablet in der Lage, die Farbtemperatur des Bildschirms automatisch an das Umgebungslicht anzupassen. Das macht sich vor allem bei mit hohem Weißanteil wie Word-Dokumenten oder E-Books bemerkbar. Die Idee dahinter: Das iPad soll sich wie ein Blatt Papier verhalten. Liegt ein weißes Blatt unter einer gelblichen Lampe, wirkt die Farbe des Blatts wärmer, unter einer kühlen LED-Lampe hat das Weiß einen leichten Blaustich. Durch einen Sensor erkennt das iPad das Umgebungslicht und passt das Display an.

In unserem Alltagstest funktionierte das gut. Vor allem im schummrigen Abendlicht ist das Lesen von Webseiten und Dokumenten angenehmer. Man gewöhnt sich schnell an die Funktion, auch weil die Anpassung des Weißtons fließend ist. Grafikdesigner sollten das Feature dagegen abschalten, denn diese benötigen gleichbleibende Bedingungen. Mit aktivierter True-Tone-Funktion ist das nicht gegeben. Da man die Funktion in den Einstellungen bequem an- und abschalten kann, ist das aber kein Problem.

Die tolle Kamera beim iPad Pro steht etwas heraus

Die tolle Kamera beim iPad Pro steht etwas heraus.

Kamera und Lautsprecher: Multimedia-Monster

Auch wenn das Fotografieren mit Tablets immer noch befremdlich ist - wer will, kann mit der eingebauten 12-Megapixel-Kamera wirklich tolle Fotos knipsen (praktisch für Scan-Apps) und Filme aufzeichnen, auf Wunsch sogar in 4K. Die Frontkamera wurde ebenfalls aufgemotzt und hat jetzt 5 statt 1,2 Megapixel. Den Unterschied erkennt man auf den ersten Blick, Selfies auf dem neuen iPad sind deutlich schärfer und zeigen mehr Details. Auch die Wackel-Fotos (Live Photos), die man bereits vom iPhone 6s und iPhone SE kennt, werden unterstützt.

Die vier Lautsprecher (zwei je Seite) sorgen für ordentlich Wumms. Hält man das iPad im Querformat, verdeckt man normalerweise die unteren Lautsprecher. Um das auszugleichen, hat sich Apple einen cleveren Trick einfallen lassen: Die unteren Lautsprecher sind bassbetont, die oberen Lautsprecher sorgen für Mitten und Höhen. An die Qualität guter Kopfhörer kommt das iPad logischerweise nicht heran, dennoch ist der Stereo-Sound für das flache Gehäuse erstaunlich.

Netflix auf dem iPad Pro

Netflix auf dem iPad Pro

Technik: Wow, ist das schnell

Ins Schwitzen bringt man das iPad Pro 9.7 nicht. Zwar taktet der Prozessor etwas langsamer als im großen iPad, und mit zwei Gigabyte hat Apple auch nur die Hälfte des Arbeitsspeichers spendiert. Das macht sich aber nur in wenigen Profi-Programmen (etwa beim 4K-Videoschnitt) bemerkbar. Ansonsten startet nahezu jede App auf Knopfdruck, störende Wartezeiten gibt es nicht. Das iPad Pro ist schneller als manches Ultrabook. Der Akku hält trotz der höheren je nach Anwendung sieben bis zehn Stunden.

Praktisch für Weltenbummler: Das iPad Pro 9.7 bietet in der LTE-Version neben dem herkömmlichen SIM-Karten-Slot als erstes Apple-Gerät eine eingebaute SIM. Damit kann man bequem über das Einstellungs-Menü Datenpakete zum mobilen Surfen im Ausland kaufen. Es handelt sich dabei nicht um die standardisierte eSIM, sondern um eine Eigenlösung von Apple. Deshalb sind noch nicht alle Mobilfunkanbieter an Bord. In Deutschland wird etwa die Telekom unterstützt, 500MB Datenvolumen gibt es bereits für 2,95 Euro. Bezahlt werden die Datenpakete für gewöhnlich über die Kreditkarte. Wichtig: Nutzt man noch eine herkömmliche SIM-Karte, kann man nicht beide Lösungen gleichzeitig nutzen.

Der Apple Pencil erkennt unterschiedliche Druckstufen

Der Apple Pencil erkennt unterschiedliche Druckstufen

Apple Pencil: Toll für Grafiker

Das neue iPad Pro unterstützt auch den Apple Pencil, den man für saftige 109 Euro zusätzlich kaufen muss. Der Stift selbst reagiert flink und liegt gut in der Hand. Mit ihm kann man präzise zeichnen und schreiben, der Apple Pencil erkennt unterschiedliche Druckstufen, sodass man etwa schraffieren kann. Was der Stift kann und ob er sich für Grafiker eignet, zeigen wir in diesem Video, in dem stern-Karikaturist Tobias Schülert die Vor- und Nachteile aus der Sicht eines Zeichners erklärt. Das größte Manko: Der Apple Pencil hat keinen Clip, er lässt sich nicht am iPad Pro befestigen. Es gibt weder einen Einsteckschacht noch eine magnetische Halterung. Man muss also mit Adleraugen auf den Apple Pencil aufpassen.

Geladen wird der Apple Pencil übrigens über den Lightning-Anschluss. Dazu muss man nur die magnetische Kappe am hinteren Ende des Stifts entfernen und das Ende in den Lightning-Port des iPad Pro stecken. Das sieht merkwürdig aus, ist aber praktisch. Der Apple Pencil ist ein tolles Zeicheninstrument, abseits von Zeichenprogrammen und handschriftlichen Notizen aber nahezu wertlos. In der Systemoberfläche hat er nicht so viele Tricks drauf wie etwa Samsungs S Pen. Der Samsung-Stift zeigt in einigen Programmen Zusatz-Informationen an oder bietet ein Schnellauswahlmenü. Vielleicht legt Apple hier in Zukunft mit einem Software-Update nach.

iPad Pro ist kein PC-Ersatz

Das alles war bislang eine Betrachtung als Tablet. Dabei macht das neue iPad Pro eine exzellente Figur, unserer Meinung nach ist es eines der besten Tablets, das man derzeit kaufen kann. Doch ist es ein PC-Ersatz, wie die Apple-Chefetage allzu gern behauptet?

Hier müssen wir ein klares Nein aussprechen. Das liegt gar nicht an der verbauten Hardware, sondern an der Software. iOS ist einfach kein so mächtiges Betriebssystem wie Windows 10, das auf Tab S Pro läuft. Mehr als zwei Apps kann man nicht parallel auf dem Bildschirm öffnen und es gibt keinen echten Datei-Manager. Nicht zu vergessen der fehlende USB-Steckplatz: Manchmal muss man einfach schnell einen USB-Stick einstecken oder einen Drucker anschließen, ohne sich Gedanken um Adapter zu machen. Und Mäuse oder Trackpads werden ebenfalls nicht unterstützt.

Um ein echter PC-Ersatz zu sein, muss das iPad Pro noch flexibler sein, auch was die Zusammenarbeit mit anderen Systemen angeht. Wer nur surfen, E-Mails schreiben oder zeichnen will, dürfte mit dem iPad sehr zufrieden sein. Auch eine Präsentation lässt sich schnell erstellen. Wer jedoch auf spezielle Software angewiesen ist, muss unbedingt vorab prüfen, welche Programme es im App Store gibt - und welche nicht.

Fazit: Teurer Spaß

Das neue iPad Pro 9.7 ist ein tolles Tablet, aber kein Laptop-Ersatz. Die Rechenpower ist beeindruckend, der Bildschirm liefert knackige Farben und hat mit der True-Tone-Technik auch eine echte Neuerung parat. Der Stift ist für Grafiker ein praktisches Zubehör, mit 109 Euro aber alles andere als ein Schnäppchen. Das Smart Keyboard von Apple ist derzeit nicht empfehlenswert, da es nur das US-Tasten-Layout gibt. Die Kameras können es mit denen in aktuellen Spitzen-Smartphones aufnehmen.

Doch beim Blick aufs Preisschild muss man erstmal schlucken: Los geht's beim iPad Pro 9.7 in der Wlan-Variante bei 689 Euro für die 32-Gigabyte-Version. Das Premium-Modell mit LTE und 256 Gigabyte (!) Speicher kostet 1199 Euro. Für diesen Preis bekommt man bereits ein gut ausgestattetes Ultrabook. Das iPad Pro 9.7 lohnt sich deshalb vor allem für diejenigen, die mit dem Stift arbeiten wollen oder auch mobil viel Rechenpower benötigen, denen das große iPad Pro aber zu wuchtig ist.

Wer noch ein iPad Air der ersten oder zweiten Generation besitzt, muss nicht wechseln. Deutlicher ist der Sprung vom iPad 3 oder 4: Zwar hatten auch die schon einen Retina-Bildschirm, doch das iPad Pro ist deutlich schlanker, schneller und besser für die Zukunft gerüstet.

Eine Alternative ist das Surface Pro 4 (hier ist unser Test) und das Galaxy Tab S. Beide Geräte laufen mit Windows 10, bieten daher mehr Einsatzmöglichkeiten - dafür fehlen Funktionen wie Airplay und die Unterstützung für den Apple Pencil.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.