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Kleines iPhone SE: So gut ist Apples Smartphone-Zwerg

Mit dem neuen iPhone SE geht Apple zurück zu seinen Wurzeln: kleiner Bildschirm, viel Power. Doch lohnt sich so ein Smartphone noch in Zeiten von XXL-Screens? Unser Test verrät's.

Das neue iPhone SE gibt es auch in Roségold.

Das neue iPhone SE gibt es auch in Roségold.

Smartphones werden immer größer, einige haben bereits die Ausmaße einer Tafel Schokolade erreicht. Zehn der elf beliebtesten Smartphones der Welt haben einen Bildschirm, der größer als 4,6 Zoll ist. Das ist kein Wunder: Ob surfen, daddeln oder arbeiten - alles geht auf einem großen Bildschirm leichter von der Hand. Oder vielmehr von den Händen, denn einhändig kann man die meisten Smartphone-Brocken nicht mehr bedienen. Das ist vielleicht der größte Nachteil der XXL-Handys. Neben der Tatsache, dass auch der Hosenkauf deutlich komplizierter geworden ist.

iPhone SE ist das Vier-Zoll-Comeback

Doch so praktisch die großen Bildschirme auch sind, nicht allen gefällt der Trend zu den "sonnenverdeckenden Monolithen", wie das Techmagazin "Wired" - halb im Spaß, halb im Ernst - die XXL-Phablets bezeichnet. Denn noch immer nutzt mehr als die Hälfte aller iPhone-Nutzer ein Gerät mit Vier-Zoll-Bildschirm. Und obwohl die Technik in den kleinen Smartphones längst nicht mehr zeitgemäß ist, verkaufte Apple im vergangenen Jahr noch 30 Millionen Vier-Zöller. Das sind ziemlich viele Menschen, die viel Geld für Technik von vorgestern ausgeben.

Für diese Zielgruppe hat Apple nun ein neues Smartphone auf den Markt gebracht, das iPhone SE. Wir haben es getestet und sagen, was es kann und für wen sich ein Kauf lohnt.

Links das iPhone SE, rechts das iPhone 6s: Beim großen Modell ist Platz für eine App-Reihe mehr.

Links das iPhone SE, rechts das iPhone 6s: Beim großen Modell ist Platz für eine App-Reihe mehr.

Außen iPhone 5, innen 6s

Größe, Design, Gewicht: Auf den ersten Blick ist das SE ein iPhone 5. Wie wenig sich verändert hat, zeigt die Tatsache, dass es sogar noch in die meisten alten Schutzhüllen passt. Nur die rosegoldene Farbe unseres Testgeräts verrät, dass es sich um ein neues Modell handelt. Der Vier-Zoll-Screen ist hosentaschenkompatibel, und dass das Gerät 30 Gramm weniger wiegt als das iPhone 6s (113 statt 143 Gramm) merkt man sofort. Dank der eckigen Kanten liegt das Gerät sehr gut in der Hand, sogar besser als das 6s. Es ist zudem etwas dicker als das aktuelle Modell, dadurch steht die Kamera aber auch nicht heraus.

Das Design könnte man wohlwollend als zeitlosen Klassiker beschreiben, denn erstmals feierte es bereits beim iPhone 5 im Jahr 2012 seine Premiere. Böse Zungen sagen, dass es Apple diesmal mit dem Recycling wohl etwas übertrieben hat. Ob einem der dreieinhalb Jahre alte Look gefällt oder nicht, ist Geschmackssache. Ginge es nach uns, hätten die Ingenieure in Cupertino mutiger sein können und Design-Elemente der 6er-Reihe aufgreifen oder die Rahmen um das Display schmaler gestalten können. Andererseits gefällt vielen Nutzern immer noch die Optik des iPhone 5. Das iPhone SE dürfte am Ende nicht als das kreativste Smartphone in die Apple-Geschichte eingehen, doch für das Unternehmen ist es eine sichere Bank.

Der Bildschirm misst vier Zoll. Das ist ausreichend, im Vergleich zum großen iPhone 6s Plus aber geradezu winzig.

Der Bildschirm misst vier Zoll. Das ist ausreichend, im Vergleich zum großen iPhone 6s Plus aber geradezu winzig.

Leistung satt, besserer Akku

Beeindruckend ist die technische Ausstattung: Als Prozessor dient derselbe A9-Chip, der auch im größeren iPhone 6s steckt. Der ist nicht nur rasend schnell (70 Prozent schneller als das iPhone 5s), sondern auch stromsparender als der A7-Chip, der im iPhone 5s steckt. Davon profitiert wiederum die Akkulaufzeit, denn das iPhone SE ist ausdauernder als das iPhone 5s oder 6s. Richtig gelesen: Das kleine iPhone hält länger durch als das große.

Das hat nicht nur etwas mit der höheren Effizienz des Prozessors zu tun, sondern auch mit dem Display. Der Bildschirm ist kleiner (4 statt 4,7 Zoll), nicht so hochauflösend und hat nicht ganz so knackige Kontraste wie das 6s. Die eingesparten Pixel machen sich bemerkbar: In Tests, bei dem Smartphones permanent bei gleichbleibender Bildschirmhelligkeit verschiedene Webseiten aufrufen, hielt das iPhone SE stolze zehn Stunden durch - mehr als zwei Stunden länger als das iPhone 6s oder 5s, und sogar drei Stunden länger als das Galaxy S7, wie das "Wall Street Journal" ermittelt hat.

Auch andere Tests (etwa bei "Time") zeigen, dass das iPhone SE die beste Akkulaufzeit im Apple-Portfolio hat. Anderthalb Tage kommt man als Gelegenheits-Nutzer locker über die Runden, bis das Gerät wieder an die Steckdose muss. Wer nur selten zum Smartphone greift, schafft sogar zwei Tage.

Die 12-Megapixel-Kamera des iPhone SE knipst sehr gute Fotos

Die 12-Megapixel-Kamera des iPhone SE knipst sehr gute Fotos

Tolle Kamera

Das zweite Highlight ist die Kamera auf der Rückseite, die man bereits aus dem iPhone 6s kennt. Die knipst mit 12 Megapixeln und ist in der Lage, sogenannte Live Photos aufzunehmen. Dabei nimmt das iPhone jeweils den Moment vor und nach Drücken des Auslösers auf, anschließend kann man sich in der Galerie mit einem längeren Druck auf das Bild die Szenerie erneut ansehen. Die Bildqualität hat im Vergleich zu den alten Vier-Zöllern mächtig zugelegt. Einen Vergleich der Kamera mit der des Galaxy S7 finden Sie hier. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Samsung bei schlechten Lichtbedingungen die Nase vorn hat, das iPhone aber realistischere Fotos macht. Insgesamt ist es eine der besten Smartphone-Kameras, die man derzeit kaufen kann.

Kameras im Vergleich: Galaxy S7 vs. iPhone 6s im Fotoduell: Welche Kamera ist besser?
Gaalxy S7 vs. iPhone 6s: Helligkeit bei Fotos

Selbes Motiv, selbe Uhrzeit. Und doch wirken beide Fotos völlig unterschiedlich.

Das iPhone SE kann auch Zeitlupen- und Zeitraffer-Clips sowie Filme in der ultrahohen 4K-Auflösung (mit 30 Bildern pro Sekunde) aufnehmen. Die sind schärfer als Full-HD, ihre volle Wirkung entfalten Sie aber nur auf großen Fernsehern. Die Kehrseite der Medaille: Die Ultra-HD-Aufnahmen verbrauchen viel mehr Speicherplatz. 375 Megabyte pro Minuten sind fällig - ein 16-Gigabyte-iPhone stößt hier schnell an seine Grenzen. Einen optischen Bildstabilisator gibt es im Mini-iPhone leider nicht.

Selfie-Fans müssen jetzt tapfer sein: Auch bei der Frontkamera wurde der Rotstift angesetzt. Die knipst beim iPhone SE nur mit mageren 1,2 Megapixeln (6s: 5 Megapixel), wodurch Bilder weniger brillant und kontrastreich daherkommen. Vor allem bei schlechten Lichtbedingungen.

Das iPhone SE (links) neben dem iPhone 6s.

Das iPhone SE (links) neben dem iPhone 6s. Die Kamera steht nicht hervor, das Design der Rückseite kommt ohne die schmalen Antennenstreifen aus.

iPhone SE ab 489 Euro

Ansonsten steckt im iPhone SE beinahe alles, was auch das größere (und teurere) iPhone 6s bietet: Apple Pay (wird in Deutschland noch nicht unterstützt), Voice over LTE (bei Telekom, Vodafone und o2 verfügbar), Bluetooth 4.2, ultraschnelles LTE und der aktuelle Wlan-Standard 802.11ac. Beim Fingerabdruckscanner handelt es sich noch um die erste Generation aus dem iPhone 5s, doch der reagiert gefühlt genauso flink wie im 6s. Die 3D-Touch-Funktion des iPhone 6s wird nicht unterstützt, sie bleibt ein Alleinstellungsmerkmal der Spitzenklasse. Das ist aber kein Beinbruch, denn die Technik hat sich nicht als das Killer-Feature erwiesen, als dass es sich Apple erhofft hatte.

Das iPhone SE gibt es in vier Farben (Space Grau, Silber, Gold, Roségold) und in zwei Varianten, 16 und 64 Gigabyte. Ein Schnäppchen ist das iPhone SE nicht, es ist aber günstiger als das aktuelle iPhone 6s: Das 16-Gigabyte-Modell beginnt offiziell bei 489 Euro (iPhone 6s: 745 Euro), für das 64-Gigabyte-Modell sind 589 Euro fällig. Schade, dass Apple immer noch am 16-Gigabyte-Modell festhält. Denn Cloud hin oder her: Mit einer 12-Megapixel-Kamera an Bord sollten es schon 64 Gigabyte sein. Und 589 Euro sind für ein Vier-Zoll-Gerät schon wieder eine Stange Geld. In ersten Angeboten gibt es das Gerät bereits für 435 Euro (16 GB) und 536 Euro (64 GB). Damit ist es allerdings immer noch nicht so günstig wie in den USA, wo das Gerät bereits ab 399 Dollar verkauft wird.

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Fazit: Kleines iPhone, große Leistung

Mit dem iPhone SE hat Apple eine geschrumpfte Version seines Flaggschiffs auf den Markt gebracht. Das ist keine Innovation, füllt aber eine nicht zu unterschätzende Lücke. Denn die gesamte Android-Konkurrenz - abgesehen von Sony - stattet ihre Mini-Modelle meist auch mit älterer, langsamerer Technik aus. Das iPhone SE dagegen hat ein modernes Innenleben, eine tolle Kamera und macht auch bei der Akkulaufzeit eine gute Figur. Zudem ist es für kommende iOS-Updates gerüstet. Nur die etwas magere Frontkamera und der kleinere Bildschirm ohne 3D-Touch-Funktion unterscheiden es vom Spitzenmodell.

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Ob man als Apple-Nutzer am Ende zum iPhone SE, dem 6s oder dem riesigen 6s Plus greift, sollte man von den eigenen Vorlieben bezüglich des Bildschirms und dem Geldbeutel abhängig machen. Wer bereits länger ein großes Smartphone genutzt hat, dürfte nur schwerlich auf ein Vier-Zoll-Gerät zurückwechseln können. Wem schon das 6s zu groß ist, der könnte am iPhone-Zwerg Gefallen finden.

P.S.: Wofür das namensgebende "SE" steht, dazu hüllt sich der Konzern in Schweigen. Die Spekulationen hierfür reichen im Netz von "Special Edition" über "Same Everything" ("alles gleich") bis hin zu "Still Expensive" ("immer noch teuer"). Am Ende kann das wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Vorteile

Nachteile

schneller A9-Prozessor

Frontkamera nur 1,2 Megapixel

kompaktes Design

Display nicht so hochauflösend

hervorragende Rückkamera

Ohne 3D-Touch

gute Akkuleistung

nur 16 GB Speicher im Einstiegsmodell

günstiger als 6s

 

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