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Kleines Highend-Smartphone Xperia Z5 Compact im Test: Müssen Smartphones riesig sein?


Highend-Smartphones wachsen und wachsen. Nur Sony baut weiter ein kompaktes Topgerät. Ob das neue Sony Xperia Z5 Compact bei den Großen mithalten kann, erfahren Sie im Test.

Will man ein leistungsstarkes Smartphone, kann man sich in den letzten beiden Jahren nur noch zwischen zwei Größen entscheiden: Groß und noch größer stehen zu Wahl. Apple ist der einzige Hersteller, bei dem das iPhone 6s mit seinen "nur" 4,7 Zoll Displaydiagonale das Vorzeigemodell ist, das größere iPhone ist dann schon das Plus-Modell. Bei Android-Smartphones ist das anders. Kein Spitzenmodell kommt mehr unter 5 Zoll, kleinere Modelle heißen dann Mini oder Compact und sind meist deutlich abgespeckt - mit einer Ausnahme: Sonys Xperia Z5 Compact hat exakt die gleiche Technik wie das große Modell. Wir haben es ausprobiert.

Design-Panne

Nimmt man das Z5 Compact zur Hand, fällt als erstes das relativ klobige Gehäuse auf. Das kastenförmige Design lässt das Gerät für ein aktuelles Smartphone unglaublich dick wirken. Was vor einigen Jahren bei iPhone 4 und Co. noch als schlanke Silhouette durchging, ist 2015 durch den Smartphone-Magertrend der letzten Jahre schon ein echter Klopper. Das Merkwürdige: Obwohl das Z5 Compact beinahe exakt die gleichen Maße hat wie sein Vorgänger, wirkt es deutlich dicker. 

Das liegt vermutlich am dicken, angerauten Plastikrahmen, der das Gehäuse umgibt. Der sieht nicht nur unschön aus, sondern fühlt sich auch noch etwas billig an - und verdirbt so endgültig den Eindruck. Da hilft auch nicht das einzige Designhighlight des kleinen Smartphones: Der Fingerabdruckscanner wurde komplett in den Einschaltknopf in der Seite gequetscht. Wie ein Highend-Smartphone wirkt das Z5 Compact leider einfach nicht, es erscheint dafür schlicht nicht wertig genug.

Tolle Technik

Das ist besonders schade, weil sich unter der arg unscheinbaren Hülle ein durchaus tolles Smartphone verbirgt. Technisch lässt sich das Kompakte wenig vorwerfen. Es reagiert dank einem leistungsstarken Prozessor blitzschnell. Das Display ist trotz der nicht ganz zeitgemäßen Auflösung von 1280 x 720 ausreichend scharf. Zudem stellt es Farben sehr gut dar und ist schön hell. Mit 32 Gigabyte ist auch der Speicher für die meisten Nutzer in Ordnung, er lässt sich außerdem per microSD-Karte um bis zu 200 Gigabyte erweitern.

Besonders stolz ist Sony auf die Kamera. Das kleine Z5 erhält dieselbe Knipse wie seine großen Geschwister - bei Android-Smartphones die absolute Ausnahme. Sony gibt sich vollmundig und verspricht "die weltweit beste Kamera in einem Smartphone", eine Ansage, die wir bei unserem Test nicht nachvollziehen konnten. Dabei macht das Z5 Compact ohne Zweifel gute, manchmal auch sehr gute Fotos. Mit den Schwergewichten Galaxy S6 und LG G4 kann es aber trotz der mit 23 Megapixeln sehr hohen Auflösung nicht mithalten. Vor einem Jahr hätte Sony mit seinem Versprechen vielleicht noch Recht behalten, dieses Jahr sind die Konkurrenten am Ende besser.

Kamera-Macken

Der schnelle, aber nicht zu kontrollierende Autofokus sorgt etwa zu oft dafür, dass die wichtigen Teile eines Bildes unscharf sind. Bei schlechtem Licht sind die Bilder zudem schnell verrauscht. Wohl auch deshalb ist das Z5 Compact sehr blitzfreudig und will selbst in beleuchteten Räumen noch mehr Licht in die Bilder bringen. Trotzdem ist die Kamera im Vergleich immer noch gut. Im Alltag dürfte sie für die meisten Nutzer mehr als ausreichen. Zumal sie immerhin deutlich natürlichere Farben als etwa die Bilder von Samsungs Topgeräten bietet. Die weniger aufgepoppten Farben und der natürlichere Kontrast fallen sofort ins Auge.

Bei der Akkuleistung erweist sich das kompaktere Gehäuse als klarer Nachteil. Es bietet einfach nicht genug Platz für den Riesenakku eines Phablets. Am Ende des Tages war zwar meist noch etwas Saft im Akku, ein zweiter Tag war bei normaler Nutzung im Alltag aber nicht drin. Wer mehr Durchhaltevermögen braucht, kommt aktuell nicht um ein größeres Gerät herum.

Fazit: Verschenktes Potenzial

Mit seinen Compact-Modellen bietet Sony jedes Jahr eine interessante Alternative zu den Riesen-Handys der Konkurrenz an. Die Technik kann mit der der großen Modelle mithalten, die Verarbeitung war in der Vergangenheit stets herausragend. Leider hat sich Sony dieses Jahr völlig auf die tolle Technik konzertiert. Die ist bis auf die etwas zu hochgelobte Kamera und den etwas mageren Akku wirklich sehr gut gelungen.Das Design hat der Konzern aber völlig in den Sand gesetzt. Das Z5 Compact wirkt durch sein klobiges Äußeres und die Materialwahl deutlich billiger als es ist und dürfte Sony so manchen Käufer kosten. Denn seien wir ehrlich: Nur die wenigsten kaufen ein Smartphone ausschließlich wegen seiner inneren Werte. Mag es da noch so viel zu bieten haben.

Das Sony Xperia Z5 Compact ist bereits im Handel erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 549 Euro.


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