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iPhone 6s ausprobiert: Schneller, härter, schärfer: Das kann Apples neue S-Klasse

Apple hat seine neue Smartphone-Generation vorgestellt. Das iPhone 6s ist flinker, hat eine bessere Kamera, ein neuartiges Display - aber auch ein paar Schwächen.

Von Christoph Fröhlich, San Francisco

iPhone 6s und iPhone 6s Plus

Die beiden neuen iPhones: das iPhone 6S (4,7 Zoll) und das iPhone 6s Plus (5,5 Zoll).

Das iPhone 6 war Apples großer Wurf. Allein im ersten Quartal brachte der Konzern rund 74,5 Millionen Telefone an den Mann - so viele wie noch nie zuvor. Grund für den enormen Boom waren die größeren Displays, die im iPhone 6 (4,7 Zoll) und iPhone 6 Plus (5,5 Zoll) stecken. An diesem Erfolgsrezept hält Apple fest: Am Mittwoch stellte der Konzern in San Francisco die beiden neuen Flaggschiffe iPhone 6s und iPhone 6s Plus vor, die es mit dem Galaxy S6, LG G4 und dem jüngst vorgestellten Huawei Mate S aufnehmen sollen. Ein Vier-Zoll-Modell im Format des iPhone 5, wie es mancher Analyst erwartete, zeigte Apple nicht.

Doch was hat sich beim iPhone 6s geändert? Wir konnten es bereits ausprobieren und stellen die wichtigsten Neuerungen vor.

Nie wieder krumme iPhones?

Auf den ersten Blick bleibt optisch alles beim Alten: Das iPhone 6S sieht dem Vorjahresmodell zum Verwechseln ähnlich. Die Kanten sind abgerundet, die Kamera steht immer noch hervor, auch die Antennenstreifen gibt es noch. Wer das alte Design mochte, dem wird auch das iPhone 6s gefallen - alle anderen werden wohl auch diesmal keine Freunde. Ein völlig neues Design wird es wohl erst beim iPhone 7 geben. Dafür gibt es mit Roségold eine neue Farbe.

Allerdings hat sich das Material geändert: Um einen weiteren Bentgate-Skandal zu verhindern - zahlreiche User konnten ihr iPhone 6 Plus durchbiegen -, setzt Apple beim iPhone auf das gleiche Metall, aus dem auch die Apple Watch Sport besteht. Der Werkstoff heißt Aluminium 7000 und ist härter als herkömmliches Aluminium, verspricht Apple.

Außerdem ist das neue iPhone 0,2 Millimeter dicker, beim iPhone 6s Plus sind es sogar 0,4 Millimeter. Das macht sich auch im Gewicht bemerkbar: Das 6 Plus brachte 172 Gramm auf die Waage, der Nachfolger wiegt 192. Bei dem Schlankheitswahn, der sonst in Apples Entwicklungslaboren herrscht, ist das erwähnenswert. Der Grund dafür ist der neue Bildschirm.

3D Touch auf dem iPhone 6s

3D Touch auf dem iPhone 6s

3D-Touch: Ein Bildschirm zum Drücken

Das sogenannte 3D-Touch-Display ist das Highlight im neuen iPhone 6s: Grob gesagt erkennt der Screen, wie stark der Nutzer auf das Display drückt und startet dementsprechend unterschiedliche Optionen. Die Technologie kennt man bereits vom neuen Macbook oder der Apple Watch. Beim iPhone ist die Technik aber ausgefeilter und erkennt drei unterschiedliche Zustände: Tippen, leichtes Drücken und starkes Drücken.

3D Touch ermöglicht völlig neue Bedienkonzepte. Drückt man etwa fester auf eine Mail im Posteingang, öffnet sich eine Vorschau der Nachricht. Will man nur kurz die Mail checken, hebt man den Finger einfach an und man ist wieder im Hauptmenü. Drückt man dagegen noch fester auf die Vorschau, öffnet sich die E-Mail komplett, sodass man direkt antworten kann. Das klingt komplizierter, als es in Wirklichkeit ist. Wenn man sich einmal an die neuartige Steuerung gewöhnt hat, lernt man die Funktion schnell zu schätzen. Es gibt nur einen Haken: Man erkennt nicht, wann man 3D Touch nutzen kann und wann nicht. Man muss es nach und nach selbst herausfinden.

Doch nicht nur bei Alltagsanwendungen wie Maps, Bildern oder Mail bietet die Technik Vorteile. In der Präsentation wurde 3D Touch auch anhand eines Videospiels demonstriert. Gezeigt wurde ein Shooter. Tippte man einmal auf den Screen, schoss der Kampfroboter auf das Ziel. Drückte man fester, zoomte man, um genauer schießen zu können. Mit einem festeren Druck wechselte man die Waffe. 3D Touch könnte die Art, wie man Spiele steuert, grundlegend verändern - solange sich Entwickler auf die neue Technik einlassen.

Die neue Kamera unterstützt das 4K-Format

Die neue Kamera unterstützt das 4K-Format

Bessere Kamera

Viele Bildpunkte sorgen nicht zwangsweise für gute Bilder. Das wissen Fotografen schon lange, das zeigte sich in den vergangenen Jahren aber auch immer wieder bei Smartphones. Denn während die Konkurrenz einen Megapixel-Rekord nach dem anderen aufstellte, hielt Apple jahrelang an einem 8-Megapixel-Sensor fest. Trotzdem mischte man in vielen Tests ganz oben mit und ließ lange Zeit auch Konkurrenten mit mehr Megapixeln hinter sich. An die brillanten Fotos eines Galaxy S6 kam das iPhone zuletzt aber nicht mehr heran.

Nun wagt Apple beim iPhone 6s den Sprung auf 12 Megapixel und einen neuen Bildsignalprozessor. Der Sensor ist so konstruiert, dass die durch die höhere Pixeldichte entstehenden Artefakte minimiert werden. Dadurch sind deutlich detailliertere Bilder möglich, ohne dass ein Bildrauschen entsteht. Die ersten Bilder, die auf der Präsentation gezeigt wurden, sahen großartig aus. Doch erst ein umfangreicher Test wird zeigen, wie sich das iPhone 6s im Alltag schlägt. Im Ersteindruck konnte die neue Rückkamera aber punkten.

Zudem schafft das iPhone nun endlich den Sprung auf die ultrahochaufgelösten 4K-Videos. Auf modernen Fernsehern kann man die vierfache FullHD-Auflösung bereits in voller Pracht genießen. Wer noch keinen solchen Fernseher besitzt, profitiert trotzdem von den UHD-Videos, denn man kann im Nachhinein noch in den Clip reinzoomen, ohne dass man spürbare Qualitätsverluste hinnehmen muss. Allerdings brauchen 4K-Filme deutlich mehr Speicherplatz.

Ein kleines, aber wichtiges Detail am Rande: Auch in diesem Jahr verbaut Apple nur in der Plus-Version des iPhone 6s einen optischen Bildstabilisator. Der sorgt bei schwierigen Lichtbedingungen oder leichten Bewegungen für klarere Fotos.

Die Frontkamera knipst jetzt mit fünf Megapixeln und soll bessere Selfies ermöglichen.

Die neuen iPhones gibt es auch in Roségold.

Die neuen iPhones gibt es auch in Roségold.

Immer noch 16 GB

Im Inneren des Smartphones steckt der A9-Prozessor, der mehr Leistung bei geringerem Stromverbrauch verspricht. In unserem kurzen Test fielen keine störenden Ruckler auf.

Doch es gibt ein paar Wermutstropfen: Dass das neue iPhone nicht spritzwassergeschützt ist, darüber können die meisten Nutzer wohl hinwegsehen. Unklar ist aber, warum Apple immer noch am mickrigen 16-Gigabyte-Modell als Einstiegsgerät festhält. Für das Jahr 2015 ist das definitiv zu wenig. Denn Cloud hin oder her: Wer auf seinem iPhone nicht nur eine Handvoll Apps installieren möchte, greift besser zum 64-Gigabyte-Modell. Einen SD-Slot zum Erweitern des Speichers sucht man nach wie vor vergebens. Wer sich das neue iPhone kaufen möchte, sollte deshalb gut über die Speichergröße nachdenken.

Spürbare Vorteile

Schnellerer Prozessor, schärfere Kamera, ein neuartiges Display - mit dem iPhone 6s legt Apple ein gelungenes Upgrade seines Flaggschiffs vor. Es ist das vermutlich umfangreichste S-Upgrade der vergangenen Jahre und bietet dank der besseren Kamera und dem 3D-Touch-Display selbst für Besitzer des iPhone 6 spürbare Vorteile.

Doch reicht das, um an die Erfolge des vergangenen Jahres anzuknüpfen? Die Börse ist skeptisch und glaubt, dass Apple seinen Zenit erreicht hat. Tim Cook dagegen will die Erfolgsgeschichte des iPhones mit dem aktuellen Modell fortschreiben - und ist sich seiner Sache offenbar sehr sicher. Das "Wall Street Journal" will erfahren haben, dass Apple bis Ende des Jahres 90 Millionen iPhones bei seinen Zulieferern bestellt hat.

iPhone 6 ab 25. September

Die neuen iPhones können ab 12. September vorbestellt werden und erscheinen in Deutschland am 25. September. Bei den Preisen hat Apple leider noch einmal angezogen: Beim iPhone 6s beginnt das kleinste Modell mit 16 Gigabyte bei 739 Euro, das iPhone 6 kostete zur Markteinführung noch 699 Euro. Die mittlere Variante mit 64 GB kostet 849 Euro, das Premium-Modell mit 128 GB Speicherplatz schlägt mit stolzen 959 Euro zu Buche. Wer zum größeren iPhone 6S Plus greift, muss für die jeweilige Speichergröße noch einmal 110 Euro draufschlagen - das teuerste Modell kostet also 1069 Euro.