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Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge: Samsungs neue Platzhirsche im Test

Mit Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge versucht Samsung einmal mehr den Angriff auf Apple - mit Erfolg. Der Test zeigt: Die beiden Premium-Geräte sind trotz kleiner Schwächen würdige Gegner für das iPhone.

Von Malte Mansholt

Samsung Galaxy S6 und Galaxy S6: Die beiden Modelle unterscheiden sich nur durch das abgerundete Display der Edge-Version

Samsung Galaxy S6 und Galaxy S6: Die beiden Modelle unterscheiden sich nur durch das abgerundete Display der Edge-Version

Samsungs Smartphones der Galaxy-Serie waren lange der Gegenentwurf zum iPhone: Sie waren der Konkurrenz technisch weit überlegen, hatten aber in punkto Design wenig zu bieten. Die Kunden wussten sie zu schätzen, trotz der vergleichsweise hohen Preise verkauften sich Galaxy S, Galaxy S2 und Galaxy S3 blendend. Erst das Galaxy S4 konnte die Erfolgs-Serie nicht weiter fortsetzen, das Galaxy S5 enttäuschte ebenfalls. Die Kombination aus technischer Vollausstattung und schlichtem Plastik-Design zog nicht mehr. Mit dem Galaxy S6 und dem innovativen Galaxy S6 Edge versucht der Konzern nun erstmals, überragende Technik und ein schickes Design unter einen Hut zu bringen - und überzeugt beinahe auf ganzer Linie.

Edles Design mit Kurve

Nimmt man das Galaxy S 6 und das Galaxy S6 Edge erstmals in die Hand, fällt sofort die herausragende Verarbeitung der beiden Edel-Smartphones auf. Vorbei die Zeit, in denen Samsung auf billig wirkendes Kunstleder setzte, hier kommen mit Metall-Rahmen und Glas-Rückseite nur die wertigsten Materialen zum Einsatz.

Das Edge-Modell unterscheidet sich lediglich in einem Punkt von der Standard-Variante: Es besitzt ein um beide Seitenränder leicht gebogenes Display. Das sieht nicht nur toll aus, sondern fühlt sich auch so an. Dafür wirkt das Edge-Modell auf der Rückseite etwas scharfkantiger. Ein Gefühl, das man bei längerer Benutzung aber schnell vergisst. Wer sehr empfindlich reagiert, dürfte sich zudem an den gelegentlich entlang der Kante auftretenden Reflektionen stören.

Die Abrundung des Bildschirms hat keinen echten Nutzen: Mehr als eine Extra-Favoritenleiste und einen Hinweis bei Anrufen hat Samsung der Kurve nicht zugetraut. Sie sollen ästhetisch und haptisch ansprechen - was ihr auch gut gelingt. Ob sie die 150 Euro Aufpreis zum normalen Modell wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die klassische S6-Variante erscheint auf Bildern gegenüber dem schwungvollen Schwester-Gerät ziemlich langweilig, in der Praxis verschwindet dieser Eindruck aber sofort. Die schlichte Form, das angenehme Gewicht und die tolle Verarbeitung wirken sehr stimmig, das S6 fühlt sich an wie ein wirklich edles Premium-Smartphone.

Das abgerundete Display des Galaxy S6 Edge ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch ein Handschmeichler

Das abgerundete Display des Galaxy S6 Edge ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch ein Handschmeichler

Design-Schwächen

Ein Schwachpunkt des Designs ist die bei beiden Modellen leicht erhabene Kamera: Sie ragt etwa einen Millimeter aus der sonst glatten Gehäuserückseite heraus, wirklich störend ist das aber nicht. Im Gegensatz zum Vorgänger, dem Galaxy S5, sind die beiden neuen Geräte zudem nicht mehr wasserdicht. Eine Entscheidung, die vermutlich ebenfalls dem Design geschuldet ist.

Auch die eigentlich sehr hübsche Glas-Rückseite ist nicht ohne Makel. Samsung setzt auf eine stark reflektierende Metallic-Optik, die auch wirklich edel aussieht. Bei der schwarzen Variante sorgt sie allerdings auch dafür, dass wirklich jeder einzelne Fingerabdruck sehr gut zu sehen ist. Beim weißen S6 sind die Tatscher dagegen kaum zu erkennen. Beide Modelle gibt es in Weiß, Schwarz und Gold. Das reguläre S6 steht zudem in Topasblau zur Wahl, die Edge-Version hat Smaragdgrün als exklusive Farb-Variante.

Die herausragende Kamera ragt leider auch wortwörtlich aus dem Gehäuse heraus

Die herausragende Kamera ragt leider auch wortwörtlich aus dem Gehäuse heraus

Knallige Farben und Wumms unter der Haube

Die Bildschirme waren schon immer eines der Highlights der Galaxy-Smartphones, das hat sich auch beim S6 nicht gändert: Das Display ist bei beiden Varianten herausragend ausgefallen. Die von Samsung bereits früher genutzte AMOLED-Technologie bringt auch diesmal die Farben zum Strahlen und überzeugt mit einem satten Schwarz. Das 5,1 Zoll große Display ist mit 2560 x 1440 Bildpunkten extrem hoch aufgelöst, im Sichttest ist allerdings kein Unterschied zu den 1920 x 1080 Bildpunkten eines Oneplus One zu sehen. Wie alle Smartphones mit AMOLED-Displays haben aber auch die S6-Geräte einen ganz leichten Grünstich. Dieser fällt im direkten Vergleich zu einem iPhone 6 sofort auf: Apples Smartphone bietet ein deutlich neutraleres Weiß, aber dafür auch weniger knallige Farben.

Samsung beschränkt seine neuen Spitzenmodelle nicht auf ein schickes Äußeres. Ganz in der Tradition der Vorgänger stattet der Konzern S6 und S6 Edge unter der Haube mit viel Kraft aus. Kein Wunder, denn die S-Serie verkaufte sich schon immer auch über ihre technische Überlegenheit. Der Achtkern-Prozessor hängt die Konkurrenz so deutlich ab wie kein anderes Gerät und ist gut um die Hälfte schneller als sein ohnehin schon flotter Vorgänger Galaxy S5. Diese Geschwindigkeit bemerkt man auch im Alltag: Ob beim Surfen, Spielen oder bei der Bearbeitung von Videos, das Galaxy S6 verarbeitet alles stets mit beachtlicher Geschwindigkeit.

Scharfe Knipse

Besonders bei der Kamera hat sich Samsung ins Zeug gelegt. Die Aufnahmen überzeugen bei Tageslicht, in der Dämmerung oder beim Filmen von Videos. Die Farben sind kräftig, aber nicht künstlich, die Bilder detailreich und scharf. Die Auslösezeit ist sehr gering, praktisch sofort nach dem Auslösen ist das Bild im Kasten, sogar bei HDR-Aufnahmen. Auch der Autofokus und die automatische Bildstabilisierung arbeiten zuverlässig. Machten bislang Apples iPhone-Kameras die besten Bilder, hat Samsung jetzt mindestens gleichgezogen.

Die Videoaufnahmen sind ebenfalls beindruckend scharf. Standard-Auflösung ist die als FullHD bekannte Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten. Auch die ultrahochaufgelösten 4K-Videos schaffen die Galaxys, allerdings nur für eine Dauer von 5 Minuten, dann endet die Aufnahme. Vermutlich will Samsung so eine Überhitzung verhindern - ein Problem, das auch andere Top-Smartphones bei 4K-Aufnahmen haben. Einen Zeitraffer- und einen Zeitlupen-Modus mit 240 Bildern pro Sekunde bringen die beiden ebenfalls mit.

Enttäuschender Akku

Das neue Design hat auch seine Schattenseiten: Das S6 und das S6 Edge sind fest verschlossen, weder Wechselakku noch Speichererweiterung werden unterstützt. Die Kunden müssen sich bereits beim Kauf für eine Speichergröße von 32, 64 oder 128 Gigabyte entscheiden - gegen entsprechenden Aufpreis natürlich.

Auch beim Akku ist die fehlende Austauschmöglichkeit ärgerlich, denn die S6-Varianten sind beide keine Laufzeit-Wunder. Nach einem Tag mit normaler Nutzung ist der Akku weitgehend leer. Merkwürdig: Bei einem Akkustand unter 10 Prozent lässt sich die Kamera-App zwar noch öffnen, Bilder darf man aber nicht mehr machen. Das verhindert eine Warnmeldung zum Akkustand.

Samsung versucht zwar diese bei modernen Smartphones durchaus übliche Situation durch einen Schnelllademodus zu entschärfen. Der täuscht nicht darüber hinweg, dass das Gerät am zweiten Tag an die Steckdose muss. Immerhin: In nur 15 Minuten kann man den Akkustand um etwa 20 Prozent nach oben treiben. Das reicht dann wieder für ein paar Stunden. Die Schnellladefunktion funktionierte aber nur mit Samsungs Original-Netzteil zufriedenstellend. Am Netzteil eines anderen Herstellers lief das Laden in der von anderen Geräten bekannten Geschwindigkeit ab. Vermutlich hat Samsung beim eigenen Netzteil auf eine höhere Stromstärke gesetzt.

Das Galaxy S6 von Samsung - wird heute eine aufgemotzte Version gezeigt?

Der gut funktionierende Fingerabdrucksensor ist eine nette Zugabe

Ruckelfreies System

Mit Galaxy S6 und S6 Edge setzt Samsung erstmals auf Android 5.0.2 Lollipop als aktuelles Betriebssystem. Die Gelegenheit nutzt der Konzern, auch die eigene Oberfläche TouchWiz zu entschlacken. Mit Erfolg: Während es auf älteren Geräten gerne einmal ruckelte, fielen solche Aussetzer beim S6 nicht auf.

Auch die Anzahl der von Samsung vorinstallierten Apps wurde reduziert: Ein Microsoft-Paket aus Onedrive, Onenote und Skype, die Facebook-App, der zugehörige Messenger und Instagram sowie Samsung-Apps für Fitness und Terminplanung sind noch auf dem Gerät, sie können leider nicht deinstalliert werden. Andere vorgeladene Apps lassen sich immerhin löschen. Ein schlanke System wie Motorola hat Samsung noch lange nicht erreicht.

Fazit

Mit dem Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge ist Samsung endlich mal wieder der richtig große Wurf gelungen: Spitzentechnik, ein überragender Bildschirm und eine umwerfende Kamera stecken im dazu passenden Edelgehäuse. Wer die beiden Geräte einmal in der Hand hatte, will sie nicht mehr hergeben.

Mit dem Galaxy S6 Edge gelingt Samsung zudem ein herausstechendes Smartphone-Design, es ist der eigentliche Star der beiden Modelle. Ob die weitgehend auf Optik und Haptik reduzierte Kante den saftigen Aufpreis von 150 Euro wert ist, muss jeder potenzielle Käufer für sich entscheiden. Auch das "normale" S6 ist schon eine Klasse für sich. Wenn nun noch die Käufer mitziehen, könnte Samsung es wieder auf den Smartphone-Thron schaffen.

Das Galaxy S6 kostet in der 32GB-Version 699 Euro, das 64GB-Modell 799 und die 128GB-Version 899 Euro.

Das Galaxy S6 Edge kostet in der kleinsten Version (32GB) 849 Euro, das Modell mit 64 GB kostet 949, das größte Modell mit 128GB kostet 1049 Euro.

Beide Geräte erscheinen am 10. April 2015.