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Superschlank, nur ein Anschluss Das neue Macbook im Test: Zu viel Zukunft?


Das neue Macbook ist extrem schlank, leicht und leise. Klingt nach dem perfekten Laptop? Nicht ganz: Zwar punktet das Macbook in vielen Disziplinen, es eignet sich aber nicht für jedermann.
Von Christoph Fröhlich

Es war ein bemerkenswerter Auftritt, als Steve Jobs im Januar 2008 einen Briefumschlag in die Hand nahm und das erste Macbook Air herauszog. Mit seiner schmalen Bauweise und dem Verzicht auf ein DVD-Laufwerk sorgte das Gerät für einen kleinen Aufschrei, dennoch war das ultraschlanke Notebook stilprägend für eine ganze Generation von mobilen Computern.

Nun schickt sich Apple an, erneut den Laptop-Markt umzukrempeln: Mit einem runderneuerten Macbook hat Apple seinen Vorzeige-Rechner im wahrsten Sinne des Wortes plattgemacht. Es ist noch einmal deutlich dünner und leichter als die Vorgänger. Doch das radikale Update erforderte kreative Lösungen, die nicht jedem gefallen werden.

Wir haben das neue Macbook ausführlich getestet und sagen, für wen sich ein Kauf lohnt - und für wen nicht.

Design und Verarbeitung: Der Apfel leuchtet nicht mehr

Optisch erinnert das neue Modell an einen Mix aus Macbook Air und Pro. Auch größentechnisch liegt es in der Mitte: Das kleinste Air beginnt bei 11 Zoll, das kleinste Pro bei 13 - mit seinem 12-Zoll-Screen (30,5 Zentimeter) hat es die ideale Größe für ein mobiles Arbeitsgerät. Der Rahmen um den Screen ist etwas schmaler geworden, was den Bildschirm größer erscheinen lässt.

Auf das Retina-Display quetschen sich 2304 x 1440 Pixel, damit ist es deutlich schärfer als beim Macbook Air, das mit maximal 1440 Pixeln mittlerweile ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint. Zwar gibt es schärfere Laptops (etwa das Dell XPS 15), doch das Gesamtpaket aus Kontrast, Helligkeit und Blickwinkelstabilität ist beim neuen Macbook immer noch Weltklasse. Bei voller Helligkeit ist das Display selbst im Sonnenlicht gut ablesbar. Die Farben sind satt und die Kontraste knackig.

Ein großer Pluspunkt: Die Auflösung des Retina-Displays lässt sich auf 1440 x 900, 1280 x 800 und 1024 x 640 Pixel anpassen. Die Programme skalieren problemlos mit, sodass man für jede Aufgabe die passende Auflösung wählen kann.

Das Highlight ist das schicke Gehäuse. Das neue Macbook ist ein echtes Leichtgewicht und wiegt gerade einmal 920 Gramm. Zum Vergleich: Das sind nur knapp 200 Gramm mehr als das erste iPad und immer noch 160 Gramm weniger als beim aktuellen Macbook Air (11 Zoll). Hebt man es hoch, kann man kaum glauben, wie leicht es ist. Flach ist es auch, an der dicksten Stelle misst es gerade einmal 1,3 Zentimeter. Damit dürfte das Macbook definitiv in jedes Handgepäck passen.

Die Verarbeitung des Geräts ist tadellos, das Metallgehäuse fühlt sich sehr edel an. Den leuchtenden Apfel auf der Display-Rückseite gibt es nicht mehr. Stattdessen prangt dort jetzt das spiegelnde Logo, das man bereits vom iPhone und iPad kennt.

Erstmals seit dem Plastik-MacBook gibt es zudem wieder die Möglichkeit, eine Farbe auszuwählen. Wenig überraschend orientiert sich die Auswahl an den iPhone-Farben Space-Grey, Silber und Gold.

Anschlüsse: Einer für Alles

Für das Slim-Fit-Design musste Apple einige Funktionen streichen. Am deutlichsten setzte der Konzern den Rotstift bei den Anschlüssen an: Das neue Macbook hat neben der Kopfhörerbuchse nur einen(!) Steckplatz vom Typ USB-C. Das heißt im Klartext: Es gibt keinen SD-Karten-Schacht, keinen HDMI-Anschluss, keinen regulären USB-3.0-Slot, wie man sie vom Macbook Pro kennt. Der USB-C-Steckplatz wird auch zum Laden genutzt, es gibt somit auch ein neues Ladegerät. Der praktische, magnetische MagSafe-Anschluss, der beim Drüberstolpern automatisch aus der Buchse gleitet, wird damit leider in Rente geschickt.

Will man den Laptop laden und gleichzeitig einen USB-Stick anschließen, benötigt man zwingend einen Adapter. Und den lässt sich Apple fürstlich bezahlen: Ein USB-C- auf USB-Adapter ist mit 19 Euro noch vergleichsweise günstig, der deutlich praktischere Multiport-Adapter (HDMI, USB und ein weiterer USB C) schlägt mit stolzen 89 Euro zu Buche. Einige Hersteller arbeiten bereits an günstigeren Adaptern, sodass man mit dem Kauf im Zweifelsfall etwas warten sollte.

Der Verzicht auf Anschlüsse ist das größte Manko am neuen Macbook. Zwar wird USB-C in wenigen Jahren vermutlich der Standard der Techbranche sein, denn vom technischen Standpunkt aus betrachtet ist der Stecker ein echter Tausendsassa. Auch Google (neues Chromebook Pixel) und Nokia (Tablet N1) setzen bereits auf USB-C. Wenn noch mehr Hersteller den Mut haben, könnte in wenigen Jahren der große Traum vieler Nutzer wahr werden: Man braucht nur noch ein Kabel für alle Geräte. Doch bis es soweit ist, muss man notgedrungen ein Bündel von Adaptern mitschleppen. Das ist unpraktisch und könnte für den einen oder anderen ein bisschen zu viel Zukunft auf einmal sein.

Tastatur: Jetzt wird's flach

Eine der größten Neuerungen ist die Tastatur, die jetzt fast bis zu beiden Rändern reicht. Auch hier muss man einen Kompromiss eingehen: Um die Tasten noch flacher zu machen, setzt Apple auf den sogenannten "Butterfly"-Mechanismus. Dadurch versinken die Tasten beim Tippen kaum noch im Gehäuse. Das fühlt sich gewöhnungsbedürftig an. Vor allem Schnelltipper müssen sich umstellen, denn immer wieder hat man das Gefühl, die Taste nicht genau getroffen zu haben. Erst nach wenigen Tagen hatten wir uns an die engere Tastatur und den festeren Anschlag gewöhnt. Die leicht "wabbeligen" Tasten des Macbook Pro sind uns dennoch lieber.

Besonders gut gefallen hat uns die LED-Hintergrundbeleuchtung für jede einzelne Taste. Das grelle, weiße Licht strahlt nun nicht mehr durch die Ritzen der Tastatur, sondern nur noch durch die Buchstaben. Dadurch kann man auch im Halbdunkel bequem tippen.

Ebenfalls überarbeitet wurde das Trackpad. Es ist größer geworden und besitzt die Force-Touch-Technologie, die man von der Apple Watch kennt. Grob gesagt, kann das Trackpad unterscheiden, ob man nur sanft tippt oder kräftig klickt. Dadurch sind weitere Aktionen möglich: Im Quicktime-Player kann man durch stärkeres Drücken auf die Vorspul-Taste schneller spulen, im Browser eine Link-Vorschau aufrufen, in der Kartenanwendung kann man Stecknadeln zur Navigation einfügen.

Weil sich das neue Trackpad nicht mehr herunterdrücken lässt, hat sich Apple einen cleveren Trick einfallen lassen: Wie in der Apple Watch steckt auch im neuen Macbook eine "Taptic Engine", ein Art Mini-Vibrationsmotor. Drückt man mit dem Finger stark auf die Glasfläche des Trackpads, rüttelt das Trackpad leicht, wodurch ein Klick simuliert wird.

Braucht man das? Noch nicht. Die Force-Touch-Technologie steckt noch in den Kinderschuhen, nur wenige Programme unterstützen diese Technik. Das dürfte sich aber in den kommenden Monaten ändern, spätestens wenn das neue iPad und die nächste iPhone-Generation mit Force-Touch-Displays ausgestattet werden. Bis dahin bleibt es nur eine nette Zusatzfunktion.

Leistung: Mobiler Prozessor ohne Lüfter

Bei der Leistung zeigt sich die Kehrseite der schlanken Bauweise. Im Inneren des Macbooks steckt ein 67 Prozent kleineres Mainboard mit einem Core-M-Prozessor von Intel. Das M steht für "Mobile", der Chip ist also auf Effizienz getrimmt. Er verbraucht wenig Strom und bleibt lange cool, sodass man keinen Lüfter braucht. Das hat einen großen Vorteil: Der Rechner bleibt immer leise. Das spontane Aufheulen, das man von Macbooks anderer Bauart kennt, gibt es beim 12-Zoll-Modell nicht.

Dafür ist der Chip vergleichsweise lahm: In Benchmarks, das sind Programme zum Testen der Leistungsfähigkeit, erreicht das 2015er-Macbook gerade einmal das Niveau eines 2011er Macbook Air. Das klingt angesichts des hohen Preises (ab 1449 Euro) enttäuschend, aber es ist ein Kompromiss, den man für das schlanke Design eingehen muss. Dafür liegt die Power des integrierten Intel HD 5300 Grafik-Chips über dem Niveau des alten Macbook Air. Das ist auch bitter nötig, immerhin will das hochauflösende Retina-Display ordentlich befeuert werden.

Doch macht sich die geringe Rechenpower überhaupt bemerkbar? Wir testeten das Einstiegsmodell mit einem 1,1-Ghz-Prozessor. Bei Alltagsaufgaben wie Surfen, Schreiben oder beim Anschauen von iTunes-Videos kam das Macbook nie ins Schwitzen. Dafür sorgt neben dem Grafikchip auch die flotte SSD-Festplatte. Überraschend: Selbst einige ältere Games ("Civilization V", "Borderlands 2") laufen auf dem neuen Macbook mit niedrigen Details. Bei aktuellen Blockbustern streicht das Macbook dagegen hoffnungslos die Segel. Gamer werden mit dem Laptop nicht glücklich, doch dafür wurde er auch nicht konzipiert. Auch rechenintensive Programme wie Videoschnitt-Software oder riesige iPhoto-Datenbanken verursachen teils nervige Ladezeiten.

Wer wirklich arbeiten will, sollte deshalb zum dickeren, aber flinkeren Macbook Pro greifen. Für die meisten Anforderungen dürfte das neue Macbook aber genügen.

Akku: Zehn Stunden ohne Steckdose

Bei der Vorstellung betonte Apple die Akkulaufzeit, die der Konzern mit neun Stunden Laufzeit bei drahtlosem Surfen im Netz und zehn Stunden bei der Wiedergabe von iTunes-Filmen angibt. Bei mittlerer Helligkeit konnten die Werte im Test bestätigt werden. Lädt man das neue Macbook über Nacht, dürfte es in den meisten Fällen den ganzen Tag ohne Steckdose überstehen.

Die Lautsprecher klingen angesichts des kleinen Gehäuses überraschend klar und satt. Enttäuschend ist dagegen die Frontkamera: Sie löst mit 848 x 480 Pixeln auf, damit sind keine HD-Videoanrufe in Skype möglich. Die Qualität ist zwar akzeptabel, wirklich knackig sind die Bilder nicht. Für das Jahr 2015 ist das zu wenig, im nächsten Modell sollte es mindestens eine 720p-Kamera sein.

Fazit: Schick, aber nicht perfekt

Das neue Macbook ist das bislang schönste Apple-Notebook. Der Mix aus edlem Design, langer Akkulaufzeit und wenig Gewicht begeistert. Weil es ohne Lüfter arbeitet, bleibt der Laptop stets ruhig, womit es zum idealen Arbeitsgerät wird. Dafür muss man Kompromisse eingehen. So könnten die fehlenden Anschlüsse für viele Nutzer ein Problem sein: Mal schnell einen Drucker anschließen, die Bilder von einer SD-Karte übertragen oder einen Beamer anschließen ist ohne Adapter nicht möglich. Und die kosten nochmal extra.

Auch die geringe Rechenpower des Core-M-Prozessors hat ihre Tücken: Zwar packt das Macbook den Großteil der Alltagsaufgaben ohne mit der Wimper zu zucken. Will man aber doch mal ein Video bearbeiten, muss man mit Ladezeiten rechnen. Sucht man dagegen einen möglichst kompakten Laptop zum mobilen Arbeiten, sollte man sich das neue Macbook definitiv genauer anschauen.

Die Standard-Ausführung für 1449 Euro kommt mit acht Gigabyte Arbeitsspeicher (RAM), einem 1,1-Gigahertz-Prozessor und einer 256 Gigabyte großen SSD. Für 350 Euro Aufpreis (1799 Euro) gibt es 512 GB Speicher und einen 1,2-Gigahertz-Prozessor. Der saftige Aufpreis lohnt sich allerdings nur, wenn einem 256 GB Speicher zu wenig sind - die Performance profitiert kaum von dem Upgrade.

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