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Gigabyteweise Daten abgesaugt: Attacke über Whatsapp: Darum hackte der Saudi-Prinz das iPhone des Amazon-Chefs

Vor einem Jahr versuchte Donald Trumps Haus-und-Hof-Zeitung, seinen Intimfeind Jeff Bezos zu erpressen. Das Material dazu sollen die Saudis geliefert haben - indem sie sich über Whatsapp in das Smartphone des Amazon-Chefs hackten.

Saudischer Kronprinz Mohammad bin Salman

Mohammad bin Salman - kurz MBS - soll hinter dem Hack des Amazon-Chefs stecken

AFP

Es ist fast genau ein Jahr her, dass Jeff Bezos einen ungewöhnlichen Schritt ging: In einem Post bei "Medium" schlüsselte der Amazon-Chef auf, wie ihn der "National Enquirer" mit einer Affäre und dem Ende seiner Ehe erpressen wollte. Hinter der Aktion vermuteten Beobachter ausgerechnet Intimfeind US-Präsident Donald Trump. Wie der "Enquirer" an intime SMS und Fotos von Bezos' Smartphone kam, war nicht genau geklärt. Nun steht das saudische Königshaus - erneut - im Verdacht.

Laut einem Bericht des britischen "Guardian" unter Berufung auf anonyme Quellen soll der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman, meist weltmännisch "MBS" genannt, höchstpersönlich Bezos eine manipulierte Whatsapp-Nachricht untergejubelt haben. Die beiden zu den reichsten Menschen der Welt gehörenden Männer hatten sich auf einem Amerika-Besuch des Prinzen kennengelernt. In einem ganz gewöhnlichen Chat hatte MBS dem Bericht zufolge im Mai 2018 auch eine manipulierte Video-Datei verschickt. Und damit die Kontrolle über das Smartphone gewonnen.

Denn in dem Videoclip steckte Programmcode, mit dem die Sicherheitsmaßnahmen des iPhone X ausgehebelt und dann Schadprogramme installiert werden konnten. Schon wenige Stunden nach dem Chat habe das Gerät begonnen, gigabyteweise Daten zu versenden, berichtet auch die "Financial Times", ebenfalls unter Berufung auf anonyme Insider. Über den Hack seien demnach monatelang unerlaubt Daten in gigantischem Ausmaß von Bezos' Smartphone abgesaugt worden. 

Saudis im Fokus

Das saudische Königshaus hat die Vorwürfe bereits bestritten und fordert nun eine unabhängige Untersuchung. Wirklich überraschend sind die Enthüllungen allerdings nicht: Schon kurz nach Bezos' Outing hatten Beobachter saudische Hacker hinter dem Angriff vermutet. Denn Bezos ist dem Königshaus ein Dorn im Auge.

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So bot seine Zeitung, die hoch angesehene "Washington Post", mit Jamal Khashoggi einem prominenten Kritiker des Königshauses eine reichweitenstarke Bühne. Obwohl Bezos sich offiziell aus der Themenwahl der "Washington Post" heraushält, wurde er dafür wohl auch persönlich verantwortlich gemacht, MBS sei wegen der Berichte aufgebracht gewesen, schreibt der "Guardian". Für Khashoggi hatte sein Engagement tragische Konsequenzen: Er war nur wenige Monate vor Bezos' Enthüllung in der saudischen Botschaft in Istanbul gefoltert und brutal ermordet worden.

Doch die Saudis sollen noch eine weitere Motivation gehabt haben. Über dessen Schwiegersohn Jared Kushner ist MBS eng mit US-Präsident Trump verbunden. Auch der hatte Bezos wegen der kritischen Berichterstattung seiner Zeitung im Visier. Immer wieder griff er Bezos als "Jeff Bozo" (Jeff der Idiot) an. Und: Der "National Enquirer" gilt als Trumps Hofzeitung. Der mit dem Präsidenten seit Jahren gut befreundete Herausgeber David Pecker soll für Trump zahlreiche Enthüllungsgeschichten unter den Teppich gekehrt haben.

Woher kamen die Nacktbilder?

Wie der "Enquirer" genau an sein Erpressungsmaterial kam, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Der von Bezos angeheuerte Spitzenschnüffler Gavin De Becker hatte schon wenige Wochen nach dem Hack mit "hoher Wahrscheinlichkeit" das saudische Königshaus für den Hack verantwortlich gemacht. Der "Enquirer" dementierte allerdings: Man habe den Bruder von Bezos' Geliebter mit 200.000 Dollar dazu bewegt, Nacktbilder und Sex-Chats von ihrem Smartphone zu stehlen, so die Illustrierte.

Die Enthüllungen von "Financial Times" und "Guardian" stellen das nun wieder in Frage. Tatsächlich gab es etwa zur Zeit des Angriffs bekannte Lücken in Whatsapp, mit denen man etwa per Video-Anruf die Kontrolle über das Gerät bekommen konnte. Diese Lücken seien auch ausgenutzt worden, erklärte Whatsapp damals.

Entwickelt wurden diese Angriffsvektoren vermutlich von der israelischen Sicherheitsfirma NSO. Und die soll auch mit den Saudis Geschäfte gemacht haben. Weil die Werkzeuge als Waffen zählen, musste die Firma sich dafür sogar Sondergenehmigungen der israelischen Regierung erteilen lassen. Laut der israelischen "Haaretz" kam es dennoch zum Geschäft: 55 Millionen Dollar soll Saudi-Arabien für die Hacker-Werkzeuge bezahlt haben. 

Quellen: Financial Times, Guardian, Haaretz