Bahntickets Handy wird zur Fahrkarte


Bahnreisende können es am Schalter, am Computer und neuerdings auch mit Hilfe ihres Handy tun: eine Fahrkarte kaufen. Die Tickets werden per MMS auf internetfähige Mobiltelefone geschickt - bis zehn Minuten vor Abfahrt.

Das Mobiltelefon wird zur Fahrkarte: Ab sofort können Bahnreisende ihre Tickets auch mit dem Handy kaufen. Der Fahrschein wird per MMS aufs Handy übertragen. Die Bahn ist damit nach eigenen Angaben das erste große Verkehrsunternehmen weltweit, das Kunden sowohl Buchung als auch Fahrausweis via Handy zugänglich macht, wie Vorstand Friedrich Rausch mitteilte. Der virtuelle Fahrschein kann auf jedes internetfähige Mobiltelefon gesendet werden. Zuvor muss sich ein Käufer einmal im Internet angemeldet haben. "Mit dem Handy-Ticket wird die Bahn neue Kunden gewinnen, denn Bahn fahren wird einfacher und bequemer", sagte Rausch. Rund 50.000 Kunden haben sich nach seinen Angaben seit Anfang August im Internet für den neuen Service angemeldet.

Die Buchung per Handy läuft ähnlich wie am heimischen Computer: Der Kunde sucht sich über das Internet seine Verbindung, wählt die Zahlungsart - ob mit oder ohne Bahncard-Ermäßigung - und schickt seinen Ticket-Wunsch an die Bahn. Ein extra Zuschlag wird nicht erhoben, es gilt der Normalpreis. Für Fahrten innerhalb von Verkehrsverbünden gibt es bislang kein Handy-Ticket. Innerhalb weniger Minuten nach der Bestellung wird das Ticket laut Bahn dann per MMS zugestellt.

Schaffner bekommen neue Lesegeräte

"Das Handy-Display wird zur Fahrkarte, die der Zugbegleiter mit dem Scanner seines mobilen Terminals prüft", erklärte die Bahn. Wer meint, per Handy leichter schwarzfahren zu können, indem er im Zug kurz vor Eintreffen des Kontrolleurs noch schnell ein Ticket ordert, irrt: Buchungen nimmt das System nur bis zehn Minuten vor Abfahrt an. Die Gültigkeit des Handy-Tickets wird mit einem digitalen Pixelcode auf dem Display bewiesen, obendrein erscheint noch eine Zahlenreihe. Als zusätzliche Sicherheit für den Fall eines Handy-Diebstahls muss sich ein Reisender zusätzlich mit der zuvor im Internet angemeldeten EC-, Bahn- oder Kreditkarte ausweisen. Eine Netzverbindung ist beim Vorzeigen im Zug übrigens nicht nötig, da die MMS im Nachrichtenspeicher abgelegt ist.

Die Bahn hat 11.000 neuartige Lesegeräte für ihre Zugbegleiter angeschafft. Bis Mitte September sollen alle Kontrolleure damit ausgerüstet sein. Bei technischen Problemen gibt es eine Hotline. Laut Bahn verlief die Versuchsphase reibungslos. 99,8 Prozent der Kontrollen seien ohne Probleme über die Bühne gegangenen. Stornierungen und Online-Ausdrucke des Handy-Tickets, beispielsweise für spätere Spesen-Abrechnungen, sind nach Angaben der Bahn über das Internet möglich. Zudem kann das virtuelle Ticket auch an ein anderes Handy verschickt werden.

Handy-Tickets auch im Stadtverkehr

Die Bahn liegt mit ihrem neuen Handy-Ticket im Trend: Viele regionale Verkehrsbetriebe planten ähnliche Projekte oder haben sie bereits gestartet, wie der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) mitteilte. Bis Jahresende werden einer Bitkom-Umfrage zufolge Handy-Fahrkarten in jeder zweiten der 15 größten deutschen Städte auch für Busse und Straßenbahnen zur Verfügung stehen. Dazu zählten unter anderem Köln, Frankfurt, Hamburg, Essen und Düsseldorf. "Handy-Fahrscheine werden das Leben einfacher machen", sagte Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms. So entfalle die Suche nach Kleingeld oder dem richtigen Tarif am Automaten.

AP AP

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