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Tracking: Die Werbeindustrie wusste immer, wo wir sind - jetzt hat sie ein Problem

Über die GPS-Freigabe von Apps konnten Werbe-Unternehmen jeden unserer Schritte verfolgen. Mit iOS 13 macht Apple das den Nutzern bewusst. Seitdem brechen die Zahlen ein.

iOS 13

iOS 13 weist Nutzer darauf hin, wenn Apps im Hintergrund zu neugierig nach dem Standort fragen

Getty Images

Sie verfolgten uns auf Schritt und Tritt. Die Genehmigung dazu war schnell gegeben: Bei der Installation fragte eine App, ob sie den Standort prüfen kann, schon konnte der Betreiber die wertvollen Standortdaten an Dritte verkaufen. Ein sehr einträgliches Geschäft. Bis Apple dem mit iOS 13 den Riegel vorschob. Die einzige Änderung: Die Nutzer wurden auf die heimliche Dauer-Überwachung hingewiesen. Ein Werbeanalyst zeigt nun, wie groß der Effekt wirklich ist.

Die Änderung ist eigentlich sehr einfach. Fragt eine App im Hintergrund häufig den Standort nach, weist das iPhone-System den Nutzer darauf hin. Und meldet dabei, wie häufig die App in den letzten drei Tagen wissen wollte, wo man sich befindet. Die meisten Nutzer scheinen sich über diese Zahlen zu erschrecken - und nutzen die gleich in dem Pop-up angebotene Option, das Tracking zu verbieten.

Einbruch um 80 Prozent

Darauf deutet zumindest die Zahlen einer aktuellen Studie hin. Der Dienstleister Location Sciences analysierte in ihr die Auswirkung des iOS-13-Features. Nachdem Apple iOS 13 am 20. September letzten Jahres veröffentlicht hatte, brach die Zahl der Hintergrund-Messungen geradezu ein. Sechs Wochen nach Release war auf sieben von zehn beobachteten iPhones iOS 13 installiert. Und 80 Prozent dieser Nutzer hörten auf, ihren Standort zu teilen. "Die Leute haben universell beschlossen, ihren Smartphone-Standort nicht mehr freizugeben", fasst Location-Service-Manager Jason Smith das Ergebnis gegenüber "Digiday" zusammen. 

Für die Werbeindustrie ist das ein Schock. Punktgenaue Standortdaten gehören für die Mobil-Werbung zu den wichtigsten Kundendaten. Sie erlauben es etwa, im Laden die passenden Produkte einzublenden, wenn der Kunde aufs Smartphone schaut. Besuchte Orte, ihre Reihenfolge und Frequenz erlauben zudem tiefe Einsichten in das Leben eines Nutzers. Was von den Kunden als fiese Überwachung gesehen wird, war für die Werbebranche ein Goldesel.

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Tatsächlich war die Situation vor noch gar nicht langer Zeit deutlich anders. Noch vor drei Jahren hätten fast 100 Prozent der Nutzer ihren Standort völlig selbstverständlich freigegeben, erzählte Benoit Grouchko "Digiday". Seine Firma Teemo versorgt App-Entwickler mit GPS-Software für ihre Programme. Mittlerweile sei die Quote aber auf 50 Prozent gefallen. Die meisten Nutzer hätten früher gar nicht gewusst, dass sie verfolgt werden. Android-Apps konnten etwa lange Zeit den Standort abrufen, ohne dass sie den Nutzer extra um Erlaubnis fragen mussten. Google hatte mit Android 8 begonnen, die Hintergrund-Nutzung von Apps zu begrenzen. Neue Android-Versionen verbreiten sich allerdings deutlich langsamer als ein iOS-Update.

Apple - iPhone x - Probleme bei Anruf

Das Geschäft geht weiter

Die Werbebranche fürchtet nun die Folgen des Datenmangels. Nachdem schon die DSGVO dem Handel mit Daten empfindlich eingeschränkt hatte, sinkt nun auch noch die Zahl genauer Ortsdaten. Die Folge: Die Daten der Kunden, die ihren Standort teilen, werden für die Werbefirmen wertvoller - und treiben die Preise zielgerichteter Werbung nach oben.

Ganz aufgeben werden die Datensammler aber nicht. Sie setzen nun nur auf billigere Alternativen. "Wir bekommen weniger Daten über GPS, das waren die genauesten Messungen", erklärt Smith. "Stattdessen sind es nun mehr Telefon-Funkpeilungen oder IP-Adressen. Aber die sind leider viel ungenauer."

Quellen: Location Sciences, Digiday, Apple

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