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Galaxy Fold 2 Samsung zeigt sein neues Super-Smartphone - doch der wahre Star ist ein ganz anderer

Das Galaxy Fold 2 behebt die meisten Schwächen seines Vorgängers
Das Galaxy Fold 2 behebt die meisten Schwächen seines Vorgängers
© Samsung / PR
Für Samsung ist die Richtung klar: Mit dem neuen Klappmodell Galaxy Fold 2 hat der Smartphone-Gigant seine neue Spitzenklasse angekündigt. Und das, obwohl die Faltgeräte kaum gefragt sind. Ein Gerät, das fast alle Kundenwünsche erfüllt, kommt in der großen PR-Kampagne dagegen kaum vor.

Glaubt man den beiden größten Smartphone-Herstellern Samsung und Huawei sind sie das nächste große Ding: Faltbare Smartphones sind die auffälligste Neuerung in einer Flut sich immer ähnlicher werdender Telefone. Nun hat Samsung mit dem Galaxy Fold 2 seinen jüngsten Hoffnungsträger vorgestellt - und für entsprechend viel Aufmerksamkeit gesorgt. Das für die meisten Kunden viel spannendere Produkt, das klassische Smartphone Galaxy M51, wurde dagegen fast versteckt präsentiert.

Mit dem Zweiten klappt es besser

Natürlich ist das Galaxy Fold 2 kein uninteressantes Gerät. Beim Nachfolger des ersten Klapp-Smartphones überhaupt hat Samsung fast alle Schwächen des Vorgängers in Angriff genommen. Das erste Fold hatte sich in vielen Bereichen wie ein Prototyp voller Kompromisse angefühlt. Zusammengeklappt war das Außendisplay zu klein, es eignete sich höchstens für kleinste Aufgaben. Auch die Lücke zwischen dem im Innern gefalteten Displayseiten wirkte merkwürdig unfertig. Als weitere Kritikpunkte kamen das Plastikgefühl des Displays und die für den hohen Preis sehr magere Kamera hinzu. Da half auch nicht, dass Samsung nach katastrophalen ersten Eindrücken den Start überraschend um mehrere Monate nach hinten geschoben hatte, um die gröbsten Schnitzer auszubessern.

Beim Fold 2 wurde das alles behoben. Das Außendisplay ist nun mit 6,2 Zoll als vollwertiges Smartphone nutzbar, braucht man mehr Platz, klappt man das 7,6 Zoll breite Innendisplay aus. Das besteht nun aus mehreren Schichten, sie sollen sich deutlich wertiger anfühlen. Mit 120 Hertz hat Samsung auch die Bildwiederholrate deutlich erhöht. Und auch bei der Kamera wurde nachgelegt: Die Tripple-Knipse löst in jeweils in 12 MP aus, neben der Hauptkamera gibt es noch eine Weitwinkel- und eine Zoomlinse. Das ganze Gerät wirkt deutlich runder als der Vorgänger.

Keine Nachfrage für die Klapp-Phones

Dass es im Massenmarkt trotzdem keine Rolle spielen dürfte, liegt schon alleine am Preis: Mit 1949 Euro liegt der im absoluten Spitzenbereich. Und das, obwohl es gegenüber dem ersten Fold schon 150 Euro billiger ist. Doch auch allgemein scheint das Interesse an den Klappgeräten eher gering zu sein, das zeigt eine Auswertung der Preissuchmaschine Idealo. Demnach gab es zwar zu Erscheinen im letzten September eine gewisse Nachfrage nach dem Gerät, die sank aber innerhalb nur eines Monats drastisch. Am Preis alleine lag das nicht: Der geht gemeinsam mit dem Interesse konstant nach unten. Kostete das Gerät zum Release noch 2100 Euro, ist es mittlerweile für gerade mal 1380 Euro zu bekommen - ein Einbruch um ein knappes Drittel. Trotzdem ist die Nachfrage auf dem Tiefpunkt.

Am Galaxy Fold alleine liegt das nicht. Das vergleichbare Huawei Xs und das an die berühmten Klapp-Handys angelehnte Motorola Razr 2019 dümpeln beim Kundeninteresse seit dem Erscheinen im Frühjahr sogar noch unter dem Fold herum. Einzig das ebenfalls an ein klassisches Klapp-Handy angelehnte Samsung Galaxy Z Flip ist vergleichsweise erfolgreich: Es erreicht etwa viermal soviel Interesse wie die anderen Geräte. Genaue Zahlen will Idealo nicht verraten. Ein Vergleich macht aber die Dimensionen deutlich: Das Samsung Galaxy S10 konnte zwischen September und Juli alleine achtmal so viele Kundenabfragen verzeichnen wie alle vier Faltgeräte zusammen. Und das, obwohl es seit März vom Nachfolger Galaxy S20 abgelöst wurde.

Das spannendere Gerät steht nicht im Rampenlicht

Da erscheint es umso unverständlicher, dass Samsung eines seiner vielversprechendsten Smartphone-Neuvorstellungen fast unter den Tisch fallen lässt. Beim Galaxy M51 packte Samsung nahezu alles, was Smartphone-Fans fordern, in ein Gerät. Es verbindet ein mit 6,6 Zoll großes, aber noch nicht gigantisches OLED-Display, einen flotten Mittelklasse-Prozessor sowie eine Dreifach-Kamera mit einem gigantischen Akku mit 7000 mAH Ladung. Damit dürfte es im Alltag locker drei bis vier Tage durchhalten. Trotzdem ist es Samsung gelungen, das Gehäuse recht schlank zu halten - und sogar den von vielen vermissten Klinkenstecker unterzubringen. Zum Hit dürfte es der Preis machen: Mit 360 Euro ist es absolut bezahlbar. Für viele dürfte es damit das perfekte Mittelklasse-Smartphone sein.

Dass Samsung trotzdem sein ganzes Marketing-Pulver auf das Edelmodell statt den soliden Preiskämpfer legt, dürfte vor allem Prestige-Gründe haben. Während ein Gerät wie das M51 bei den Kunden sicher ankommt, könnte es so auch von vielen anderen Herstellern angeboten werden. Bei den Faltgeräten kann Samsung aktuell aber außer Konkurrent Huawei bisher noch keiner das Wasser reichen. So strahlten sie auch auf den Rest der Marke, sagte Samsungs Marketing-Chef Mario Winter gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Dass das Fold 2 ein Verkaufsschlager wird, scheint auch Samsung selbst nicht zu erwarten. Statt auf Privatkunden setze man bei dem Gerät aktuell vor allem auf Geschäftskunden, so Winter.

Quelle: Idealo, Süddeutsche Zeitung


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