VG-Wort Pixel

Galaxy Note 4 vorgestellt Samsungs große Hoffnung


Samsung hat auf der IFA das Galaxy Note 4 vorgestellt, ein Smartphone mit einem riesigen 5,7-Zoll-Screen und Mega-Auflösung. Es ist die große Hoffnung auf eine Zeitenwende.
Von Christoph Fröhlich, Berlin

Der 9. September wird ein großer Tag für die Techwelt - im wahrsten Sinne des Wortes. In Cupertino wird Apple das lang erwartete iPhone 6 vorstellen, das deutlich größer als seine Vorgänger sein wird. Damit reagiert Apple auf den verpassten Phablet-Trend der letzten Jahre, von dem vor allem einer richtig profitiert hat: Samsung. Bereits 2011 brachten die Südkoreaner das erste Galaxy Note auf den Markt. Anfangs wurden sie für das Riesentelefon mit integriertem Stift noch belächelt, mittlerweile ist das Note neben der beliebten Galaxy-S-Reihe die wichtigste Marke von Samsung. In Berlin wurde nun im Vorfeld der Technikmesse IFA die vierte Auflage des Phablets (Mischung aus Phone und Tablet) vorgestellt - und die ist noch einmal gewachsen.

Groß, scharf und mit Knick

Das Galaxy Note 4 hat ein 5,7-Zoll-Display mit einer QuadHD-Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln. Samsung ist nicht das erste Unternehmen, das ein solch superscharfes Display in einem Handy verbaut, LG setzte beim G3 ebenfalls auf ein qHD-Display (den Test finden Sie hier). Zudem hat das Note 4 einen pfeilschnellen Vierkernprozessor und eine bessere Kamera mit Bildstabilisator. Die Besonderheit des Note 4 ist der sogenannte S-Pen: Der Stift unterstützt den User bei Eingaben, so kann man etwa in wenigen Sekunden von Teilen des Bildschirms einen Screenshot erstellen und das Bild direkt per E-Mail verschicken. Wie beim Galaxy Alpha spendiert Samsung dem Note 4 einen schicken Metallrahmen, auf der Rückseite besteht das Smartphone aber nach wie vor aus Kunststoff.

Zudem zeigten die Südkoreaner neben einer eigenen Virtual-Reality-Brille und der Smartwatch Gear S ein Smartphone mit Knick, das Galaxy Note Edge. Das Display geht dabei über den rechten Rand hinaus und zeigt etwa Schnellstart-Apps oder das Kamera-Interface an. Eine clevere Idee, die aber eher zeigt, was technisch machbar ist. Denn es darf bezweifelt werden, dass sich diese Technik durchsetzt.

Zum Erfolg verdammt

Die Hoffnung ruht vor allem auf dem Galaxy Note 4, das ein echter Erfolg werden muss. Denn bislang war es kein sonderlich gutes Jahr für Samsung: Als einer der ersten Hersteller preschte Samsung auf der vergangenen IFA mit einer eigenen Smartwatch vor, doch bei den Kunden konnten die schlauen Uhren bislang nicht so recht punkten. Das Galaxy S5, einst ein sicherer Verkaufsschlager, verkaufte sich deutlich schlechter als erwartet - obwohl der Smartphone-Markt nach wie vor schnell wächst. In der Folge brach der Umsatz im letzten Quartal ein, die Gewinne gingen dramatisch zurück. Samsung scheint allmählich die Grenzen seines Wachstums erreicht zu haben, selbst die gigantische Werbeoffensive kann da offenbar nicht mehr viel ausrichten.

Die Situation erinnert an Apple in den vergangenen zwei Jahren. Kurz vor der Vorstellung des iPhone 5 im September 2012 strotzte das wertvollste Unternehmen der Welt vor Kraft. Dann kam die Talfahrt: Die Gewinnmargen sanken, der Börsenwert brach ein. Tim Cook lotste den Konzern durch die Krise, nun befindet sich Apple vor der Einführung des iPhone 6 wieder in Top-Form. Das iPhone 6, so glauben Branchenkenner, könnte Apples größter Erfolg werden - und Samsung im wichtigen Weihnachtsgeschäft stark unter Druck setzen.

Konkurrenz aus Fernost

Doch nicht nur Apple nimmt Samsung in die Zange. Auch im asiatischen Markt verliert Samsung an Boden, vornehmlich an Xiaomi. Der gerade einmal vier Jahre alte Smartphone-Hersteller erobert China im Sturm, im letzten Quartal brachte der Newcomer satte 15 Millionen Smartphones an den Mann, Samsung dagegen nur 13,2 Millionen.

Schon jetzt ist Xiaomi der fünfgrößte Handyhersteller der Welt, Veteranen wie LG hat es längst auf die Plätze verwiesen. Der Grund für den beispiellosen Durchmarsch sind Top-Smartphones zu Schnäppchenpreisen. Das Mi3 etwa bietet eine ähnliche Ausstattung wie Samsungs Galaxy S5, kostet mit 250 Euro aber nur knapp die Hälfte. Warum sollte man dann noch das teure Original kaufen?

Während Apple im oberen Preissegment Marktanteile zurückgewinnt, wird Samsung im Niedrigpreisbereich von einer jüngeren, deutlich flexibleren Form seiner selbst attackiert. „Samsung hat im Moment große Schwierigkeiten“, sagt der Gartner-Analyst Van Baker. „Ich weiß nicht, ob sie etwas in ihrem Arsenal haben, dass das ändern könnte.“ Auch andere Experten sehen schwarz: Bereits im kommenden Jahr könnte Samsungs Marktanteil von 31 auf 25 Prozent fallen.

Samsung braucht Mut

Damit Samsung nicht das gleiche Schicksal wie Nokia oder Motorola ereilt, braucht es auf lange Sicht einen echten Game Changer, sei es ein Durchbruch in der Akku-Technologie oder ein faltbares Display. Die Zeiten, in denen es reichte, die Displays einfach immer ein Stück größer als die Konkurrenz zu machen, sind ab kommender Woche jedenfalls endgültig vorbei.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker