Handy-Tastaturen Trickreich tippen


Das Eingeben von Texten auf dem Telefon ist bislang eine Qual. Mit neuen Designs soll es künftig viel einfacher werden.

Mein Handy hat die Größe einer Hasenpfote und passt ganz ausgezeichnet in die Hosentasche. Wenn ich damit telefonieren möchte, schmiegt es sich angenehm in meine linke Hand, während der rechte Zeigefinger wie ein Bussard über den Ziffertasten kreist, um den gewünschten Knopf ins Visier zu nehmen und zu drücken. Dann aber beginnen die Probleme - nicht nur bei neuen Telefonnummern, sondern vor allem beim Schreiben von Textmitteilungen. Denn das Dilemma der Handyhersteller ist es, immer kleinere Geräte mit immer größeren Farbdisplays plus eingebauter Kamera und weiteren Gimmicks für Leute wie mich bauen zu müssen, deren Finger einfach nicht mit der Technik schrumpfen mögen und die ohne Lesebrille nichts entziffern können. Und mein Dilemma ist es, diese Tastentelefone doch bedienen zu müssen.

Design statt Funktion

Früher war der klassische, rechteckige Nummernblock Standard. Jetzt aber ist Bewegung in den Handymarkt gekommen: Manche Hersteller drapieren die Tasten allein zum Vorteil des Designs wirr um das Display; andere setzen eine "Daumen-Tastatur" ein, die für jeden Buchstaben eine Taste hat und mit den Daumen beider Hände bedient wird - von manchen Zeitgenossen sogar mit Begeisterung.

Während deren Daumen souverän über die winzigen Tasten fliegen, bewegt sich die Evolution über mich hinweg und lässt mich mit meinem Zeigefinger-Suchsystem ratlos zurück. Wie kann etwas für die Eingabe von allem anderen außer Ziffern so völlig Unbrauchbares wie eine numerische Tastatur so eine Erfolgsgeschichte schreiben: 26 Milliarden Textnachrichten wurden - Pi mal Daumen - im vergangenen Jahr über die deutschen Mobilfunknetze versimst. Dabei konnte so eine SMS auf den Handys lange nur mit einer Art Morsecode geschrieben werden. Zweimal die Vier macht ein H, dazu noch einmal die Zwei, zweimal die Fünf je dreimal sowie dreimal die Sechs, und fertig ist das erste "Hallo". Seitdem wurden die Mobiltelefone immer smarter, die Funktionen immer vielfältiger. Fast jedes Handy ist mittlerweile ein Winz-Computer. Aber mit lausiger Tastatur.

Es wird besser, aber noch nicht gut

Es soll besser werden: Siemens etwa stellte auf der Cebit eine virtuelle Tastatur aus rotem Licht vor, die aus dem Mobiltelefon auf eine Tischplatte projiziert wird. Während man auf diesen abgebildeten Tasten schreibt, misst in Fingernagelhöhe ein (harmloser) Laserstrahl die Position des Tippfingers und leitet die so ermittelten Eingaben an das Gerät weiter. Wann das Ding auf den Markt kommen wird, ist noch offen. Bislang kürzen Hilfsprogramme die vertrackt zu tippenden Zahlenkolonnen ab. Dank der populären Texterkennung T9 etwa schreibt sich "Hallo" nur noch mit fünf Ziffern (4-2-5-5-6) statt zwölf. Denn T9 gleicht die getippte Buchstabensuppe während der Eingabe mit dem integrierten Wörterbuch ab und errät das richtige Wort. Meistens.

"T9 lindert nur ein Problem, das eigentlich gar nicht existieren sollte", sagt völlig zu Recht Chris Hare, Chef der US-Firma Digit Wireless. Er rechnet sich für seine "Fastap"-Telefontastatur große Chancen aus. Die verblüffend einfache Idee: Zwischen die Zifferntasten werden 26 kleinere, erhabene Tasten mit den herkömmlichen Buchstaben des Alphabets platziert. In Kanada ist seit kurzem das erste Handy mit Fastap-Tasten auf dem Markt. Und in der Tat scheint hier die ideale Symbiose erreicht, selbst kleinste Mobiltelefone mit einer hinreichend funktionalen Tastatur aufzurüsten. Bis Ende des Jahres, da ist sich Chris Hare sicher, werden die ersten Fastap-Handys auch in Deutschland erhältlich sein.

Sönke Jahn print

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