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Handys: Streiten um den "Blauen Engel"

Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz kritisiert die Handy-Hersteller wegen ihres Boykotts des "Blauen Engels". Diese wiederum halten das Umweltsiegel für "ein völlig falsches Signal".

Zu einem vorsichtigeren Umgang mit Handys hat der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, aufgerufen. Zugleich wandte er sich im Berliner "Tagesspiegel" gegen die Weigerung der Hersteller, strahlungsärmere Handys mit dem Umweltsiegel "Blauer Engel" zu kennzeichnen: "Die Handyhersteller erwecken den Eindruck, als ob ihnen die Brieftasche der Kunden wichtiger wäre als eine einfache Verbraucherschutzinformation."

Auch dem Bundesumweltministerium erscheint der geschlossene Boykott sämtlicher auf dem deutschen Markt vertretener Handy-Hersteller "ärgerlich und unverständlich", wie Ministeriumssprecher Thomas Hagbeck der AP sagte. Nicht nur seien die Hersteller an der Erstellung der Prüfkriterien für das Umweltsiegel beteiligt worden, vor allem aber erfüllten nach Angaben des BfS rund 25 Prozent der auf dem Markt befindlichen Handys ohnehin die strengen Anforderungen des "Blauen Engels".

Wichtigste Voraussetzung für das Umweltzeichen auf Handys ist, dass die im so genannten SAR-Wert gemessene Strahlung 0,6 Watt pro Kilogramm (W/kg) nicht überschreitet. Der von der Strahlenschutzkommission zugelassene Grenzwert liegt dagegen bei 2,0 W/kg und wird von den Handys in Deutschland sämtlich eingehalten.

Die Industrie hält degegen

Der "Blaue Engel" sei ein "völlig falsches Signal", meinte Uwe Kollnick, Vorsitzender des Arbeitskreises „Mobilfunktechnik und Gesundheit“ im Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), der nahezu alle großen Firmen im Mobilfunk-Geschäft vertritt. Das Umweltzeichen gebe vor, dass "irgendein Wert" unter den zugelassenen 2,0 W/kg "gesünder wäre als ein anderer". Insofern seien die verlangten 0,6 W/kg ein "Scheinwert für die Gesundheitsdiskussion". Eine Kennzeichnung von bestimmten Handys mit dem "Blauen Engel" könne manche Kunden glauben machen, die anderen Handys seien gefährlicher, und das sei nach allen bisherigen Untersuchungen nicht der Fall.

Forschungsprogramm läuft

Zur Frage möglicher Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Handys läuft derzeit das bis 2005 angesetzte, sogenannte Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm, das vom Bundesamt für Strahlenschutz betreut wird und einen Gesamtumfang von 17 Millionen Euro hat, wie Ministeriumssprecher Hagbeck erklärte. Finanziert wird es je zur Hälfte von den Herstellern und dem Ministerium. Danach gibt es bislang keinen Beweis für gesundheitliche Schäden durch Handys. "Aber es gibt Ängste und es gibt Hinweise, denen man nachgehen muss", sagte Hagbeck.

Frage nach Langzeiteffekten

Besonders auch die Frage möglicher Langzeiteffekte soll bei den Untersuchungen geklärt werden, wie das Bundesamt erklärte. Jugendliche und junge Erwachsene, die mit einem Anteil von über 90 Prozent Handys am intensivsten nutzten, würden die mobilen Kommunikationsmittel vermutlich noch ihr ganzes Leben lang verwenden und seien damit möglichen Gefahren besonders stark ausgesetzt.

Empfehlungen vom BfS

Solange wissenschaftliche Unsicherheiten nicht völlig ausgeschlossen seien, seien Vorsorgemaßnahmen "wichtig und angemessen", betonte das Bundesamt für Strahlenschutz auf seiner Homepage. Dazu raten die Strahlenschützer einerseits, die Strahlungsintensität zu verringern. Andererseits sollte die Zeit verringert werden, die man der Strahlung ausgesetzt ist. Praktisch heißt das, dass man möglichst viel über das Festnetz telefonieren sollte. Telefonate per Handy sollten möglichst kurz und mit einem Kopfhörer (Head-Set) geführt werden und bei schlechtem Empfang oder aus geschlossenen Autos ohne Außenantenne gar nicht erfolgen. Außerdem sollte man den Verbindungsaufbau abwarten, weil das Handy gerade dann mit maximaler Leistung sende.

Angelika Bruder, AP / AP