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Huawei auf dem Mobile Word Congress: Das chinesische Super-Smartphone

Huawei hat auf dem Mobile Word Congress das Ascend P2, ein weiteres Oberklasse-Smartphone, vorgestellt: Die Chinesen wollen nach oben, vorbei an Apple und Samsung. Ihre Stärke: der Preis.

Von Ralf Sander, Barcelona

Es klingt ein wenig bockig, wenn Amy Lou erzählt, wie schwer es war, als ihr Arbeitgeber Huawei beschloss, vom reinen Telekommunikationsausrüster auch zum Handyriesen zu werden. "Überall nur verschlossene Türen. Wir mussten das Unmögliche möglich machen." Menno! Doch Lous Rede, die sie zu Beginn der Huawei-Pressekonferenz auf dem Mobile World Congress in Barcelona hält, ist mehr als reines PR-Geklingel. Wo sonst blumig die Vorzüge der eigenen Produkte besungen werden, sind Lous Ansagen glasklar: "Unsere Marke wird so mächtig werden wie die Großen hier auf der Messe." Und: "Wir werden eine weltweite Topmarke." Mit dieser Kampfansage offenbart sie aber auch Huaweis Hauptproblem: Den Namen kennt außerhalb Chinas kaum jemand, seine Strahlkraft ist nicht vergleichbar mit der von Apple oder Samsung.

Trotz dieses Makels hat sich Huawei gerade zum weltweit drittgrößten Smartphonehersteller hinter Samsung und Apple vorgearbeitet. Das gute Preis-/Leistungsverhältnis der Huawei-Smartphones trägt an diesem Erfolg einen gehörigen Anteil. Als Ende 2011 Huawei sein erstes Smartphone für 99 Euro in Deutschland auf den Markt brachte, war nicht nur der stern.de-Tester verblüfft angesichts seiner der Qualität. Seitdem wurde das Portfolio bis in die Oberklasse ausgebaut.

Ascend P2 – (theoretisch) ein Raser

Die Pressekonferenz widmet Huawei dann auch ganz dem neuen Angreifer gegen Appless iPhone 5 und Samsungs Galaxy S3. Das Ascend P2 wird (mal wieder) als das "schnellste Smartphone der Welt" bejubelt. Gemeint ist damit allerdings nicht die Rechenleistung, sondern seine Datenübertragungsleistung: Das P2 unterstützt den schnellen Datenfunk LTE in der Ausbaustufe Cat 4, die theoretisch Downloads mit 150 Mbit pro Sekunde ermöglicht. Das wäre rund ein Drittel schneller als das iPhone 5 – wenn der Mobilfunkanbieter die Technik denn unterstützt.

Ansonsten steckt hinter dem 4,7-Zoll-Display ein Quadcore-Prozessor mit 1,5 Ghz, eine 13-Megapixel-Kamera und ein für diese Gehäusegröße üppiger Akku mit 2420 mAh. Zur weiteren Ausstattung gehören NFC, ein Kameraknopf, HDR bei Foto und Video und 16 Gigabyte Speicher. Der Bildschirm hat mit 1280 x 720 Pixeln eine gute Auflösung, überlässt die Full-HD-Krone aber seinem bereits im Januar vorgestellten 5-Zoll-Bruder Ascend D2. Das P2 versteckt die ganze Technik in einem einteiligen Gehäuse, das nur 8,4 Millimeter dick ist. Schlanke 122 Gramm soll es wiegen. Das ganze Paket lotet zwar nicht die Grenzen des technisch Machbaren aus – kostet dafür aber auch nur 399 Euro. So günstig kommt man selten in die Smartphone-Oberklasse. Diese Preise kann Huawei unter anderem deshalb erzielen, weil im Inneren der Telefone viel selbst entwickelte Technik steckt.

Unsichtbarer Riese

Bis Huawei vor wenigen Jahren war das Unternehmen aus der südchinesischen Industriemetropole Shenzhen ein für Verbraucher unsichtbarer Riese gewesen. Der 1987 gegründete Konzern ist inzwischen – hinter Ericsson aus Schweden - der zweitgrößte Hersteller für Netzwerk- und Telekommunikationstechnik, vom einfachen Router bis zum Mobilfunkmast. Mit nach eigenen Angaben mehr als 110.000 Mitarbeitern und einem Nettogewinn von 1,85 Milliarden Dollar stellt Huwei das größte chinesische Privatunternehmen dar.

Vorwürfe und Angst

Solche Größe, dazu aus China – das provoziert Kritik, auch Angst. In der Vergangenheit wurden immer wieder Vorwürfe wegen Patentrechtsverletzungen laut. Einige Mitbewerber äußerten den Verdacht, Huawei erhalte vom chinesischen Staat besonders günstige Kredite. Und im vergangenen Jahr warnte der US-Kongress vor Huawei und dem ebenfalls chinesischen Telekommunikationsunternehmen ZTE als Sicherheitsrisiko: In deren Technik könnten Einfallstore für Hacker und Spione eingebaut sein, hieß es in einem Bericht, wenn die Firmen nicht sogar selbst spioniert hätten. Zumindest der Spionagevorwurf wurde nach einer Untersuchung des US-Präsidialamts fallen gelassen, die Warnung vor den Sicherheitslücken aber aufrechterhalten. Und dass Firmengründer Ren Zhengfei früher Offizier der chinesischen Armee war, lässt den Argwohn auch nicht schwinden.

Kampf ums Image

Huawei selbst weist alle Vorwürfe kategorisch von sich. Solche Geschichten kommen für das Unternehmen zur Unzeit, weil es gerade versucht, beim Konsumenten bekannt, glaubwürdig und cool zu werden. Huawei reagiert mit einer PR-Offensive, verspricht Transparenz und lädt Journalisten ins Hauptquartier ein. Obwohl Huawei vor allem in den aufstrebenden Ländern in Asien und Afrika Millionen günstige Geräte verkauft, kämpft Huawei in den westlichen Ländern um sein Image – um Apple und Samsung überall anzugreifen. Auch dort, wo sie am stärksten sind. Der Firmenname bedeutet übrigens: "China kann was."