VG-Wort Pixel

Neue Features und mehr Plötzlich im Whatsapp-Chat: Mark Zuckerberg verrät persönlich, wie's mit dem Messenger weitergeht

Frau mit Handy, Whatsapp Logo
Whatsapp ist nach wie vor der beliebteste Messenger (Symbolbild)
© Whatsapp und mdphoto16 / Getty Images
Was kommt als nächstes bei Whatsapp? Darüber ist der Blog WABetaInfo meist bestens informiert. Die neuesten Infos zu verschwindenden Nachrichten und anderen kommenden Features des Messengers haben aber eine noch zuverlässigere Quelle als sonst: Facebook-Chef Mark Zuckerberg persönlich.

Ob  das Stories-Feature oder die Anruf-Funktion: Kam bei Whatsapp ein großes, neues Feature, konnte man darüber meist zuerst beim Blog WABetaInfo lesen. Doch die neuen Informationen im jüngsten Blogpost musste der anonyme Betreiber nicht wie sonst üblich selbst aus den Tiefen der Whatsapp-Testversionen heraussuchen. Stattdessen wurden sie ihm von Facebook-Chef Mark Zuckerberg persönlich in den Blog diktiert.

Damit hatte der nur unter seinem Blognamen bekannte Betreiber nicht gerechnet. Er war, zu seiner eigenen Überraschung, von Whatsapp-Chef Will Cathcart kontaktiert worden. In einem Gruppenchat tauschten die beiden zunächst Nettigkeiten aus. Dann kam die für WABetaInfo unerwartete Wendung. "Lass mich kurz jemanden in den Chat holen, der dir ein bisschen mehr dazu sagen kann", antwortete Cathcart auf die Frage nach neuen Funktionen - und fügte den Facebook-Chef persönlich dem Chat hinzu.

Menschelnder Zuckerberg

Der gab sich ungewohnt menschlich. "Hey WABetaInfo, sehr nett dich zu treffen", stieg Zuckerberg in das Gespräch ein. "Es ist ein bisschen merkwürdig, nur mit einem Logo zu sprechen. Niemand weiß, wer du bist oder wie du aussiehst", so Zuckerberg - und nutzte das sogar als Vorlage, sich mit einem Witz über sich selbst nahbarer zu machen. "Manche Leute behaupten, du seist ein Roboter. Das höre ich aber auch öfter", witzelte er in Anspielung an zahlreiche Internetmemes, die Zuckerberg wegen seiner sehr monotonen Sprechweise und geringen Mimik mit dem Androiden Data aus der Neunziger-Serie "Star Trek: The Next Generation" gleichsetzen. 

Dann ging es aber ans Eingemachte. Denn natürlich war der Chef des größten sozialen Netzwerkes der Welt nicht zum Plaudern gekommen, sondern hatte auch etwas loszuwerden: Ihm ging es um Whatsapp und die Wahrnehmung zur Privatsphäre des Messengers. "Ich hatte vor einigen Jahren ausführlich unsere Vision zum Aufbau einer Privatsphäre-orientierten sozialen Plattform aufgeschrieben", erklärt Zuckerberg. "Das alles fußt auf den privaten Nachrichten als wichtigste Interaktion der Nutzer. Daher glauben wir, dass Nachrichten Ende-zu-Ende verschlüsselt sein sollten. Und falls du sie nicht haben willst, sollten sie verschwinden."

Flüchtiges Whatsapp

Die Funktion, die bei anderen Messenger wie Signal längst vorhanden ist, wurde auch von Facebook und bei Whatsapp immer mal wieder testweise angeboten. Nun soll sie weltweit als vollwertiges Feature in den Messenger kommen, verkündete Zuckerberg. Wer sich nun wundert, weil die Funktion längst für einzelne Chats aktivierbar ist: Mit der Neueinführung soll man Whatsapp ganz allgemein so nutzen können, dass sich jeder Chat automatisch um Nachrichten bereinigt, die älter als sieben Tage sind. "Whatsapp wird so zu quasi zu einer flüchtigen Erfahrung", schwärmt Zuckerberg.

Dass das nicht zufällig an eine der Funktionen erinnert, die damals den Konkurrenten Snapchat groß machten, zeigt das nächste von Zuckerberg bestätigte Feature: Wie schon bei Instagram kann man auch bei Whatsapp bald Bilder und Videos nur ein einziges Mal ansehbar machen. Danach löschen sie sich automatisch. "All das soll Whatsapp-Nachrichten noch privater und sicherer machen!", so Zuckerberg.

Erst auf Nachfrage gibt es dann noch ein kleines Bonbon obendrauf: "Und was ist mit mehreren Geräten?", fragt der WABetaInfo, nachdem er sich brav für die exklusive Bestätigung der neuen Features bedankt hat. "Ja, das kommt auch bald", bestätigt Zuckerberg unverhofft. Der Blogger fragt nach: "Ich kann dann also denselben Whatsapp-Account auf mehreren Geräten nutzen, ohne eine aktive Internetverbindung auf meinem Hauptgerät zu haben?" Bisher spiegelte der Messenger seine Chats im Web-Dienst etwa nur vom Smartphone, das musste eingeschaltet und mit dem Netz verbunden sein.  "Yup", bestätigt Zuckerberg. Das sei eine große technische Herausforderung gewesen, weil die Synchronisation der Nachrichten und der Akkuverbrauch eine hohe Hürde darstellten. "Aber das haben wir gelöst." 

Neue Features und mehr: Plötzlich im Whatsapp-Chat: Mark Zuckerberg verrät persönlich, wie's mit dem Messenger weitergeht

Whatsapps Ruf hat gelitten

Dass Zuckerberg sich zur Privatsphäre des Messengers äußert und dafür ausgerechnet den anonymen Blogger als Gesprächspartner der Wahl herauspickt, ist natürlich kein Zufall. Nach dem Desaster um die mehrfach verschobene Einführung zu den neuen Benutzungsrichtlinien (hier erfahren Sie mehr dazu) ist der Ruf des Messengers in den letzten Wochen in den Keller gerauscht. WABetaInfo hatte sich mehrfach öffentlich hinter Whatsapp gestellt, den Messenger gegen falsche Vorwürfe verteidigt, er wolle seine Nutzer nun noch mehr überwachen. 

Das verlorene Vertrauen zeigt sich darin, dass sich immer mehr Menschen den Konkurrenten Signal herunterladen. Neben der besten Verschlüsselung der Branche - auch Whatsapp nutzt die Signal-Verschlüsselung - kann der auch mit zahlreichen Privatsphäre-Features punkten . Indem Whatsapp die Funktionen kopiert, erhofft man sich vermutlich, die Bedenken der Nutzer gegenüber dem Messenger wieder beruhigen zu können.

Für Facebooks Datensammlung macht das indes wenig Unterschied. Das Interessanteste an Whatsapp-Chats ist für den Konzern weniger der Inhalt als die sogenannten Metadaten, etwa die Information, wer wann mit wem schreibt. Schickt man nur gelegentlich mal während der Arbeitszeit eine Nachricht hin und her, hat man eine andere Beziehung als Personen, die sich regelmäßig abends in derselben Wohnung aufhalten und auch mal nachts per Videoanruf telefonieren, erklärte Sicherheits-Forscher Paul Rösler dem stern. "Wer in einer Sankt-Pauli-Gruppe ist, in einer Kita-Gruppe oder einer mit dem Namen Handball-Stammtisch – das lässt sich für Facebook sofort aus dem Gruppen-Namen erkennen und entsprechend auswerten. Ein weiterer Aspekt sind weitergeleitete Nachrichten und Bilder. Auch hier kann Facebook verfolgen, wer sie wann teilte. Auch wenn der Inhalt der Nachrichten selbst nicht bekannt ist, verrät das viel über die Nutzer." Das gilt auch dann, wenn sich die Nachrichten danach wieder löschen.

Quelle: WABetaInfo


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker