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Smartphones, Fernseher, Festplatten: Lager voll: Samsung wird seine Produkte nicht los

Samsung ist der größte Elektronikhersteller der Welt. Die Südkoreaner bauen beinahe alles, vom Kühlschrank bis zum Fernseher. Doch offenbar laufen die Geschäfte nicht mehr so gut - und die Lager bleiben voll.

Samsung Galaxy S6 Edge

Das Galaxy S6 Edge von Samsung

Kühlschränke, Kameras, Fernseher, Waschmaschinen, Smartphones, Lautsprecher: Wenn man durch einen Elektronikfachmarkt geht, stehen Produkte von Samsung in jeder Abteilung. Es gibt kaum ein Geschäftsfeld, in dem die Südkoreaner nicht aktiv sind - Samsung ist sogar der drittgrößte Schiffsbauer der Welt. In den letzten Jahren verzeichnete Samsung einen beispiellosen, globalen Aufstieg. Bei den Fernsehern heimst man regelmäßig Spitzenplatzierungen ein, die Galaxy-Geräte sind für viele Nutzer der Inbegriff eines Android-Smartphones.

Samsungs Lager sind voll

Doch der Erfolg scheint zu bröckeln: Wie der taiwanische Branchendienst "DigiTimes" berichtet, platzten Samsungs Lager im dritten Quartal des Jahres 2015 aus allen Nähten. Demnach befinden sich Waren im Wert von 19,2 Milliarden US-Dollar in den Lagerhallen des Unternehmens. Dieser Zustand ist alles andere als wünschenswert, da die Lagerkosten hoch sind und Produkte sowie Bauteile in der schnelllebigen Branche nach kurzer Zeit technisch veralten. Ursache für den Lagerstau soll die schwierige wirtschaftliche Lage in vielen Teilen der Welt sein, heißt es in einem Bericht des koreanischen Magazins "Digital Times", auf den sich wiederum "DigiTimes" in seiner Analyse bezieht.

Für Samsung besonders bitter: Die hohen Lagerbestände umfassen nicht nur Komponenten, die für die Gerätefertigung benötigt werden, sondern auch fertige Produkte. Die Bauteile stammen vornehmlich aus den Sparten Fernseher, Smartphones und Speicherprodukte, zu letzteren gehören etwa Festplatten  oder SD-Karten. Grund dafür sei die gesunkene Nachfrage in diesen Bereichen, schreibt "DigiTimes". Auch Samsungs interner Kapitalfluss soll dem Bericht zufolge um rund 40 Prozent gesunken sein.

Rabattaktionen für die Kunden

Die Entwicklung ist nicht überraschend. Samsung kämpft wie viele andere Mitbewerber auch (unter anderem LG und Sony) auf sich ständig verändernden Märkten. Die Smartphone-Branche, einst der Umsatztreiber Nummer eins, ist zum kleinen Problemfall geworden. Obwohl Samsung im vergangenen Quartal so viele Geräte verkaufte wie noch nie - unglaubliche 84,5 Millionen Smartphones -, steigen die Erlöse nicht im gleichen Maß. Und neue Konkurrenten, vornehmlich aus China, erhöhen den Druck im Einsteiger- und Mittelklassesegment noch weiter.

Der Konzern hat bereits reagiert und die Strategie angepasst. Seine Top-Smartphones promotete Samsung zuletzt mit großflächigen Rabattaktionen. Vor wenigen Wochen bekamen Käufer des Galaxy S6 einen Gratis-Lautsprecher im Wert von 350 Euro dazu. Wer derzeit ein Galaxy S6 kauft, bekommt nun ein zweites Smartphone (Galaxy Grand Prime) im Wert von 180 Euro geschenkt. Vermutlich ist es nicht die letzte Aktion im Weihnachtsgeschäft.

Es gibt noch Hoffnung

In anderen Geschäftsfeldern hat Samsung stattdessen nun endgültig das Handtuch geworfen: Wegen enttäuschender Absatzzahlen ziehen sich die Südkoreaner in den kommenden Monaten in Deutschland aus dem Kamera-Geschäft zurück. Auch das kommt nicht unerwartet: Trotz hoher Marketingsausgaben und technischer Innovationen schaffte es Samsung nicht einmal in die Top 3 der Kamera-Branche.

Zuletzt konnte Samsung aber wieder einige Erfolge einfahren: Im vergangenen Quartal stiegen Umsatz und Gewinn wieder, vor allem die Zulieferersparte profitierte. Mit seiner Halbleiter- und Bildschirmindustrie ist Samsung zu einem der wichtigsten Partner für zahlreiche Hersteller geworden. Auch Apple lässt seine iPhone-Prozessoren bei Samsung fertigen. Bei Samsung läuft es also auch gut, wenn die Konkurrenten Erfolg haben.