UMTS Tempo zum Luxustarif


Von der neuen Handy-Technik UMTS profitiert derzeit nur, wer unterwegs schnell online sein muss. Das allerdings ist teuer.

Endlich: UMTS ist da! Vodafone, T-Mobile und O2 haben vier Jahre nach der milliardenschweren Versteigerung der Lizenzen ihre Mobilfunknetze der dritten Generation in Betrieb genommen. E-Plus folgt im Juni. Die Auswahl an UMTS-Handys ist noch so knapp wie früher das Autosortiment in der DDR: Nur das Samsung Z105 und das Nokia 7600 sind zu haben. Mit beiden kann man natürlich mobil telefonieren - wie mit der bisherigen Handy-Generation auch. Eigentlich kann man mit UMTS jetzt auch videotelefonieren - aber das von T-Mobile angebotene Nokia beherrscht das noch nicht. Ideal ist der Dienst allein für Datenreisende, die unterwegs mit ihrem Notebook online gehen wollen. Denn das im Vergleich zum bisherigen Mobilfunkstandard GSM erheblich größere Übertragungstempo erlaubt dem Nutzer einen mobilen Internetzugang, der sich fast wie eine DSL-Verbindung anfühlt.

Es gibt nur einen kleinen Teil

Aber nur fast, denn von der technisch möglichen UMTS-Bandbreite von zwei Megabit pro Sekunde versprechen die Anbieter ihren Kunden gerade einmal 384 Kilobit pro Sekunde. Das ist immerhin noch das Sechsfache einer ISDN-Verbindung im normalen Telefonnetz und sogar beinahe achtmal schneller als der bislang für Mobiltelefone verfügbare GPRS-Datendienst.

Online bringen lässt sich ein Notebook via Bluetooth-Funk mit dem Nokia 7600 oder per USB-Datenkabel mit dem Samsung Z105. Noch eleganter für eine UMTS-Spritztour per Mobilcomputer ist aber eine UMTS/GPRS-Laptop-Card. Kosten: 150 Euro bei T-Mobile, 360 Euro bei Vodafone, 330 bei O2 oder 200/350 bei E-Plus. Diese Karte wird in den PC eingesteckt, sie kann aber ausschließlich Daten übertragen und nicht telefonieren.

Zeit oder Volumen?

Dennoch heißt es für den Notebook-Besitzer, der mit UMTS schnurlos online gehen will, nur eingeschränkt "Leinen los". Denn das mobile Surfvergnügen rangiert preislich eher im Bereich einer Luxuskreuzfahrt. Im Angebot sind entweder Tarife, bei denen nach Verbindungszeit oder nach übertragenem Datenvolumen abgerechnet wird. Im UMTS-"Inklusivpreis"(zwischen zehn und 110 Euro) sind entweder zwei, zehn, 30 oder 100 Freistunden enthalten oder wahlweise zehn, 50, 150 oder 500 Megabyte (MB) Datenvolumen. Zusätzliche MB oder darüber hinausgehende Zeiteinheiten kosten zwischen 90 Cent und 2,20 Euro. Zum Vergleich: Im DSL-Festnetz bewegen sich sowohl MB- wie Minutenpreise zwischen einem und eineinhalb Cent. Moderne Webseiten übertragen mit darin enthaltenen Bildern, Bannerwerbung und Infografiken durchaus schon bis zu einem Megabyte pro Aufruf - da läppert sich schnell was zusammen.

UMTS hat zudem weitere Probleme: Zwar soll das Netz dem Vernehmen nach weiter ausgebaut werden, flächendeckend aber wird es wahrscheinlich niemals sein. Die Netzbetreiber setzen auf eine Kombination aus UMTS und dem im traditionellen Handynetz verfügbaren Datendienst GPRS. Rund um die Ballungszentren wird nach und nach UMTS verfügbar sein, in dünn besiedelten Gebieten muss weiterhin das langsame GPRS genutzt werden - allerdings zu UMTS-Preisen.

Und dann lauert da noch W-LAN...

Wenn es richtig schnell drahtlos online gehen soll, kommt noch das Funknetz W-LAN hinzu, das technisch gar nichts mehr mit Mobiltelefonen zu tun hat. Es wird immer öfter über "Hotspots" etwa in Hotels, Wartehallen und an Autobahntankstellen angeboten. Moderne Notebooks enthalten die W-LAN-Technik bereits - oder sie lassen sich mit Zusatzgeräten nachrüsten. Zugang gewähren die meisten Hotspots natürlich auch nur gegen Gebühr.

Sönke Jahn print

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