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Messenger Whatsapp-Gründer übernimmt Chefposten bei Signal

Signal-App neben Whatsapp-Messenger
Auch wenn die Mehrheit noch immer Whatsapp nutzt, gilt Signal als sichere Alternative.
© Zacharie Scheurer / Picture Alliance
Der Milliardär und Whatsapp-Mitgründer Brian Acton investierte vor vier Jahren 50 Millionen US-Dollar in die Entwicklung des Signal-Messengers. Nun übernimmt er zunächst übergangsweise den Posten als CEO. Was ändert sich dadurch?

Eine der beliebtesten Whatsapp-Alternativen bekommt einen neuen Chef: Nachdem der bisherige CEO Moxie Marlinspike zum Jahresbeginn überraschend sein Amt niederlegte, übernimmt nun Whatsapp-Mitgründer Brian Acton den Job als Interim-CEO. Beide wollen sich auf die Suche nach einem Nachfolger machen, auch wenn Signal schon jetzt einen echten Experten an Bord hat.

Acton, der 2009 mit Jan Koum das Unternehmen Whatsapp gründete und den Messenger nur fünf Jahre später für 19 Milliarden US-Dollar an Meta (damals Facebook) verkaufte, eignet sich hervorragend als Galionsfigur im Kampf gegen seine eigene Schöpfung. An Meta übte er seit dem Verkauf mehr als einmal scharfe Kritik.

Warum genau Acton Facebook verließ, ist zwar im Detail nicht bekannt. Es dürfte aber mit den Entscheidungen des Konzerns zur Zukunft des Messengers zusammenhängen. Und Acton scheint der Abgang wichtig gewesen zu sein: Mit ihm verzichtete er auf 850 Millionen Dollar an ausstehenden Aktienoptionen - und das nur wenige Monate, bevor sie verfügbar gewesen wären.

Auch dass er ausgerechnet das für seinen Schutz der Privatsphäre bekannte Signal als neue Heimat wählte, dürfte bezeichnend sein. Acton meint es mit dem auf Verschlüsselung spezialisierten Messenger Signal ernst: 2018 stieg er mit einer Investition von 50 Millionen US-Dollar in die Signal Foundation ein und wurde Vorstandsvorsitzender. Insgesamt erhielt die Stiftung mehr als 100 Millionen US-Dollar von ihm. Der Verzicht auf hunderte Millionen US-Dollar und die Finanzierung eines Konkurrenzproduktes zeigen deutlich, wie wichtig es Acton sein muss, das – teilweise – von ihm geschaffene Monster zu erlegen.

"Benutzt Signal" - Elon Musk

Der Signal-Messenger gilt oftmals als Mittel der Wahl, wenn es um den Umstieg von Whatsapp geht. Im Frühjahr 2021 erfuhr Signal zuletzt einen starken Zustrom neuer Nutzer, da der Messenger aus dem Hause Facebook mit neuen Datenschutz-Bestimmungen für viel Aufsehen und Kritik sorgte. Ein Tweet von Tesla-Chef Elon Musk brachte den Service kurzzeitig sogar zum Erliegen, da er die Nutzung von Signal explizit empfahl.

Im Blog des Unternehmens schrieb der scheidende Chef, dass er nach zehn Jahren Arbeit an Signal entschieden habe, dass es an der Zeit sei, den Posten zu räumen. Marlinspike programmierte den Messenger nach eigenen Angaben anfangs zu großen Teilen im Alleingang und brachte die Signal Foundation auf heute immerhin 30 Mitarbeiter.

In welche Richtung sich der verschlüsselte Messenger nun bewegt, bleibt offen. Ein Nachfolger, sollte es ihn oder sie überhaupt geben und Acton den Posten nicht behalten, ist noch nicht in Aussicht. Zuletzt sah sich Signal einiger Kritik ausgesetzt, denn als Bestandteil des Messengers kam eine Zahlungsfunktion hinzu, die mit der Kryptowährung Mobilecoin arbeitet. 

Diese neue Funktion, die mit dem Verfassen und Empfangen von Nachrichten nichts zu tun hat, gefährdet nach Ansicht einiger IT-Sicherheitsexperten die Verschlüsselung der App. Die Theorie: Wo mit anonymen Kryptowährungen gehandelt werden kann, sind Anwender mit kriminellen Absichten nicht weit. Das könne Behörden provozieren und ein gesetzlich erzwungenes Ende verschlüsselter Kommunikation beschleunigen, so die Befürchtung.

Es bleibt spannend, ob Acton, der sich stets als prominenter Befürworter von Datenschutz und Sicherheit präsentierte, zeitnah auf die Bedenken der Anwender reagiert und Signal im Sinne der Verschlüsselung zurückbaut.

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