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Klimawandel Studie: Computer und Internet mindestens so klimaschädlich wie Flugverkehr

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Wir benutzen täglich Computer und Internet. Doch der Fußabdruck der IT-Branche ist nicht klein und könnte größer werden, warnen Forschende.
© Dean Mouhtaropoulos / Getty Images
Klimaaktivist:innen kritisieren oft den Flugverkehr als CO2-Schleuder und fordern Einschränkungen oder Verbote von Flügen. Eine britische Studie hat nun den CO2-Fußabdruck von Computern und Internet untersucht – und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Dass das Fliegen im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln umweltschädlicher ist, ist bekannt. Eine Studie aus Großbritannien fand nun heraus: Etwas ganz Alltägliches wie das Internet oder Computer haben mindestens einen gleichgroßen oder sogar einen größeren CO2-Abdruck als der gesamte Flugverkehr weltweit.

Zu diesem Ergebnis kommen mehrere Forschende, die nicht nur ermittelt haben, wie viel CO2 durch den Betrieb von Computern und Internet freigesetzt werden, sondern auch wie hoch der Kohlenstoff-Ausstoß bei der Förderung von Rohstoffen, der Produktion und der Verschrottung der Geräte ist.

CO2-Ausstoß der IT schätzungsweise bis zu vier Prozent

Schätzungsweise 1,8 bis 2,8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen werden demnach durch den Betrieb von Internet und Computern verursacht. "(…) bereinigt um die Kürzung von Lieferkettenpfaden stellen wir fest, dass dieser Anteil tatsächlich zwischen 2,1 Prozent und 3,9 Prozent liegen könnte", schreiben die Wissenschaftler:innen.

Das wäre klimaschädlicher als der weltweite Flugverkehr – wobei der CO2-Anteil sich je nach Quelle unterscheidet. Laut dem Datenportal Statista lag der Anteil des Flugverkehrs an den weltweiten CO2-Emissionen im Jahr 2018 bei 3,01 Prozent.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur erreichte der CO2-Ausstoß des Luftverkehrs 2019 etwa 2,8 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Und laut dem Datenportal "Our World in Data" lag der CO2-Anteil der Luftfahrt im Jahr 2018 bei 2,5 Prozent.

CO2-Fußabdruck der IT könnte steigen

Geht man also von der höchsten Schätzung aus (3,9 Prozent), so sind Computer und Internet laut der britischen Studie klimaschädlicher. Allerdings bewegen sich die CO2-Werte des Flugverkehrs im Rahmen des CO2-Ausstoßes von Internet und Computern (2,1 bis 3,9 Prozent), den die Forschenden ermittelt haben.

Die Autor:innen der Studie befürchten aber, dass der CO2-Fußabdruck von der IT noch größer werden könnte. Alle Analysten der Studie seien sich einig, dass sich die Emissionen, die von Computern und Internet verursacht werden, ohne große politische und industrielle Anstrengungen nicht verringern werden könnten. Nicht alle Zusagen der Branche seien ehrgeizig genug und es mangele an politischen Mechanismen zur Durchsetzung der Einhaltung der Klimaziele.

Studie: IT-Branche muss mehr tun

Die Forschenden befürchten außerdem eine Art Boomerang-Effekt: Durch mehr Effizienz in der IT-Industrie würden Produkte billiger, wodurch die Nachfrage steige. Auch der weltweite Datenverkehr sowie der Energieverbrauch der Geräte würde zunehmen. Die IT-Branche müsse daher ihren CO2-Ausstoß stärker begrenzen. Ein Weg dazu sei die Nutzung von erneuerbaren Energien bzw. grünem Strom.

"Mit Blick auf die Zukunft sind wir besorgt, dass sich dieses Emissionswachstum zu einer Zeit fortsetzen wird, in der die Emissionen sinken müssen. Alle in diesem Bericht geprüften Analysen stimmen darin überein, dass die IKT nicht auf dem Weg ist, Emissionen im Einklang mit den Empfehlungen der Klimawissenschaft zu reduzieren, es sei denn, die Branche oder der Gesetzgeber ergreifen zusätzliche Maßnahmen, um dies sicherzustellen", heißt es in der Studie.

Quellen: "The real climate and transformative impact of ICT: A critique of estimates, trends, and regulations", Deutschlandfunk Nova, Statista, Our World in Data, IEA

rw

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