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70 Jahre Fotokopie: Durchbruch ohne Durchschlag

Vor 70 Jahren wurde der Fotokopierer erfunden; doch bis die ersten Geräte in den Handel kamen, vergingen zwei Jahrzehnte. Riesen wie IBM sahen keinen Bedarf. Nur eine winzige Firma schlug zu - und wurde so zur Weltmarke. Die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolgs.

Von Karsten Lemm

Gibt es Diplomarbeiten, die ohne ihn entstehen? Bücher? Spesenabrechnungen? Steuererklärungen? Hätte ihn keiner ersonnen, müssten wir mühsam per Hand abschreiben, was uns interessiert, Durchschläge nutzen oder sonstwie versuchen, ohne den schnellen Tastendruck auszukommen, der ruckzuck und ganz bequem aus einem Dokument zwei macht oder drei oder auch 3000. Umweltschützer mögen seinen Beitrag zum drastisch gestiegenen Papierbedarf beklagen, schließlich werden allein seinetwegen in diesem Jahr mehr als drei Billionen Blatt verbraucht, schätzt der Marktforscher Infotrends - doch klar ist: Ohne Fotokopierer wäre unser Leben ein ganzes Stück beschwerlicher.

Und doch mühte sich sein Erfinder lange Zeit vergeblich, Interessenten zu finden für das neue Prinzip des Vervielfältigens mit Licht und Strom, das er sich ausgedacht hatte. Erst 21 Jahre nach der ersten Fotokopie stellte eine bis dahin praktisch unbekannte Firma namens Xerox den modernen Fotokopierer vor. Bald darauf war ihr Name in aller Munde: Xerox wurde in Amerika zum Inbegriff der Fotokopie, ähnlich wie Tempo in Deutschland für das Taschentuch und Google heute für die Internetsuche. Der Mann, mit dem alles anfing, hielt sich dagegen im Hintergrund: "Ich bevorzuge die Anonymität", ließ Chester Carlson einmal wissen.

Den Sohn eines Friseurs aus Seattle verschlug es in den 1930er Jahren nach New York, wo er eine Stelle als Patentanwalt gefunden hatte. Das hätte ihm reichen können, vor allem in der Großen Depression, doch Carlson wollte mehr: "Ich lebte von der Hand in den Mund und hatte gerade geheiratet", erzählte er später. Es ging ihm nicht schnell genug voran, also dachte er sich, mit einer eigenen Erfindung könnte er "zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Es wäre eine Chance, für die Welt etwas Gutes zu tun, aber auch für mich selbst."

Mangel an Blaupausen

Im Büro fiel Carlson auf, dass bei Patent-Dokumenten ständig ein Mangel an Blaupausen herrschte. Das gab ihm die Idee, eine Alternative zum Kohle-Durchschlagspapier zu entwickeln. Monatelang pilgerte Carlson nach der Arbeit in die New York Public Library und fraß sich in der Bibliothek durch Bücher über fotografische Prozesse. Es half, dass er vor seiner Anwaltskarriere eine Weile Chemie und Physik studiert hatte. Seine Aufmerksamkeit galt bald dem noch wenig bekannten Gebiet der Foto-Leitfähigkeit: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, ändern sich ihre elektrischen Eigenschaften. Carlson fing an, in der heimischen Küche mit Schwefel zu experimentieren - sehr zum Leidwesen seiner Frau, doch mit Erfolg: Im September 1937 meldete der ambitionierte Anwalt und Tüftler ein Patent zur "Elektrofotografie" an.

"Ich wusste, dass ich eine gewaltige Idee an der Angel hatte", sagte Carlson später. "Die Frage war, ob ich sie würde bändigen können." Um den Hausfrieden zu wahren, mietete er im Nachbarviertel Astoria in Queens ein Zimmer, in dem er weiterforschen konnte. Am 22. Oktober 1938 gelang Carlson dort die erste moderne Fotokopie - unterstützt von seinem Assistenten, dem vor den Nazis geflohenen jungen Physiker Otto Kornei. Um eine elektrostatische Ladung zu erzeugen, nahm Kornei ein Stofftaschentuch und rieb es kräftig an einer mit Schwefel beschichteten Zinkplatte. Als Toner diente Bärlapp, und nach einigen Sekunden unter einer hell strahlenden Lampe blieb tatsächlich genug davon hängen, um eine Kopie zu erzeugen. Gut lesbar stand dort: "10-22-38 ASTORIA" - Datum und Ort des Versuchs.

Klinkenputzen bei der Industrie

"Wir wiederholten das Experiment einige Male, um uns zu versichern, dass es tatsächlich geklappt hatte", erinnerte sich Carlson später, "und dann gingen wir Mittag essen, um zu feiern." Die Freude mochte berechtigt sein, aber sie kam zu früh: Mehr als 20 Firmen ließen den stolzen Erfinder abblitzen, darunter IBM und General Electric. Keiner sah einen Markt für die neue Kopiertechnik, die zudem noch unausgereift war. Selbst der National Inventors Council, eine Erfinder-Vereinigung, sah in Carlsons Idee kein Potential. Erst 1944 erbarmte sich das Battelle-Institut, eine gemeinnützige Forschungseinrichtung, der es drei Jahre später gelang, die Erfindung einem kleinen Hersteller von Fotopapier schmackhaft zu machen.

Die Firma Haloid, 1906 gegründet, hatte keine Erfahrung mit Technik, aber sie war bereit, etwas Neues zu wagen, weil ihr traditionelles Geschäft Schwächen zeigte. Stück für Stück entwickelte sie Carlsons Erfindung zu dem, was wir heute kennen, und gab sich schon 1956 optimistisch den Namenszusatz Xerox. Das Kunstwort, abgeleitet von den griechischen Begriffen für "trocken" und "schreiben", hatte sich ein Professor an der Ohio State-Universität einfallen lassen. Der Durchbruch kam 1959 mit dem Modell 914, das fast 300 Kilo wog, aber kinderleicht zu bedienen war und sich zehntausendfach verkaufte. Aus Xerox wurde über Nacht ein Weltunternehmen, das heute 57.000 Mitarbeiter beschäftigt und im vorigen Jahr 17 Milliarden Dollar einnahm.

Zukunft jenseits von Toner

Doch ausgerechnet der Konzern, der mit dem Vervielfältigen von Papier groß geworden ist, sieht seine Zukunft mittlerweile jenseits von Toner und Entwicklertrommel: bei Dienstleistungen und Software zur elektronischen Dokumentenbearbeitung, beim Digitalisieren der Informationen, die derzeit noch auf Papier vorliegen. "Wir ertrinken in Informationen", sagt Xerox-Strategiechef Eric Armour. Fast die Hälfte ihrer Zeit verbringen moderne Büromenschen damit, in Dokumenten zu wühlen, schätzt Xerox - oft auf der Suche nach Informationen. Da sieht die Firma ihre Chance: "Wir wollen die Abläufe vereinfachen und das Zusammenspiel zwischen digitalen und gedruckten Informationen vereinfachen", erklärt Armour. Als Beispiel nennt er eine Software zur semantischen Analyse von juristischen Dokumenten, die Anwälten hilft, schneller zum Ziel zu kommen.

Der Aufbruch ins digitale Zeitalter ist dem Kopierer-Pionier freilich nicht leicht gefallen: Es waren hauseigene Forscher im berühmten Xerox PARC-Labor im Silicon Valley, die Anfang der 1970er Jahre den "Alto" erfanden - den ersten Rechner mit Maus und grafischer Benutzeroberfläche. Doch Xerox überließ es anderen, ein Geschäft daraus zu machen. Auch der Ethernet-Standard zur Vernetzung von PCs wurde ursprünglich bei Xerox in Palo Alto entwickelt - ebenfalls eine Erfindung, mit der die Konzernherren im fernen Rochester, New York, nichts anzufangen wussten. Der Laserdrucker immerhin, ein naher Verwandter des Kopierers, schaffte erfolgreich den Weg aus der PARC-Entwicklerküche in die Büros in aller Welt. Reine Kopierer bietet Xerox inzwischen gar nicht mehr an. "Die Geräte müssen mindestens auch drucken und faxen können", sagt Eric Armour, "alles andere macht im digitalen Alltag keinen Sinn."

Die erste Fotokopie lässt sich derweil bis heute im Smithsonian-Museum in Washington bewundern. Chester Carlson überließ sie dem angesehenen Institut 1965 und zeigte sich auch sonst gemeinnützig: Den Großteil seines Vermögens, insgesamt mehr als 100 Millionen Dollar, spendete er zu wohltätigen Zwecken. Als er 1968 im Alter von 62 Jahren starb, war er nicht nur ein wohlhabender Mann, sondern auch ein vielfach ausgezeichneter Erfinder - und die Welt, die so lange mit seinem Einfall nichts anzufangen wusste, drückt bis heute dankbar auf den Knopf für die Kopie. Immer wieder und immer wieder.

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.