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Airbus: A 380 fliegt sich müde - ohne abzuheben

Der A 380 muss sich einiges gefallen lassen: Er wird in Dresden zwar nicht bis zum Bruch getestet, aber Airbus prüft die Struktur des Flugzeuges bis an ihre Grenzen. 47.500 Flüge soll er aushalten.

Hoch über Dresden hat das weltgrößte Passagierflugzeug, der Airbus A 380, bereits weit über 5000 Flugstunden absolviert - allerdings ohne abzuheben. In einer riesigen Halle am Rande des über der Stadt gelegenen Flughafens wird ein kompletter Airbus bei der Industrieanlagenbetriebsgesellschaft (IABG) auf Herz und Nieren geprüft. In einem aufwendigen Verfahren wird das Flugzeug einem so genannten Ermüdungstest unterzogen, um die Haltbarkeit bei der auf 25 Jahre angesetzten Lebensdauer des Flugzeuges im Testverfahren nachzuweisen.

An vier A 380 testet Airbus derzeit: zwei Maschinen werden zu Versuchsflügen genutzt, in Dresden steht ein Flugzeug im Ermüdungstest, und am Airbus-Firmensitz in Toulouse wird eine Maschine am Boden gar bis zum Bruch getestet. Dort brach Anfang Februar eine Tragfläche des Großraumjets, als die Ingenieure die Belastung vom 1,45-fachen auf das 1,5-fache der Grenzlast erhöhten.

Test des gesamten Flugverhaltens

So weit gehen die Prüfer in Dresden nicht. Mit Hilfe von hydraulischen Pumpen, Druckzylindern, Stahlkolben und pneumatischen Vorrichtungen strapazieren sie seit September 2005 die gesamte Struktur des Flugzeuges. Um diesen Test im Auftrag von Airbus vornehmen zu können, hat IBAG eine riesige Halle errichtet, in der der Rumpf und die beiden Tragflächen in einem Stahlgerüst aufgehängt sind. Insgesamt wurden 1800 Tonnen Stahl bei den Strukturen verwendet. Damit der Hallenboden die riesigen einwirkenden Kräfte auffangen kann, wurden zur Sicherung zwölf Meter lange Bohrpfähle in den Untergrund eingebracht. Mit den eingesetzten Geräten lässt sich das gesamte Flugverhalten vom Kabinendruck bis hin zu dem beim Flug auftretenden Vibrationen, Dehnungen, Verformungen und Temperaturen simulieren.

Für die Zulassung des A 380 sind diese Ermüdungstests, anders als etwa der Evakuierungstest vor knapp zwei Wochen im Airbus-Werk Hamburg, nicht entscheidend. Vielmehr sollen die Tests den Kunden zeigen, dass der Airbus, dessen Standardversion 555 Passagieren Platz bietet und der bei enger Bestuhlung auch 853 Passagiere befördern kann, 47.500 Flüge aushält.

Elf Minuten statt 14 Stunden

Die Tests verlaufen im Zeitraffer. So wird beispielsweise ein Flug des Airbusses von London nach Singapur, der real 13 bis 14 Stunden dauert, in elf Minuten simuliert. Dabei wird das Rohflugzeug ständig auf den letzten Stand der Versuchsflüge gebracht. Am Wochenende wurden die Testläufe unterbrochen, damit die Ingenieure die letzten Ergebnisse der bisherigen Testflüge in das Versuchsflugzeug eingeben können. Umgekehrt gehen auch die Ergebnisse der Dresdner Tests in die Produktion der Airbus-Flugzeuge ein. Dabei werden die erflogenen Daten mit den Computer errechneten Vorgaben verglichen und bei Bedarf geändert. Wäre das Rohflugzeug in Dresden ein in Wirklichkeit gebautes Flugzeug, würde es dem Zustand der 60. ausgelieferten Maschine entsprechen, erläutert ein Prüfingenieur.

Die Tests sollen bis Ende nächsten Jahres dauern. Dann wird der Airbus, der in Teilen zerlegt von Hamburg auf der Elbe nach Dresden gebracht und dort wieder zusammengebaut wurde, wieder auseinander genommen. Die Einzelteile werden dann zu den Herstellern zu Materialprüfungen zurückgeschickt.

Gert Schröter/Reuters / Reuters